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David Fisher

Sieht so der erste Öko-Wolkenkratzer aus?


Von Stephan Sepp

Wäre David Fisher, zu dem die zarte Schönheit in dem blauen Satinkleid gehört, ein bildender Künstler, würde er Nathalie wahrscheinlich als seine Muse bezeichnen. Bei Architekten ist das anders, da hören die Musen auf „Assistentin“. Als solche begleitet Nathalie ihren Maestro auf seinen Reisen, gleich einem Engel seinem Messias folgend, der die frohe Botschaft in die Welt hinausschreit: Fürchtet Euch nicht vor der Zukunft!

Zuletzt war der israelische Architekt mit Wohnsitz in Italien im November in Deutschland. In Erfurt auf dem Bauhaus-Solar-Kongress. Er war der Stargast auf dem Rednerpodium. Auf der Leinwand hinter seinem Rücken ragte eine Reihe von asymmetrischen Türmen empor. Eine Studie des Bauprojekts, das David Fisher noch in diesem Jahr in Dubai realisieren will: den Rotating Tower. Ein einzigartiges Gebäude, in vielerlei Hinsicht.

Rotating Tower im AbendlichtEs beginnt schon mit dem Bau. Der findet in einer Fabrik statt, in der das 420 Meter hohe Haus nahezu komplett vorgefertigt wird. Vor Ort entsteht dann nur ein gigantischer Kernstift, an dem die 80 scheibenartigen Stockwerke übereinander aufgereiht werden. Die ungewöhnliche Konstruktion vereinfacht den Aufbau und erlaubt zudem einen besonderen Gag: Die einzelnen Stockwerke können sich unabhängig voneinander, beliebig in jede Richtung drehen. Dadurch wird der Turm kontinuierlich seine Form verändern. Er wird ein neues Kapitel der Baukunstgeschichte beginnen: das der, im wahren Wortsinn, lebendigen Architektur. Weil die Bewohner der Appartements die Bewegungen selbst bestimmen werden. Sie können entscheiden, ob sie den Sonnenuntergang im Wohnzimmer oder auf der Terrasse erleben wollen. Das ist die Art von Luxus, die den Rahmen sprengt. Die sich der Rotating Tower mit gutem Gewissen leistet. Denn neben photovoltaischen Zellen auf dem Dach des Turmes hat Fisher Windräder vorgesehen, die vertikal zwischen den Stockwerken rotieren. Somit ist der Rotating Tower der erste Öko-Wolkenkratzer der Welt. Der nach Fishers Berechnungen nur einen Teil seiner erzeugten Energie für sich selbst benötigt. Den Rest stellt er der Nachbarschaft zur Verfügung.

Vielleicht erleben wir tatsächlich gerade die Wiedergeburt der Sechziger Jahre, eine Dekade des Optimismus. Amerika hat einen neuen Präsidenten gewählt, den seine Fans mit J. F. Kennedy vergleichen. In Dubai entsteht futuristische Architektur, die an das Raketen-Design und die Spaceship-Interieurs der Sixties erinnert. Ganz im Sinn der neuen Yes-we-can-Rhetorik sei der Rotating Tower vor allem ein „Symbol dafür, dass alles möglich ist,“ sagt  David Fisher. Das ist schon viel in diesen Zeiten, in denen sich die Gesellschaft, mehr oder weniger dem Retro-Wahn verfallen, gerne wegduckt vor dem, was da noch alles auf sie zukommt.

Jetzt muss Fisher nur noch beweisen, dass seine Ideen funktionieren. Skeptiker werfen dem Visionär vor, er sei ein Architekt ohne Architektur. In der Tat: Fisher hat keinerlei Erfahrungen als klassischer Baumeister. Er hat als Restaurator historischer Denkmäler gearbeitet, als beratender Bautechnologie-Experte und als Raumdesigner für Hotels. Den Großteil seines Lebens brachte er damit zu, Architektur als Professor an der Universität Florenz zu lehren – und neu zu erfinden. Als industrielles Produkt, das sich in ferner Zukunft so effizient herstellen lässt wie ein Auto oder ein DVD-Rekorder.


