Kommentar zur IAA (1)
Die Sau der Auto-Mobilität
Von Michael Adler
Als ich von der letzten IAA mit dem ICE nach Hause fuhr, hatte ich ein schlechtes Gewissen. Die ganze Autobranche zeigte sich 2007 so grün, dass man sich als Zugfahrer schon fast als Umweltschwein fühlen musste. Wasserstoff und Brennstoffzelle, Biokraftstoffe und Synfuels, Hybrid- und Elektroantriebe hießen damals noch die Verheißungen der Zukunft. Inzwischen sind wir eine Weltwirtschaftskrise weiter, GM und Chrysler waren zwischenzeitlich pleite und die Autoindustrie hat ein paar Optionen weniger als vor zwei Jahren.
Frei nach einer verbreiteten Fußballweisheit gilt auch beim Auto: “Entscheidend ist auf der Straße”. Viele Prototypen blieben Show-Einzelstücke für die Messe. Wasserstoff erwies sich als zu teuer und muss energieaufwändig hergestellt werden. Biosprit nahm dummerweise zu viel Ackerfläche für die Produktion von Nahrungsmitteln weg.
Was bleibt ist nur noch die Elektromobilität, die jetzt die Welt retten kann. Ist ja auch logisch, Steckdosen gibt es überall und Elektromotoren produzieren keine Abgase. Fahren mit Strom ist die derzeit angesagte Sau der Automobilität, die durchs globale Dorf getrieben wird. Und weil der Strom irgendwie in die Steckdose hineinkommen muss, forderten einige Autobosse schnell den Ausbau von Kernkraftwerken, weil Atomstrom je CO2 frei sei. Schöne einfache Welt.
Man muss ernsthaft fürchten, dass schwarz-gelb, sollten sie denn bei der anstehenden Bundestagswahl die Mehrheit bekommen, solchen Schwachsinn zur offiziellen Klimaschutzpolitik der Bundesregierung in Sachen Mobilität erklären würden. Zusammen mit dem schwarz-gelben Riesen ADAC, der schon in ernster Sorge um die freie Fahrt für freie Bürger war.
Das Ziel solcher Heilsversprechungen aus der Politik liegt auf der Hand: Bloß die Wähler nicht verschrecken, schon gar nicht im Wahljahr 2009. Es wird suggeriert: Wir, die Politik, machen da was ganz Großes zusammen mit der weltbesten Autoindustrie und dann wird alles wieder gut. Und, Du lieber Autofahrer, musst dein Verhalten kein bisschen ändern.
Stimmt aber nicht. Es werden weniger und kleinere Autos auf der Welt gebraucht. In den nächsten zwei Jahrzehnten werden diese Autos weiter zum weit überwiegenden Teil mit Diesel und Benzin betrieben. Deshalb stimmen Wissenschaftler weltweit darin überein, dass der Verbrauch und damit die CO2-Emissionen bis 2020 auf 80 Gramm gesenkt werden müssen. Deutsche Autos blasen derzeit noch durchschnittlich 165 Gramm CO2 pro Kilometer aus dem Auspuff. Das heißt klar: weniger Premium-Spritschleudern, mehr leicht gebaute Kleinwagen. Eine Mercedes S-Klasse mit Hybrid-Antrieb rettet nicht das Klima.


Kommentare (76)
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Ebinobi
schrieb am 15.01.2010 um 19:55 ¶Kommentar schreiben
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