Kein Licht im Dunkel - das neue EU-Bio-Siegel
13Es soll eins für alle sein und schnellen Durchblick im Bio-Siegel-... mehr

Klamotten kaufen wird immer komplizierter. Früher ging es mir nur um die Frage: Was gefällt mir? Doch seit ich Einkaufsrevolutionär bin, muss ich viel mehr beachten: Ist diese Jeans, die mir so gut gefällt, aus Biobaumwolle? Sind die Bauern und Textilarbeiterinnen für ihre Arbeit bezahlt worden? Hält das gute Stück lange genug, um wirklich nachhaltig zu sein? Und bei drei Mal Ja: Brauche ich die Jeans wirklich?
Es ist nicht einfach, aber es ist möglich, etwas zu finden, was diesem selbst auferlegten Kleidungskodex entspricht. Die Auswahl ist sogar ziemlich groß geworden, seit sich immer mehr junge Designer um ökologische und soziale Verantwortung bemühen. Doch allein mit dem Kauf ist es nicht getan.
Beim Weltretten durch verantwortungsvollen Konsum geht es nämlich nicht nur um den eigenen Kleiderschrank und ums beruhigte Privatgewissen, sondern um eine möglichst breite Wirkung. Und dazu gehört das Missionieren: „Lieber Elternverein, Sie schreiben, die neue Schulkleidung soll unseren Kindern Freude machen. Ich fände es schön, wenn sie auch den Baumwollanbauern und Textilarbeiterinnen Freude machen würde.“ Oder dieser: „Ja, klar, ich kaufe auch ein Vereins-T-Shirt, aber, ähm, könntet ihr nicht schnell den Hersteller wechseln?“
Ich traue mich fast gar nicht zu schreiben, wie erfolglos ich bisher dabei war. Und wie schnell mich ein verständnisloses Gesicht entmutigt hat. Aber das soll sich ändern. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass ausgerechnet die Linkspartei T-Shirts „Made in Bangladesh“ verkaufe, hergestellt also in einem Land mit den miesesten Arbeitsbedingungen der Welt. Die Süddeutsche berichtet weiter, dass sich die Partei keiner Schuld bewusst sei (SZ vom 31.5./1.6.). Und wirklich: Als ich nachfrage, sagt die Pressesprecherin barsch, das wären doch die Vertragspartner und das machen andere Parteien im übrigen auch, und der Hersteller habe doch ein Zertifikat vorgelegt.
Ich kann das nicht mehr hören: Die Vertragspartner! Das sagen die großen Unternehmen auch immer, wenn in Bangladesh mal wieder eine Fabrik einstürzt, und die Reporter in den Trümmern die Etiketten mit ihrem Namen finden. Glaubwürdigkeit ist doch wichtig, sagte ich der Pressefrau, gerade für eine Partei, die soziale Gerechtigkeit fordert. Plötzlich war sie nicht mehr abweisend, sondern sagte was von „dabei lernen“ und wollte meine Emailadresse wissen. „Herzlichen Dank für Ihre Anregungen“, schrieb sie ein paar Tage später, sie werde den Vorwürfen selbstverständlich nachgehen, und der Bundesgeschäftsführer wolle das prüfen.
Jetzt warte ich auf die Änderung im Online-Shop der Partei: T-Shirt mit Aufdruck „Die Linke“ - jetzt aus Biobaumwolle und ausbeutungsfrei. Wie hieß das bei Marshall McLuhan? Das Medium ist die Botschaft. Liebe Utopisten, das gilt auch für T-Shirts. Macht in diesem Sinn doch ein bisschen E-Mail-Druck, bei der Linkspartei und bei allen anderen Parteien, Vereinen, NGOs, die T-Shirts verkaufen und noch nicht verstanden haben, worauf es dabei ankommt.
Die Einkaufsrevolutionärin (Folge 1): Warum wir die Ampel brauchen

Dr. Tanja Busse ist Autorin des Buches „Die Einkaufsrevolution“, arbeitet als Moderatorin und schreibt für das Greenpeace Magazin. Sie lebt in Hamburg. Foto: Henrik Spohler
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Kommentare (9)
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Mario_Sedlak
sedl.at
Mario_Sedlak
schrieb am 13.05.2010 um 11:06Der "Nachhaltigkeitsverein" SOL <www.nachhaltig.at> wird demnächst ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle und "fairer" Produktion anbieten.
Und ich würde mich freuen, wenn der Satz "Die Auswahl ist sogar ziemlich groß geworden" auch für Männer, die sich ökologisch kleiden wollen, gelten würde. Zumindest in Wien ist das Angebot für Männer in den Geschäften sehr begrenzt. Und Versandhandel ist mir bei Stücken, die vielleicht nicht passen, zu kompliziert.
MonsieurPlankton
MonsieurPlankton
schrieb am 08.02.2010 um 20:04Hab dort schon mehrmals bestellt und gute Erfahrungen mit den echt stylischen Klamotten gemacht.
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