Zitat David FisherBis dahin muss Fisher allerdings noch einige Steine aus dem Weg räumen, den er beschreitet, seit er vor 40 Jahren von Tel Aviv nach Florenz gezogen ist. Die Stadt, in der die Renaissance geboren wurde, hat ihn entscheidend geprägt. Inspiriert und fasziniert von dem Universal-Genie Leonardo da Vinci, dem Künstler, Wissenschaftler, Ingenieur und Erfinder, hat Fisher seinen Glauben an die Unbegrenztheit des menschlichen Geistes entwickelt. Er wird diesen Glauben wirklich brauchen. Schließlich wollte Leonardo nur ein bisschen fliegen – Fisher dagegen will die Welt retten.

Auch wenn es auf den ersten Blick so aussieht, als wolle er mit dem Rotating Tower nur ein paar Millionäre glücklich machen. Mit luxuriösen Wellness-Pools, Terrassen-Gärten und einem Spezialaufzug, der die Ferraris seiner Kunden aus der Garage vor deren Haustür liftet. Der Rotating Tower sei so etwas wie ein Spaceshuttle, sagt David Fisher. „Das Shuttle selbst können zwar nur ein paar Astronauten benutzen. Aber von den Erfindungen, die mit der Entwicklung des Shuttles einhergehen, profitieren Milliarden Menschen auf der Welt.“

Immerhin läuft schon der Countdown. Fisher ist sich sicher, dass sein Shuttle abheben wird, Finanzkrise hin oder her. „Dann fängt mein Job allerdings erst richtig an,“ sagt er. Dann will er Öko-Häuser bauen, die sich jeder leisten kann. Sofern der geistig Grenzenlose nicht physisch doch noch an sein Limit gerät. Die 60 hat Fisher schon hinter sich gelassen. Da schwinden langsam die Kräfte und die Zeit wird knapp.


Es gibt immer wieder Gerüchte, dass der Rotating Tower am Ende doch nicht mehr gebaut werde. Weder der in Dubai, noch die folgenden, die Fisher in anderen Städten realisieren will. Dann bleibt wenigstens noch seine Idee und beflügelt vielleicht die vielen Architekten, die zurzeit keine Arbeit haben. Die lamentieren oft, weil sie nur noch Garagen und Verkehrsinseln zeichnen dürfen. Dabei würden sie doch so gerne monumentale Opernhäuser und schicke Flagshipstores bauen. Schlimm, schlimm, sagen sie, es gibt heute auf dieser Welt leider keine Aufgaben mehr für einen kreativen Architekten. Das kann man ja nun wohl wirklich nicht mehr behaupten.     

Bauen für Bonsen?Diskussion im Forum: Zuerst für Millionäre bauen, damit die Masse am Ende profitiert?

 

 

Bilder: David Fisher / dynamicarchitecture

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Stand: 25.03.2009 von

Kommentare (7)   abonnieren

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    schrieb am 24.03.2009 um 18:38
    1) Die Ressourcen für gigantomanische Objekte dieser Art sind ebenfalls gigantomanisch (Herstellung, Energieverbrauch dafür, Entsorgung am Ende der Lebensdauer).

    2) Wozu die Bewegung der Stockwerke: wenn das individuell einstellbar sein soll, müßte es eine Bewohnerpartei pro Stockwerk sein: ein nutzloses Ökospielzeug für Scheichs?

    3) Die gigantischen Kosten für so etwas wären besser in Öko-Bildung und lowtech-Projekte für die armen Länder angelegt: da ist klar, dass es sich rechnet, und es fällt kein Müll an.

