Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Die Einkaufsrevolutionärin (2)

T-Shirt mit Botschaft


 


Illustration: Hedi Lusser und Miro Poferl

Klamotten kaufen wird immer komplizierter. Früher ging es mir nur um die Frage: Was gefällt mir? Doch seit ich Einkaufsrevolutionär bin, muss ich viel mehr beachten: Ist diese Jeans, die mir so gut gefällt, aus Biobaumwolle? Sind die Bauern und Textilarbeiterinnen für ihre Arbeit bezahlt worden? Hält das gute Stück lange genug, um wirklich nachhaltig zu sein? Und bei drei Mal Ja: Brauche ich die Jeans wirklich?

Es ist nicht einfach, aber es ist möglich, etwas zu finden, was diesem selbst auferlegten Kleidungskodex entspricht. Die Auswahl ist sogar ziemlich groß geworden, seit sich immer mehr junge Designer um ökologische und soziale Verantwortung bemühen. Doch allein mit dem Kauf ist es nicht getan.
Beim Weltretten durch verantwortungsvollen Konsum geht es nämlich nicht nur um den eigenen Kleiderschrank und ums beruhigte Privatgewissen, sondern um eine möglichst breite Wirkung. Und dazu gehört das Missionieren: „Lieber Elternverein, Sie schreiben, die neue Schulkleidung soll unseren Kindern Freude machen. Ich fände es schön, wenn sie auch den Baumwollanbauern und Textilarbeiterinnen Freude machen würde.“ Oder dieser: „Ja, klar, ich kaufe auch ein Vereins-T-Shirt, aber, ähm, könntet ihr nicht schnell den Hersteller wechseln?“

Ich traue mich fast gar nicht zu schreiben, wie erfolglos ich bisher dabei war. Und wie schnell mich ein verständnisloses Gesicht entmutigt hat. Aber das soll sich ändern. Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass ausgerechnet die Linkspartei T-Shirts „Made in Bangladesh“ verkaufe, hergestellt also in einem Land mit den miesesten Arbeitsbedingungen der Welt. Die Süddeutsche berichtet weiter, dass sich die Partei keiner Schuld bewusst sei (SZ vom 31.5./1.6.). Und wirklich: Als ich nachfrage, sagt die Pressesprecherin barsch, das wären doch die Vertragspartner und das machen andere Parteien im übrigen auch, und der Hersteller habe doch ein Zertifikat vorgelegt.

Ich kann das nicht mehr hören: Die Vertragspartner! Das sagen die großen Unternehmen auch immer, wenn in Bangladesh mal wieder eine Fabrik einstürzt, und die Reporter in den Trümmern die Etiketten mit ihrem Namen finden. Glaubwürdigkeit ist doch wichtig, sagte ich der Pressefrau, gerade für eine Partei, die soziale Gerechtigkeit fordert. Plötzlich war sie nicht mehr abweisend, sondern sagte was von „dabei lernen“ und wollte meine Emailadresse wissen. „Herzlichen Dank für Ihre Anregungen“, schrieb sie ein paar Tage später, sie werde den Vorwürfen selbstverständlich nachgehen, und der Bundesgeschäftsführer wolle das prüfen.

Jetzt warte ich auf die Änderung im Online-Shop der Partei: T-Shirt mit Aufdruck „Die Linke“ - jetzt aus Biobaumwolle und ausbeutungsfrei. Wie hieß das bei Marshall McLuhan? Das Medium ist die Botschaft. Liebe Utopisten, das gilt auch für T-Shirts. Macht in diesem Sinn doch ein bisschen E-Mail-Druck, bei der Linkspartei und bei allen anderen Parteien, Vereinen, NGOs, die T-Shirts verkaufen und noch nicht verstanden haben, worauf es dabei ankommt.


Die Einkaufsrevolutionärin (Folge 1): Warum wir die Ampel brauchen

 



Foto: Henrik Spohler

Dr. Tanja Busse ist Autorin des Buches „Die Einkaufsrevolution“, arbeitet als Moderatorin und schreibt für das Greenpeace Magazin. Sie lebt in Hamburg.




Stand: 10.06.2008 von

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    schrieb am 13.05.2010 um 11:06
    Wieder super Recherche!

    Der "Nachhaltigkeitsverein" SOL <www.nachhaltig.at> wird demnächst ein T-Shirt aus Bio-Baumwolle und "fairer" Produktion anbieten.

    Und ich würde mich freuen, wenn der Satz "Die Auswahl ist sogar ziemlich groß geworden" auch für Männer, die sich ökologisch kleiden wollen, gelten würde. Zumindest in Wien ist das Angebot für Männer in den Geschäften sehr begrenzt. Und Versandhandel ist mir bei Stücken, die vielleicht nicht passen, zu kompliziert. mehr weniger
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    schrieb am 08.02.2010 um 20:04
    Ich kann auch www.fairtragen.de empfehlen.
    Hab dort schon mehrmals bestellt und gute Erfahrungen mit den echt stylischen Klamotten gemacht.
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    schrieb am 29.08.2008 um 20:06
    ...ich arbeite täglich in einem Reformhaus in Hamburg.Wir lieben unsere Arbeit und haben echt tolle Kunden in allen Altersklassen.Über Arbeitskleidung haben wir schon nachgedacht,und uns erstmal einfach für Namensschilder entschieden.Damit solche Sachen,wie Utopia beispielsweise,auch wirklich bekannter werden,wäre ich schon bereit täglich Werbung für eine gute Sache zu laufen!Nun muss ich sagen,dass ich heute nicht mehr die Power habe,mich grossartig umzusehen wer von euch tolle Sachen anbietet,oder selber auch noch Vorschläge zu machen.Wer sich aufgerufen fühlt mir zu schreiben wird mit Sicherheit ein offenes Ohr finden.Wer weiss,...?Vielleicht machen wir ja tatsächlich`ne echt fette Aktion im kleinen,oder sogar im grossen?????Gruss Axel... mehr weniger
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    schrieb am 09.07.2008 um 00:21
    Inspiriert durch diesen Artikel habe ich gerade an das Comicduo Katz&Goldt gemailt, die Ihre bedruckten Shirts über Spreadshirt verkaufen. Immerhin hat man hier Mitbestimmungsrecht! So kann man aus dem grossteils unfairen, durch Kinderarbeit und in Sweatshops [Vermutung, genau weiss mans ja nicht] produzierten Angebot die Biovariante von American Apparel wählen.
    Meine Idee war jetzt also: Eine Gutscheincode-Rabatt-Aktion [bei Katz&Goldt in anderem Zusammenhang bereits üblich] speziell für die unter fairen Bedingungen und in Bio-Baumwoll-Qualität hergestellten American-Apparel-Shirts zu starten.
    Ich bin gespannt, ob der Vorschlag umgesetzt wird! ;)
    ~~~~~~
    Yippie! Sie haben es gemacht! Bei Katz&Goldt gibt's noch bis zum 15.9. 20% Bio-Rabatt! :)

    http://www.katzundgoldt.de/rumpfkluft mehr weniger
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    schrieb am 07.07.2008 um 15:17
    Wie sieht es mit der Produktpalette von spreadshirt aus? Kennt sich da jemand aus?

    http://www.spreadshirt.net
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