„Der Hüter der guten Produkte“
11Dr. Rainer Grießhammer ist der Gründer des Freiburger Öko-Instituts... mehr
besser: wissen - machen - kaufen
Utopia: Herr Weber, was machen Sie besser als andere?
Jörg Weber: Wir haben nicht angefangen, um es besser zu machen, sondern um es überhaupt zu machen: Wir waren damals der einzige Verlag, der mit einer Zeitschrift und einer Internetplattform ausschließlich über ethisch-nachhaltige Finanzanlagen berichtet hat. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Insofern messen wir uns eher mit konventionellen Finanz-Publikationen. Besonders wichtig ist uns seit jeher die Unabhängigkeit unseres Unternehmens, die es uns auch in (Finanz-)Krisenzeiten erlaubt, frei zu recherchieren und unsere Meinung zu äußern.
Verraten Sie uns Ihre Meinung zur aktuellen Finanzkrise. Was haben Sie gedacht, als Sie vom neuen Hebel, dem Euro-Rettungsschirm gehört haben?
J.W.: Ich habe ein gewisses Unbehagen empfunden. Vor allen, weil die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass nicht alle Politiker, die darüber entschieden haben, verstanden haben, was sie da lostreten. Staatsschulden oder Krisenbekämpfung zu hebeln, ist bestimmt nicht ganz einfach.
Sie klingen trotzdem sehr ruhig und besonnen, macht Ihnen die momentane Situation keine Angst?
J.W.: Nein, beunruhigt bin ich nicht. Das Leben wird weitergehen, auch wenn der Euro zusammenbricht.
Wird er das?
J.W.: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Eurozone in fünf Jahren nur noch aus acht Staaten besteht, schätze ich auf 50 Prozent. Aber dazu muss ich sagen, dass ich die Art und Weise, wie die Finanzkrise zur Katastrophe gemacht wird, für unangemessen halte. Man hat das Gefühl, sie sei das Schlimmste, was einem in Europa gerade drohen kann. Das ist Blödsinn. Der Klimawandel hingegen, der macht mich wirklich unruhig.
Uns auch. Bleiben wir trotzdem bei den Finanzen. Was wird in den nächsten zwölf Monaten die größte Herausforderung in Ihrer Branche sein?
J.W.: Meine Sorge ist, dass zwei, drei Anbieter nachhaltiger Kapitalanlagen das nächste Jahr nicht überstehen und dass damit bei den Anlegern ein Gefühl á la „da sieht man´s mal wieder, das Grüne hat noch nicht geklappt“ zurückbleibt. Das wäre bitter.
Auch wer nachhaltig anlegt, muss also verteufelt aufpassen?
J. W.: Naja, gerade in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit insgesamt im Trend liegt, gibt es natürlich Unternehmen, die sich ein grünes Mäntelchen umhängen, um das schnelle Geld zu verdienen. Auf ECOreporter.de haben wir deshalb die „Wachhund-Rubrik“, in der wir versuchen, genau diese Anbieter zu enttarnen. Ich sage bewusst versuchen, weil das juristisch nicht immer ganz einfach ist.
Gibt es nachhaltige Geldanlagen, die in Krisenzeiten sicher sind? Die große Hoffnung war ja, dass nachhaltige Geldanlagen wertstabiler sind als alles andere. Aber das hat sich bisher nicht wirklich bewiesen.
J.W.: Hier muss man unterscheiden. Nachhaltige Geldanlagen, die sich auf Aktien beziehen, entwickeln sich im Großen und Ganzen wie die Börse. Also nach oben und nach unten. Auch nachhaltige Aktienfonds haben Höhen und durchaus auch Tiefen. Recht gut liefen viele grüne Finanzprodukte, die nicht an der Börse gehandelt werden, beispielsweise die Mehrzahl der Windfonds oder auch viele geschlossenen Solarfonds.
Kommentare (3)
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greenwave
schrieb am 11.01.2012 um 13:54 ¶juwolf
schrieb am 15.12.2011 um 18:09 ¶Kommentar schreiben
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