Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Die Bessermacher (7) – ECOreporter Jörg Weber

Der Wachhund des grünen Geldes


Utopia: Herr Weber, was machen Sie besser als andere?

Jörg Weber: Wir haben nicht angefangen, um es besser zu machen, sondern um es überhaupt zu machen: Wir waren damals der einzige Verlag, der mit einer Zeitschrift und einer Internetplattform ausschließlich über ethisch-nachhaltige Finanzanlagen berichtet hat. Daran hat sich bis heute nicht viel geändert. Insofern messen wir uns eher mit konventionellen Finanz-Publikationen. Besonders wichtig ist uns seit jeher die Unabhängigkeit unseres Unternehmens, die es uns auch in (Finanz-)Krisenzeiten erlaubt, frei zu recherchieren und unsere Meinung zu äußern.

Verraten Sie uns Ihre Meinung zur aktuellen Finanzkrise. Was haben Sie gedacht, als Sie vom neuen Hebel, dem Euro-Rettungsschirm gehört haben?

J.W.: Ich habe ein gewisses Unbehagen empfunden. Vor allen, weil die Wahrscheinlichkeit sehr hoch ist, dass nicht alle Politiker, die darüber entschieden haben, verstanden haben, was sie da lostreten. Staatsschulden oder Krisenbekämpfung zu hebeln, ist bestimmt nicht ganz einfach.

„Das Leben wird weitergehen, auch wenn der Euro zusammenbricht“


Sie klingen trotzdem sehr ruhig und besonnen, macht Ihnen die momentane Situation keine Angst?

J.W.: Nein, beunruhigt bin ich nicht. Das Leben wird weitergehen, auch wenn der Euro zusammenbricht.

Wird er das?

J.W.: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Eurozone in fünf Jahren nur noch aus acht Staaten besteht, schätze ich auf 50 Prozent. Aber dazu muss ich sagen, dass ich die Art und Weise, wie die Finanzkrise zur Katastrophe gemacht wird, für unangemessen halte. Man hat das Gefühl, sie sei das Schlimmste, was einem in Europa gerade drohen kann. Das ist Blödsinn. Der Klimawandel hingegen, der macht mich wirklich unruhig.

Uns auch. Bleiben wir trotzdem bei den Finanzen. Was wird  in den nächsten zwölf  Monaten die größte Herausforderung in Ihrer Branche sein?

J.W.: Meine Sorge ist, dass zwei, drei Anbieter nachhaltiger Kapitalanlagen das nächste Jahr nicht überstehen und dass damit bei den Anlegern ein Gefühl á la „da sieht man´s mal wieder, das Grüne hat noch nicht geklappt“ zurückbleibt. Das wäre bitter.

Grüne Geldanlagen in Krisenzeiten


Auch wer nachhaltig anlegt, muss also verteufelt aufpassen?

J. W.: Naja, gerade in Zeiten, in denen Nachhaltigkeit insgesamt im Trend liegt, gibt es natürlich Unternehmen, die sich ein grünes Mäntelchen umhängen, um das schnelle Geld zu verdienen. Auf ECOreporter.de haben wir deshalb die „Wachhund-Rubrik“, in der wir versuchen, genau diese Anbieter zu enttarnen. Ich sage bewusst versuchen, weil das juristisch nicht immer ganz einfach ist.


Gibt es nachhaltige Geldanlagen, die in Krisenzeiten sicher sind? Die große Hoffnung war ja, dass nachhaltige Geldanlagen wertstabiler sind als alles andere. Aber das hat sich bisher nicht wirklich bewiesen.

J.W.: Hier muss man unterscheiden. Nachhaltige Geldanlagen, die sich auf Aktien beziehen, entwickeln sich im Großen und Ganzen wie die Börse. Also nach oben und  nach unten. Auch nachhaltige Aktienfonds haben Höhen und durchaus auch Tiefen. Recht gut liefen viele grüne Finanzprodukte, die nicht an der Börse gehandelt werden, beispielsweise die Mehrzahl der Windfonds oder auch viele geschlossenen Solarfonds.


Stand: 14.12.2011 von

Kommentare (3)   abonnieren

alle Kommentare (3)
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 11.01.2012 um 13:54
    @AlicePopkorn: 2x daneben liegen geht statistisch bei ErneuerbarenEnergien Fonds schon kaum (selbst wenn die Deutsche Bank dabei im Spiel war).

    Um welchen Fonds handelt es sich denn - vielleicht ist ein Verkauf am Zweitmarkt nicht die beste Lösung...
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 15.12.2011 um 18:09
    .........dass man Geld nicht essen kann..........
    http://www.youtube.com/watch?v=sUluLLAuBWo&feature=mfu_in_order&list=UL

    Geld ist und bleibt ein Tauschmittel - zumindest für den oder die Letzte/n in der Reihe (des Pyramidenspieles der wundersamen Geldvermehrung) und wenn es keinen entsprechenden Gegenwert mehr gibt, hat das Tauschmittel seinen Wert verloren. mehr weniger
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 14.12.2011 um 17:49
    Ergänzung : Schade, dass ich dieses Portal nicht früher gekannt habe.
    Ich habe 2 von solchen geschlossenen Fonds als "rentensicher" bei der Deutschen Bank gekauft.
    Der eine ist pleite. Als ich den anderen verkaufen wollte, wurde mir gesagt, dass ich mich darum selbst kümmern muss. Jetzt habe ich ein Angebot von einem Zweitmarkt-Handel, wenn ich Glück habe, bekomme ich von meinem 10.000 euro Anteil nach Abzug aller Gebühren 2200,- ausgezahlt - kein Kommentar.
    Bin jetzt bei der GLS Bank. mehr weniger
alle Kommentare (3)
Kommentar schreiben
(5000/5000)


Mehr zu Die Bessermacher