    Schön anzugucken, aber meiner Meinung unrealistisch und sozial und ökologisch in die völlig falsche Richtung weisend: Gigantomanie zerstört die Welt: noch mehr Gigantomanie soll sie retten? Lieber in kleinen Schritten voran, die jetzt und hier von jedem getan werden können.
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    schrieb am 24.03.2009 um 19:47
    Natürlich wird hier nur Elitäres für die Reichsten vorgestellt.
    Nun, liebe "wir sind Papst" Pilger - denkt an Rom ohne jenen Platz und den Dom. Geht nicht - ohne der Signalwirkung der Prestigeobjekte. Wichtig ist, dass sie schön und eindeutig in ihrer Botschaft sind. Kein "Palast der Republik". Ästhetisch, geometrisch und technisch wäre dieses hohe Gebäude faszinierend. Man würde es auch nur einmal bauen. Die Egos der Scheichs ragen mittlerweile schon in den Wüstenhimmel.
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    schrieb am 24.03.2009 um 21:45
    Diese 'Krankheit' hat meines Erachtens nahezu alle Architekten erwischt. Zitat aus Wikipedia:

    "Als Egomanen bezeichnet man eine unter dem Symptom Egomanie (v. griech. bzw. lat. ego = ich + griech. ????? manía = Raserei; auch Ich-Sucht) leidende Person. (...) Oft tritt Egomanie als eines von mehreren Symptomen einer Manie im Rahmen einer bipolaren Störung (manisch-depressive Krankheit) auf und wird dann meist von Megalomanie (Größenwahn) begleitet."

    Jonas hat Recht: grober Unfug, kompletter Unsinn ist so ein Bauwerk. Architekten profilieren sich als großartige Greenwasher, wenn sie keine anderen Argumente mehr finden um ihre Neubauten verwirklichen zu dürfen. Zum Kotzen ...
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    schrieb am 25.03.2009 um 22:36
    Egomanie - "Diese 'Krankheit' hat meines Erachtens nahezu alle Architekten erwischt." Das meint Josh von Staudach.

    Zu dieser Meinung kommt man leicht, wenn man nur von den Architekten weiß, die sich zu Medien-Lieblingen gemacht haben. Die Presse liebt die Egomanen und verachtet den Rest.

    Die Aussagen von Jonas und Josh zu diesem speziellen Projekt kann ich aber überhaupt nicht widerlegen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Thomas Bittner

    Architekt

    http://www.habito.de
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    schrieb am 26.03.2009 um 12:21
    Unfug! Da wurden schon andere Wolkenkratzer gebaut, die vermutlich selbiges behaupten würden. Vielleicht glaubt dieser Architekt die "Fortschritte" anderer Architekten noch einmal überbieten zu können.

    Ansonsten schließe ich mich Jonas und Josh an! Das Gebäude wird ausserdem selten so gut aussehen, wie auf den Fotos, wenn jeder "Mieter" selbst am Rad drehen darf. Es wird wohl meistens wie auf dem vorletzten Bild aussehen.
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    schrieb am 26.03.2009 um 16:28
    Diese Wolkenkratzer produzieren laut dem Architekten ihren eigenen Strom, plus Überschuss selbst. Es sind also Plusenergiehäuser.
    Zudem können wir uns nicht davor verschließen, dass sich die Ballungszentren in Zukunft noch konzentrieren werden.
    In die Vertikale zu bauen ist also die einzige Option um alle Menschen unter zu bringen ohne mehr Platz zu versiegel und zu verbauen.
    Zudem sieht diese Architektur einfach klasse aus.
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    schrieb am 26.03.2009 um 18:29
    In die Vertikale zu bauen ist NICHT die einzige Option, um alle Menschen unterzubringen ohne mehr Platz zu versiegeln und zu verbauen. Im Gegenteil:

    Hohe Häuser müssen größere Abstände zu anderen Gebäuden einhalten, als niedrige. So stehen sie einzeln herum mit viel Fläche drumherum. Die maximale städtebauliche Dichte erreicht man mit 3- bis 5-geschossigen Bauwerken.

    Der Anteil der vertikalen Erschließungsflächen in einem Gebäude steigt mit der Höhe. Im Einfamilienhaus kommt man mit 10 Prozent aus. Der Anteil steigt sprunghaft bei mehr als 4 Geschossen durch den Einbau eines Aufzugs. Bei "Wolkenkratzern" steigt der Anteil über 50 Prozent; das heißt, dass die halbe Höhe nur dafür gebraucht wird, die Fläche auszugleichen, die für die vertikale Erschließung nötig ist.
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