Da sitzt er also vor uns, Hanns-Peter Cohn, der CEO von Vitra, der einen großen Teil unserer Lieblingsmöbel in seinem Sortiment hat. Klassiker wie die Möbel von Charles & Ray Eames, neue Klassiker wie die Möbel der Gebrüder Bouroullec und von Hella Jongerius. Der gute Mann steht einem Unternehmen vor, das sich ein eigenes Möbelmuseum leisten kann und in der Region für sein herausragendes Engagement bekannt ist. Und was tut er? Als ich ihm sage, dass einer unserer sechs Jahre alten Vitra Stühle (die nicht teuer waren) etwas quietscht, lässt ihm das keine Ruhe. Er legt selbst Hand an und versucht, der Ursache auf die Spur zu kommen. Für übe
r zehn Minuten gerät unser Interview zur Nebensache, seine Aufmerksamkeit gilt allein der quietschenden Sitzgelegenheit. So ist das eben, wenn ein Unternehmen für seine Möbel eine Mindesthaltbarkeit von 15 Jahren veranschlagt. Dann ist schon ein leichtes Quietschen nach sechs Jahren vollkommen unbefriedigend. „Stellen Sie den Stuhl am besten gleich raus. Wir lassen ihn abholen, das müssen wir untersuchen“, sagt Cohn, bevor er sich dann so langsam wieder auf unser Gespräch konzentrieren kann. Im Laufe des Interviews wird eines klar - Vitra dachte bis vor kurzem über Nachhaltigkeit gar nicht so bewusst nach. Das Prinzip steckt so sehr im Erbgut des Unternehmens und seiner Eigentümerfamilie, dass daraus lange keine bewusste Strategie wurde, auch wenn das Unternehmen schon 1986 eine Nachhaltigkeits-Gruppe gründete. Im überall spürbaren Qualitätsbewusstsein des Hauses ist Nachhaltigkeit völlig natürlich verankert ...
Herr Cohn, was macht Vitra besser als andere Unternehmen?
Hanns-Peter Cohn: Ich weiß nicht, ob wir was besser machen. Aber Vitra steht dafür ein, dass Produkte lange halten sollen. Dazu braucht es gewisse Qualitätsnormen, die wir durch selbstformulierte Qualitätsziele erreichen. Dazu gehört die visuelle, die funktionelle Qualität des Objektes sowie die Verwendung hochwertiger Komponenten und deren Verbindungen, aus denen das Produkt besteht. Am Designprozess sind Autoren, Ingenieure und Spezialisten für Biomechanik und Nachhaltigkeit beteiligt. Jeder steht für seinen Part einer langjährigen Nutzung des Produktes.
Was macht Vitra neben der Langlebigkeit seiner Produkte noch zu einem nachhaltigen Unternehmen?
Hanns-Peter Cohn: Wir beschäftigen uns seit 1986 mit dem Thema Nachhaltigkeit. Damals haben wir Standards eingeführt, die wir kontinuierlich vorantreiben. Das manifestiert sich in den Materialen, die wir für unsere Produkte verwenden, in unserem Energiehaushalt, und im Respekt gegenüber unseren Kunden und Mitarbeitern und unserer Region. Auf einen Nenner gebracht: Wir versuchen, die Dinge ökonomisch-ökologisch intelligent und mit sozialer Verantwortung zu machen. Also ganz im Sinne der nachhaltigen Entwicklung.
Wir sitzen jetzt gerade im Utopia Konferenzraum auf Vitra Stühlen. Was macht die nachhaltig?
Hanns-Peter Cohn: Der Stuhl ist der .05 von Martin van Severen. Die Gestaltung ist schlicht, das bedeutet minimalen Materialaufwand. Er besteht aus Edelstahl und Polyurethan. Er ist sehr komfortabel, trotzdem er gar nicht so aussieht und hält über Jahrzehnte. Zudem kann man ihn recyceln, die Komponenten sind sortenrein trennbar. Wir versuchen, alle Produkte in Richtung Cradle-to-Cradle zu entwickeln. Deshalb achten wir darauf, Materialen zu verwenden, die wieder zurück in den industriellen Kreislauf können, nachdem ein Produkt sein Leben ausgehaucht hat.
Vitra Produkte sind ja sehr teuer, ist Nachhaltigkeit nur was für Besserverdiener?
Hanns-Peter Cohn: Ich denke nicht, dass wir teuer sind – ich denke, Vitra Produkte sind preiswert und zwar im wahrsten Sinne des Wortes. Wir haben Produkte aus unterschiedlichen Preisstufen im Angebot und versuchen in jeder Stufe, die höchstmögliche Qualität zu bieten.
Kann nachhaltiges Design Menschen dazu bringen, nachhaltiger zu handeln?
Hanns-Peter Cohn: Ja, die Nutzung von Produkten über einen längeren Zeitraum macht natürlich auch Spaß. Denken Sie zum Beispiel an eine Schweizer Uhr, zu der viele Besitzer sozusagen eine emotionale Haltung entwickeln. Dass das ein Industriemanager sagt, ist möglicherweise strange, aber wir müssen definitiv weg von der Wegwerfgesellschaft.
Genauso verhält es sich mit unseren Eames Möbeln, die heute z.T. gebraucht teurer sind, als wenn Sie sie neu kaufen (Ergänzung CL).
Hanns-Peter Cohn über Net 'n' Nest, die Nachhaltigkeit von Home Office und mehr...
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Kommentare (3)
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http://bjoernsievers.posterous.com/geplante-obsolenz-kaufen-fur-die-mullhalde-hd
In den Studien zu diesem Thema wird die Meinung vertreten, dass die Aufrechterhaltung des Paradigmas unendlichen Wirtschaftswachstums und der Stimulation des Marktes viele Unternehmen dazu verleitet, Produkte mit künstlich begrenzter Lebensdauer herzustellen.
Siehe dazu http://www.europarl.europa.eu/sides/getDoc.do?pubRef=-//EP//TEXT+WQ+E-2011-001284+0+DOC+XML+V0//DE
Neben dem Blick auf die Wegwerfgesellschaft stellt Filmemacherin Cosima Dannoritzer auch die Lösungsansätze von Unternehmern vor, die alternative Produktionsweisen entwickeln.
Und Intellektuelle mahnen an, die Technik möge sich auf ihre ursprüngliche Aufgabe zurückbesinnen, auf die dauerhafte Erleichterung des Alltags ohne gleichzeitige Verwüstung des Planeten. http://www.thegardengirls.de/2011/03/10/von-der-verganglichkeit-der-dinge/
Nullwachstum gibt es in der Natur, bei allen lebenden Organismen, überall auf der Welt und ist eine ganz natürliche Sache.
Dazu muß man sich ganz einfach mal einen Organismus in seinem Lebensverlauf anschauen. Nach dem Entstehen wächst der Organismus heran. Die Wachstumsrate liegt zunächst deutlich über dem reinen Reproduktionsanteil. Nach einigen Jahren schwächt sich das Wachstum ab und endet letztendlich im Nullwachstum.
Eine weitere Zunahme von Größe und Gewicht ist kaum noch feststellbar. mehr weniger