Fairtrade ist gut, daran gibt es nichts zu rütteln. Ein einfaches Logo, eine klare Botschaft: Wir zahlen hier etwas mehr, damit die Leute, die anderswo für uns arbeiten, besser bezahlt werden. Damit Plantagenarbeiter und Kleinbauern halbwegs in Würde arbeiten können. Mit Planungssicherheit und Perspektive.
Auch wenn es Kritik daran gibt, dass die Fair-Trade-Prämie zu gering sei im Vergleich zu den guten Preisen, die sich damit bei den Konsumenten erzielen lassen: Es gibt guten Grund, in der Fairen Woche, die noch bis zum 29. September läuft, den Fairen Handel und seine enormen Zuwachsraten zu preisen: Der Fair-Trade-Weltverband FLO meldet 47 Prozent Zuwachs von 2006 auf 2007. Weltweit haben die Konsumenten im letzten Jahr 2,3 Milliarden Euro für Fair-Trade-gelabelte Waren ausgegeben.
Das ist gut - aber zu wenig: Denn der Marktanteil der Fair-Trade-Produkte dürfte in den meisten Ländern noch immer unter zehn Prozent liegen. Und das heißt: Neun von zehn Menschen, die ihren Lebensunterhalt mit Bananen, Kaffee, Orangen und Kakao bestreiten, können von Glück reden, wenn sie für ihre Arbeit so viel Geld bekommen, dass sie ihre Familien halbwegs ernähren können. Theoretisch haben sie ein Recht auf ausreichende Ernährung, auf eine gute Schulbildung, überhaupt auf ein menschenwürdiges Leben, doch praktisch sind sie abhängig von der Willkür der großen Plantagenbesitzer und der Gnadenlosigkeit der Weltmarktpreise. Wer kümmert sich darum?
Und: Wenn eine private Initiative wie der Fair-Trade-Weltverband bewiesen hat, dass man etwas gegen die Ausbeutung dieser Menschen tun kann, und dass sogar viele Menschen bereit, dabei zu helfen - warum gelingt das den politischen Institutionen nicht?
Es ist völlig unverständlich, warum die Politik auf nationaler und internationaler Ebene versagt. Die Welthandelsorganisation WTO hat der ganzen Welt die Regeln des freien Handels aufgezwungen, wenn ein Land dagegen verstößt, wird es verklagt. Ebenso gibt es verbindliche soziale Mindeststandards für Arbeiter, aufgestellt von der Weltarbeitsorganisation ILO, unterzeichnet von fast allen Ländern der Welt. Bloß: Wenn ein Plantagenbesitzer oder ein Handelsunternehmen dagegen verstößt, wie es tagtäglich in fast allen armen und sehr armen Ländern geschieht - passiert gar nichts. Die sozialen Mindeststandards kann man nirgends einklagen. Wir müssen das einfordern. Wir müssen die politischen Versäumnisse kritisieren, die diesen privat organisierten Fairen Handel überhaupt erst nötig gemacht haben. Und dabei geht es nicht nur um böse Dritt-Welt-Diktatoren, sondern auch um die Rolle deutscher Politiker bei der WTO und bei der ILO und der UNO und um die EU-Handelsrichtlinien und nicht zuletzt um die Profiteure dieser Richtlinien im Import und im Lebensmitteleinzelhandel.
Und wir müssen dafür sorgen, dass immer mehr Produkte fair gehandelt werden – indem wir die Produzenten durch unseren Konsum unterstützen und signalisieren: Ihr seid uns nicht egal.

Foto: Henrik Spohler
Dr. Tanja Busse ist Autorin
des Buches „Die Einkaufsrevolution“,
arbeitet als Moderatorin und
schreibt für das Greenpeace Magazin.
Sie lebt in Hamburg.


Kommentare (6)
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Nur zu ;-))
Ruth Habermehl
Danke für den interessanten Artikel. Passend zum Thema beginnt heute in Finnland die "Fair-Trade-Woche". Zur Eröffnung wird versuchte den Rekord im größten "Fair Trade Coffee Break" zu brechen, der im Mai in New York mit mehr als 12.000 Teilnehmern aufgestellt wurde. Fair Trade Finnland hat dazu aufgerufen, heute (21.10.08) zwischen 14-15 Uhr ortszeit (bei uns 13-14 Uhr) in Cafés und Restaurants Fair Trade zertifizierte Produkte (Kaffee, Tee...) zu bestellen! Das könnten die Finnen gut schaffen, als Volk des höchsten Kaffeekonsums der Welt. 9,7 kg gerösteter Kaffee pro Kopf/Jahr entspricht 3,8 Tassen pro Tag. Wenn diese fast 10 kg Fair Trade Kaffee wären, würden die Finnen gute Unterstützung leisten. Sind es aber leider nicht.
Mal sehen, was bei der Aktion rauskommt.
LG, kristin
Meines (bescheidenen) Wissens nach werden eher Gemeinschaftsprojekte gefördert. Da könnte man natürlich gleich für solche Projekte spenden...
Für mich persönlich ist es erstaunlich, dass Fairtrade so unumstritten ist, obwohl da gleichzeitig so wesentliche Fragen offen bleiben. Wenn ich etwas spenden soll, erwarte ich mir vollständige Transparenz.