Ganz grundsätzlich
Das Prinzip des strategischen Konsums
Strategischer Konsum: Wie wir heute für die Zukunft einkaufen.
Das böse Prinzip des Konsums, mit jedem Kauf das Ungleichgewicht der Welt zu vergrößern, Kinderarbeit zu unterstützen, indische Bauern in Pestiziden baden zu lassen und dazu gleichzeitig auch noch den Umsatz des Fachhändlers in der kleinstädtischen Fußgängerzone zu schmälern, geht nicht mehr auf. Konsum kann nämlich auch ganz anders.
Bewusstes Einkaufen
Seit geraumer Zeit ersetzt eine einfache Idee die Ohmacht des Konsumrausches: Wir können mit jedem Kauf nicht nur unser privates Glück befriedigen, sondern auch die Lebensstandards für Mensch und Umwelt auf der ganzen Welt erhöhen, wenn wir fair gehandelte und ökologisch korrekt hergestellte Produkte kaufen. So einfach und gut: Das ist bewusstes Einkaufen. Ein erster, wichtiger Schritt. Aber spüren wir da nicht schon wieder das Gefühl des Lifestyle-Rausches? Hier setzt das Prinzip des strategischen Konsums ein. Denn während sich nun der grüne Lohas-Anhänger mit seiner „I am not a plastic bag“ gemütlich in seinen Hybridwagen zurücklehnt, geht der strategische Konsument noch einen Schritt weiter. Er wird revolutionär, und das im wahrsten Sinne des Wortes: Er gestaltet den Markt.
Konsum wird revolutionär
Denn wenn wir ehrlich sind: Auch wenn wir all die grünen Produkte kaufen, die der Markt jetzt hergibt, können wir damit nicht den entscheidenden Schritt gehen, den wir gehen müssten, um eine grüne Zukunft zu gestalten. Es fehlen einfach 90% der Produkte. Und auf die wollen und können wir nicht warten. Diese Produkte müssen wir einfordern. Was also kann ein strategischer Konsument tun?
1. Der strategische Konsument informiert sich.
Gerade in einer Zeit, in der wir noch nie soviel Auswahl hatten wie heute, wird planvolles Einkaufen umso wichtiger. Keiner möchte billigen Ramschangeboten erliegen oder überteuerte Ware kaufen. Der strategische Konsument nimmt sich deshalb die Zeit, um sich über die Waren zu informieren. Wer nicht informiert ist, kann auch nichts bewegen. Lesen Sie also Zeitschriften wie Ökotest, achten Sie auf Gütesiegel, und fragen Sie doch einfach mal, woher die Ware kommt, die Sie in den Händen halten. Sie werden im schlimmsten Fall böse überrascht sein und das Stück Fleisch, Stoff, Brot oder Gemüse wieder in das Regal zurücklegen.
2. Der strategische Konsument kauft bewusst ein.
Die fair gehandelten und ökologisch korrekten Produkte, die heute am Markt zu kaufen sind, gehören auf die Einkaufsliste. Gerade die Dinge für den täglichen Bedarf wie Lebensmittel, Reinigungsmittel oder Kleidung sollten fair gehandelt und ökologisch hergestellt sein. Völlig unsinnige Produkte wie hochchemische Reinigungs- und Waschmittel sollten komplett ignoriert werden. Das setzt ein deutliches Signal und zwingt ganze Branchen zum Umdenken.
3. Der strategische Konsument plant langfristig.
Nicht nur ein Vorurteil: Strategischer Konsum ist eine tolle Sache, wenn man genug Zeit - und vor allem genug Geld hat. Ja, viele Bio- und Ökoprodukte sind teuer. Jedoch sprechen zwei Dinge dafür, sie dennoch zu kaufen. Erstens: Langfristig lohnen sich teure Bioprodukte allemal. Der nicht pestizidverseuchte Bioapfel ist gesünder, und ein energiesparender Kühlschrank spart langfristig Strom und damit Geld. Und: Je mehr Bioprodukte gekauft werden, desto mehr Anbieter wird es geben, desto günstiger werden im Wettbewerb die Preise. Der strategische Konsument hat aus gutem Grund einen langen Atem: Es müssen massive Änderungen her, und der Druck auf die Industrie muss größer werden.
4. Der strategische Konsument ist selbstbewusst.
Es geht beim strategischen Konsumieren nicht um Verzicht! Es geht, wie der Name schon sagt, um Konsum. Der strategische Konsument ist eine Marktchance. Er sucht nach sozial und ökologisch verträglichen Produkten. Es gäbe keine Hybridautos, wenn danach nicht gefragt würde. Wo sind aber das ökologische Handy, die schadstofffreien Flugzeuge oder das schadstofffreie, kompostierbare Laptop? Klingt utopisch? Der Weg dahin ist sicher von waghalsigen Experimenten und Misserfolgen geprägt. Doch da bleibt ein strategischer Konsument spielerisch. Denn das Ziel ist klar: Es gibt keine Alternative zu einem nachhaltigen Lebensstil.
Das ist das Prinzip des strategischen Konsums. Wir bestimmen, was wir kaufen wollen.
Wenn wir also etwas erreichen wollen, brauchen wir eine Strategie. Eine Strategie hat immer ein Ziel. Um zu diesem Ziel zu gelangen, brauchen wir einen Plan. Schreiben Sie deshalb das nächste Mal auf Ihren Einkaufszettel nicht nur die Produkte, die Sie kaufen wollen, sondern gleich auch die Produkte, die Sie nie wieder sehen wollen. Der Markt wird sich darauf einstellen müssen.


Kommentare (21)
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Christine Wuttke
schrieb am 01.05.2008 um 21:41 ¶benito dc
schrieb am 28.03.2008 um 21:50 ¶Kommentar schreiben
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