SAM-Nachhaltigkeitsstudie

Die besten Unternehmen der Welt?


An der Erhebung für das Sustainability Yearbook dürfen jährlich die 2.500 größten Firmen (nach dem Dow Jones Global Total Stock Market Index) aus 58 Branchen teilnehmen. Die Unternehmen werden nach dem „best in class“ Ansatz branchenintern miteinander verglichen. Es wird also bewertet, wer im Vergleich zu anderen Mitbewerbern die beste Nachhaltigkeitsleistung vorweisen kann. Nike oder Adidas, BASF oder Bayer. Dabei wird keine Branche von vornherein ausgeschlossen, sodass das Yearbook Lebensmittelkonzerne, Elektronik- und Autohersteller oder Mobilfunkanbieter genauso aufführt wie Airlines, Öl-, Chemie oder Bergbaukonzerne.

Ein kleiner Auszug aus der diesjährigen Branchenbesten-Liste, der zu denken gibt:

  • Lebensmittelhersteller: Unilever
  • Airlines: Air France
  • Autohersteller: BMW
  • Kommunikationstechnik: Nokia
  • Bekleidungshersteller: Puma.

Das gibt es für die Unternehmen zu gewinnen

Die Vorteile für Unternehmen im Sustainability Yearbook zu erscheinen, am besten in einer der drei Treppchenkategorien Gold, Silber, Bronze oder gar als Branchen-Leader liegen auf der Hand. Sie können diese Auszeichnung nicht nur prima für ihre interne und externe Kommunikation verwerten, sondern tauchen weltweit in den Portfolios diverser gemäßigter Ethikfonds auf. Unternehmen, die in den DJSI aufgenommen werden, können mit einem steigenden Börsenkurs rechnen, wer rausfliegt, wird dagegen vom Bullen zertrampelt. Der positive Effekt: Nachhaltigkeit gewinnt für diese Unternehmen einen Mehrwert, es entsteht ein Anreiz an der eigenen Nachhaltigkeitsperformance etwas zu verbessern, um so im nächsten Jahr vielleicht den ein oder anderen Konkurrenten abzuhängen.

Wonach wird eigentlich bewertet?

Das Sustainability Yearbook soll eine Entscheidungsgrundlage für Investitionen bieten. Die SAM-Group geht davon aus, dass es einen direkten Zusammenhang zwischen Unternehmensnachhaltigkeit und Entwicklung des Aktienkurses gibt. Im Klartext: „As a general rule, we focus on sustainability issues that are most likely to have a material impact on the company’s financial performance.“, erklärt Daniel Wild,
Head of Research in der aktuellen Yearbook Ausgabe. Die Definition von Nachhaltigkeit, die von SAM zugrunde gelegt wird, ist universeller Natur und hängt nicht allein mit ökologischen Kriterien zusammen. Die ökologische Dimension wird gemeinsam mit sozialen und ökonomischen Kriterien in die Nachhaltigkeitsrechnung der Studie mit aufgenommen. Die Messpunkte, welche festlegen, was nachhaltiges ökologisches, soziales oder ökonomisches Handeln im unternehmerischen Kontext ausmacht, werden individuell für jede Branche festgelegt. Gemeinsam mit branchenübergreifenden, allgemeinen Messpunkten ergibt sich dann eine für den Leser leider nicht mehr nachvollziehbare Gewichtung der drei Faktoren Ökonomie, Ökologie und Soziales. Am Beispiel Lebensmittelindustrie sieht das dann so aus: Die ökonomische Dimension macht 34 %, die ökologische 29 % und die soziale 37 % der Gesamtwertung aus (in der Vorjahresausgabe übrigens 38,2 / 25,8 / 36 %). Der Gesamt-Branchenleader ist demnach also nicht automatisch der Branchenleader im Bereich Ökologie.

