Utopia-Konferenz 2010 - Hannes Jaenicke

„Der Konsument unterschätzt seine Macht“


Claudia Langer: In Ihren Interviews haben Sie in letzter Zeit häufig angemerkt, jetzt komme es auf den Verbraucher an. Warum?
 
Hannes Jaenicke:  Mittlerweile bin ich seit 30 Jahren für NGOs aktiv und ehrlich gesagt vermisse ich Erfolgsgeschichten. Wenn man sich anschaut, wie lange es NGOs schon gibt – Greenpeace beispielsweise seit 1971 – und wogegen diese anrennen, muss man leider immer noch von Don-Quijoterie allertraurigster Sorte sprechen. Ich denke, die Kampagnenarbeit muss sich in Zukunft weniger gegen Politik und Industrie richten, sondern im positiven Sinne an den Konsumenten. Denn offensichtlich haben Industrie und Politik überhaupt kein Interesse daran, wirklich sozial und umweltverträglich zu denken, zu arbeiten und zu produzieren. Die Windmühlen, die wir daher adressieren müssten, sind wir selber – die Konsumenten.
 

Der Konsument lässt sich einlullen

C. L.: Der Konsument gibt sich nun aber eher träge. Er hat lange Zeit die Warnschüsse gehört und sich nicht bewegt. Liegt zwischen Absichtserklärungen und tatsächlichem Handeln  eben doch ein weiter Weg?
 
H.J.: Natürlich ist der Konsument durch die heftige Industrialisierung der letzten 50 Jahre traege und bequem geworden. Und zwar durch Werbung, Kommerzialisierung, Globalisierung und allen voran die Politik. Wann fällt die Politik denn die unbequemen Entscheidungen? Im Sommerloch während der Fußball-WM. Die Politik möchte ja gar nicht, dass wir wirklich mitdenken und die Industrie möchte das noch viel weniger. Dem muss man konsequent entgegenarbeiten.

Produkt der Woche 42

C.L.: Nun gibt es viele Leute, die sagen, der Konsument hat kein Erkenntnisproblem. Jeder weiß, dass die Klimaerwärmung stattfindet, zumindest zwei Drittel erkennen es an. Wenn man den Zahlen der Marktforschung Glauben schenkt, sind 60 Prozent der Deutschen gegen Atomstrom, trotzdem nur acht Prozent zu Ökostromanbietern gewechselt. Es liegt also ein weiter Weg zwischen Erkenntnis und Handeln. Warum passiert noch so wenig?
 
H.J.: Es ist vor allem die Bequemlichkeit. Der Mensch ist ein bequemes Wesen, was mich natürlich einschließt.  Es ist angenehmer in einer warmen, beheizten Wohnung im Winter zu sitzen, anstatt in zwei Pullis eingepackt zu frieren. Dazu kommt der schon angesprochene Mangel an Information, der durch die Industrie drastisch verstärkt wird. Mein liebstes Negativ-Beispiel ist hierfür die Lebensmittelindustrie. Man kann von Strukturen einer Mafia sprechen, die den Konsumenten bewusst täuscht. Wüssten die Verbraucher, was sie jeden Tag konsumieren, würden sie anders shoppen und essen. Aber Studien, die belegen, dass die Leukämie-Rate bei Kindern in der Nähe des Atomlagers Asse erhöht ist,  werden eben auch nicht veröffentlicht. Und ein großer Teil der Gutachten wird schlicht und einfach erkauft.

Video: Hannes Jaenicke spricht zum Thema Verbrauchermacht.

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    Nicothe1st
    schrieb am 22.01.2011 um 00:06
    Grüße aus Wiesbaden - ...ich plane gerade ein Transition Town Treffen zum Thema "Macht des Konsumenten". Danke für die wertvollen Hilfestellungen dazu. Ich habe mir fast alles durchgelesen. Bei der Vorbereitung ist mir klar geworden das man nicht im Haushalt spart, sondern mit dem Haushalt....
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    LuisWider
    schrieb am 21.01.2011 um 10:22
    1. Die Menschen sind nicht zu träge, sie sind zu beschäftigt, neist mit all`der täglichen Arbeit und dem dazugehörigen Stress, Familie, Kinder und dann noch die Kraft und den Willen aufbringen, mehr Geld und Zeit auszugeben um Bio zu kaufen, selber zu kochen.... das ist schwer. Und..2. Die...
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