Die Bessermacher (5) Wolfgang Hafenmayer

Ein Turbo für gute Ideen!


Utopia: Herr Hafenmayer, was will LGT Venture Philanthropy besser machen als andere?

Wolfgang Hafenmayer: Kurz gesagt, weltweit gibt es vier Milliarden Menschen, die täglich mit weniger als zwei Dollar am Tag auskommen müssen. Ihr Alltag ist durch einen Teufelskreis aus sozialen und ökologischen Problemen gekennzeichnet. Unser Ziel ist es, Organisationen in Entwicklungsländern zu finden, die durch ihre Lösung das Leid der betroffenen  Menschen lindern und ihnen gleichzeitig Bildungs- und Einkommensmöglichkeiten verschaffen. Die Lösungen erstrecken sich thematisch von Abfallmanagement, über Schulbildung, bis hin zur medizinischen Grundversorgung.

Mit anderen Worten betreiben Sie also klassische Charity?

W.H.: Für das, was wir tun, trifft der Begriff Charity nur in Ausnahmen zu. Uns geht es hauptsächlich darum, junge, lokale Organisationen mit einer wirksamen Lösung schnell zum Wachsen zu bringen. Das heißt, wir versuchen, dass möglichst viele benachteiligte Menschen von diesen Lösungen profitieren und die Organisationen als Treiber der positiven Wirkung langfristig finanziell selbsttragend werden.  Man nennt das heutzutage Impact Investing. Es geht in 70 Prozent der Fälle nicht nur um die Geldspende, sondern Investitionen mit einer positiven finanziellen Rendite und hohem sozialen Impact.

Was genau geschieht mit meinem Geld, wenn ich es bei Ihnen investiere?

W.H.: Wir identifizieren junge Organisation in Lateinamerika, Afrika, Indien, Südostasien und China und helfen ihnen beim Wachstum. Einerseits, indem wir sie finanzieren, andererseits indem wir unser Management-Know-how einbringen und Zugang zu wichtigen Netzwerk ermöglichen. Sie können bei uns entweder in einen Fond investieren, bei dem Sie zwar minimale Renditen erwarten können, aber hauptsächlich motiviert sein sollten, etwas Positives zu bewirken. Hier geht es allerdings um Beträge ab 125.000 Euro. Wer weniger investieren möchte, kann zum Beispiel in unsere bestehenden Stiftungen spenden oder sich bei einzelnen Organisationen beteiligen.

Kann ich hoffen, etwas von meinem Geld zurückzubekommen oder sogar eine Rendite erwarten?

W.H.: Beim Impact Investing ist das Risiko sehr hoch. Wir unterstützen - wie gesagt - junge, stark wachsende Organisationen. Deshalb suchen wir uns als Geldgeber Menschen, die nicht von diesem Geld abhängig sind. Menschen, die mit diesem Teil ihres Vermögens wirklich Gutes tun wollen. Dennoch wird das Geld so investiert, dass mit einem gewissen Risiko eine positive Rendite zurückgezahlt wird. Allerdings in einem Zeitraum von fünf bis zehn Jahren. Wir sind sehr geduldiges Geld. Diese Anlageform empfehlen wir niemanden, der auf eine sichere Rendite ausgerichtet ist.

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Können Sie mir ein beispielhaftes Projekt nennen, das Sie mit Impact Investing unterstützen?

W.H.: Gerne. In Indien zum Beispiel gibt es 500 Millionen Menschen, die keine Stromversorgung haben. Ab fünf Uhr abends behelfen sie sich mit Kerosinlampen, um ein wenig Licht zu haben. Dort unterstützen wir mit Husk Power Systems eine Organisation, die dezentral kleine Biomassekraftwerke aufbaut. Eines dieser Kraftwerke kann im Umkreis von fünf Kilometern bis zu 15.000 Menschen versorgen.  In den Kraftwerken wird das verbrannt, was in Indien im Überfluss vorhanden ist: die Abfälle der Reisernte, die sonst einfach auf den Feldern liegen bleiben. Bis wir uns dort engagiert haben, hatte die Organisation acht Kraftwerke. Innerhalb der letzten eineinhalb Jahre ist die Zahl schon auf 75 gewachsen, in den nächsten drei, vier Jahren sollen es 2.000 sein. Acht Millionen Menschen werden dann zum ersten Mal mit Strom versorgt sein und können zudem für mehr finanzielle Unabhängigkeit sorgen. Wenn Sie abends von der Arbeit auf dem Feld nach Hause kommen, haben sie durch die Elektrizität die Möglichkeit, kleine Gewerbe aufzubauen. So schaffen wir mit Hilfe der Kraftwerke Wege aus der Armut.

Sie haben selbst mal im Big-Business bei einer sehr bekannten Unternehmensberatung gearbeitet. Was hat Sie dahin gebracht, wo Sie jetzt sind?

W.H.: Es gibt zwei einfache Fragen, die ich mir immer wieder stelle. Die eine lautet: Würdest du das Gleiche machen, was du jetzt tust, wenn du wüsstest, dass du in sechs Monaten stirbst? Die andere: Was möchtest du später deinen Enkelkindern darüber erzahlen, was du mit deinen Fähigkeiten in deinem Leben angefangen hast?  Als Unternehmensberater musste ich mir irgendwann schlicht und einfach eingestehen, dass das Ziel, für das ich gearbeitet habe – nämlich großen Unternehmen noch mehr Geld zu beschaffen – keine gute Antwort auf beide Fragen war.

Und dann?

W.H.: Um eine Auszeit zu nehmen, bin ich zusammen  mit meiner Frau auf Weltreise gegangen und habe mit vielen Menschen gesprochen, die etwas Positives bewegen. Darüber haben wir anschließend das Buch „Die Zukunftsmacher“ geschrieben. Ich war von der tiefen Zufriedenheit dieser Leute so beeindruckt, dass ich einen ähnlichen Weg gehen wollte. Darum bin ich jetzt da, wo ich bin.

Herr Hafenmayer, schön dass Sie da sind, vielen Dank für das Gespräch.

von


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    dietmar
    schrieb am 09.11.2011 um 16:22
    Wenn ich das richtig verstehe, würde diese Art der "Spende" (was es im worst case sein würde) sehr effektiv helfen. Es ist ein probates Mittel, am Erfolg der Projekte moralisch und finanziell positiv beteiligt zu sein. Oder?
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