„Hellgrüne“ Nachhaltigkeit in der Kritik

Nachdem im letzten Jahr diverse Ethikfonds mit BP mitwackeln durften, ist die Praxis der „hellgrünen“ Anlagefonds stark in die Kritik geraten. Ende Mai 2010 wurde BP aus dem Dow Jones Sustainability Index (DJSI) geschmissen. Aber hätte eine Firma wie BP überhaupt darin auftauchen dürfen? Schließlich gab es bereits in den Vorjahren immer wieder schwere Unfälle, 2005 eine Explosion in einer Raffinerie in Texas, 2006 die kaputte Pipeline in Alaska, schließlich 2010 der Supergau im Golf von Mexiko.
Die Bewertung von SAM bezieht sich, wie das Manager Magazin kritisiert lediglich auf öffentlich zugängliche Geschäfts- und Nachhaltigkeitsberichte und einen Fragebogen, der sich vom Unternehmen jedoch auch gezielt manipulieren lässt. Dies soll bereits vorgekommen sein, wie das Manager Magazin berichtet.
Auch die SAM-Kriterien lassen sich hinterfragen. Gehören ökonomische Faktoren, zu denen beispielsweise auch das Marketing zählt, tatsächlich in eine Nachhaltigkeitsanalyse? Müssen bestimmte Branchen wie die Ölindustrie nicht von vornherein ausgeschlossen werden? – Das ließe sich erwarten, wenn es tatsächlich um nachhaltige Unternehmen ginge. Der „best in class“ Ansatz ist aber relativ und liefert im schlimmsten Fall einfach nur das kleinste Übel. Trotzdem hat er seine Berechtigung. Zum einen wäre es eine Art Freibrief, wenn manche Branchen prinzipiell ausgeschlossen würden, zum anderen können solche Untersuchungen, wenn sie gut gemacht sind, für Investoren, die nicht in Nachhaltigkeit, aber möglichst nicht unnachhaltig investieren möchten, ein guter Referenzpunkt sein. Wer aber beispielsweise in Ökofonds investieren möchte, für den ist der DJSI nicht der richtige Maßstab.

Echte Nachhaltigkeitsfonds

Viele Ethikfonds verlassen sich nicht auf SAM und DJSI und schließen Unternehmen aus fragwürdigen Branchen prinzipiell aus ihrem Angebot aus. Es kann in keinem Fall schaden, vor der Investition in Aktienfonds als Anleger selbst zu recherchieren. Auf ein Nachhaltigkeitslabel sollte man sich jedenfalls nicht blind verlassen. Diverse Nachhaltigkeitsfonds spezialisieren sich auch auf explizit nachhaltige und nicht nur nachhaltig wirtschaftende Unternehmen. So kann man sein Geld beispielsweise in Erneuerbare Energien anlegen. Sogar die Möglichkeit sein Geld vegan zu investieren, gibt es. Der Audrey Ryan’s Ethical Equity Fund enthält keine Aktien, mit denen sich ein Veganer unwohl fühlen würde.

 

Lesen Sie auf der nächsten Seite einen Kommentar zum SAM Sustainability Yearbook von Stefan Schaltegger, Professor für Nachhaltigkeitsmanagement an der Leuphana Universität Lüneburg.


Quellen: SAM Group, Handelsblatt, The Telegraph, thisismoney.co.uk

Foto: daniel.schoenen / Quelle : photocase.com

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    Amira
    schrieb am 03.03.2011 um 21:25
    Der Artikel ist gut, bemerken möchte ich allerdings zu den erneuerbaren Energien einiges. Betrachtet man es nur unter dem Aspekt Nachhaltigkeit, gehört die Photovoltaikbranche sicher dazu. Dies trifft allerdings bei einigen dieser Firmen nicht für die Personalpolitik zu. Die Branche arbeitet mit...
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    woidbua
    schrieb am 03.03.2011 um 20:04
    Guter, kritischer Artikel! m.E. ist das ein rechtes Green-Washing, was in diesem Bericht betrieben wird. Es weiß doch in der Zwischenzeit jeder halbwegs aufgeklärte Mensch, dass die Privatisierung der Wasserversorgung spätestens dann zum Problem wird (ist das erste Thema in dem Bericht) wenn...
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