„Der Konsument unterschätzt seine Macht“
33Mit „Wut allein reicht nicht!“ wird der Schauspieler und... mehr
besser: wissen - machen - kaufen
von Stephan Sepp
Bei Louis Trenker war es der breitkrempige Alpinistenhut. Der berühmte „Trenker-Hut“, mit dem sich der Bergsteiger und Filmemacher fast immer und überall zeigte. Bei David de Rothschild ist es die Ski-Mütze. Von ihm gerne in wohltemperierten Hotel-Lobbys getragen, kombiniert mit lässigen Anzügen. Es geht um die symbolische Botschaft der Kopfbedeckungen, mit der die Träger sagen wollen: Ich bin nur kurz in der Zivilisation, um „hallo“ zu sagen. Oder um heiß zu duschen. „Für mich ist das der reine Luxus,“ sagt David de Rothschild. Als müsse ihn das Wasser nicht alleine vom Schweiß befreien, sondern auch vom Geruch des Geldes, der seinem schillernden Namen anhaftet.
Schließlich entstammt der 30-jährige Brite, der sich den Medien so erfolgreich als Abenteurer und Öko-Aktivist verkauft, einer der reichsten Bankiersdynastien der Welt. An der Geschäftswelt zeigt er bislang kein Interesse, schon als Student belegte er Neigungsfächer: Politikwissenschaft, Informatik und Naturheilkunde. Er übt keinen klassischen Beruf aus, der der Vermehrung oder Sicherung seines Vermögens dienen könnte. Er gibt sich lieber dem Leben eines Playboys hin. Was an dieser Stelle nichts anderes bedeuten soll, als dass er tut, wozu er Lust hat. Und dass der sportbegeisterte Triathlet verwegene und spektakuläre Aktivitäten bevorzugt, die den Rahmen konventioneller Freizeitgestaltung sprengen.
In diesem Punkt unterscheidet er sich kaum von einem Playboy der alten Schule. Von seinem Vater zum Beispiel, Sir Evelyn de Rothschild, der sich seine Zeit mit rauschenden Partys, Autorennen und Polo-Tournieren vertrieb, bevor er sich dem Business zuwandte. Davon abgesehen ist David de Rothschild allerdings ein völlig anderer. Wahrscheinlich ist er der Prototyp des Playboys in der postfeministischen Ära. Ein wilder Draufgänger mit hehren Idealen. Ein Held, für den sich Männer wie Frauen begeistern können.
De Rothschild kriegt sie alle, vor allem durch seinen Charme. Er macht keinen Hehl aus den Motiven, die ihn immer wieder in Regionen treibt, an denen sich die Folgen des Klimawandels bereits sichtbar machen. Der Forscherdrang und die Sorge um die Umwelt? Sicher. Aber natürlich auch die pure Lust am Abenteuer. Und die sportlichen Herausforderungen. „Es ist ein großer Spaß,“ sagt er ganz unverblümt.
Als würde ihm das alles gar nichts ausmachen, die Strapazen während der Expeditionen und die extreme Kälte. Mittlerweile hat de Rothschild bereits beide Pole dieser Erde erreicht – was bisher mit ihm nur 40 Menschen gelang. Er durchquerte die Antarktis. Und – sogar in Rekordzeit – die grönländische Eisplatte. Demnächst will der ewig Rastlose wieder aufbrechen. Sein Ziel ist der so genannte Eastern Garbage Patch, eine Meeresregion im Pazifischen Ozean. Ein Ort, etwa fünf Mal so groß wie Großbritannien, an dem sich gigantische Müll-Mengen an angesammelt haben. De Rothschild wird mit einem Floß unterwegs sein, das er aus recycelten Plastik-Flaschen gebaut hat. Er hat es „Plastiki“ getauft, in Anlehnung an die „Kontiki“, mit der der norwegische Abenteurer Thor Heyerdahl 1947 zu den polynesischen Inseln reiste.
Die Expedition wird ähnlich wie die Reise verlaufen, die de Rothschild vor zwei Jahren mit Forschern und Künstlern im Urwald von Ecuador unternahm. Sie wird ein aufwändiges Medien-Event sein, mit Kameraleuten, die ihre Bilder über sowie unter dem Wasser live via Internet senden. Bei seinen Aktionen gehe es ihm vor allem um die Aufmerksamkeit, sagt de Rothschild. Das passt in unsere Zeit, in der die PR-Strategen und die Event-Manager regieren. In die Ära der „Attention Economy“, wie die Soziologen sagen, in der die Aufmerksamkeit mehr zählt als Reichtum und Prestige.
Ein Phänomen, das diesen Trend illustriert, sind zum Beispiel die Ausdauerathleten, die mit dem Fahrrad Asien durchqueren oder in Jogging-Schuhen den afrikanischen Kontinent. Die gerne behaupten, sie seien für den Frieden und die Umwelt unterwegs – und in Wahrheit oft nur nach Aufmerksamkeit für sich selbst streben.
Foto: www.theplastiki.com
Kommentare (3)
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DOM
schrieb am 07.04.2009 um 03:36 ¶anonym
schrieb am 02.04.2009 um 19:18 ¶Kommentar schreiben
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