Das Leben ist kein Ponyhof

Die Weichmacher



Meine Tochter hat ihre Hände entdeckt.

Das ist schön, wirft aber wieder neue Probleme auf. So habe ich ein Kaninchen namens „Hase“. Ich glaube, ich erwähnte das bereits. Hase ist ein sympathisches Tier und wohnt in meinem Büro. Leider ist er nicht mehr der jüngste und hat folgendes, recht unangenehmes Gebrechen: Er leidet an Inkontinenz. In regelmäßigen Abständen führt das zu wahren Urin-Ozeanen unter meinem Schreibtisch. Ich drohe Hase dann jedes Mal mit sofortiger Verspeisung.

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Natürlich würde ich ihn nie schlachten und mit Gemüse füllen, und eine Drohung, die keine Konsequenzen hat, verliert selbst bei Kleinnagern ihre Überzeugungskraft. Ich habe mich daher, was bleibt mir anderes übrig, mit der Situation arrangiert.

Wenn Urin eintrocknet, was nachts manchmal passiert, weil ich ja nicht im Büro wohne, entsteht ein weißer Rand, was daran liegt, das das Produkt diverse organische und anorganische Salze enthält. Jener Rand lässt sich nur mit Mühe von meinem Holzfußboden entfernen. Morgens riecht es dann wie im Zoo.

Ich benutzte daher ein Reinigungsmittel, das soviel mit Ökologie zu tun hat wie Fast Food mit gesunder Ernährung und wohl unter den Oberbegriff „Chemiekeule“ fällt. Als ich neulich wieder putzte, sprühte ich versehentlich einen Plastikritter ein, der im Weg stand. Der Ritter war ein Geschenk einer Verwandten dritten Grades, das wir bekamen, als wir noch nicht wussten, das unsere Tochter eine Tochter wird. Und Jungs mögen ja Ritter.

Die Chemiedusche machte den Edelmann nun sehr gelenkig. Zum ersten Mal konnte er mit dem Schwert in seiner Hand auch kämpfen. Dann verlor er die Farbe, klappte vornüber und schmolz auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe zusammen.

Meine Putzlösung, wer hätte das gedacht, wirkte wie ein Weichmacher.

Aber was hat das mit dem Händen meiner Tochter zu tun?

Dazu möchte ich folgende Frage mal in den Raum stellen: Wie erklärt man eigentlich der netten älteren Nachbarin der Eltern, über deren Hof man damals schon als Kleinkind mit dem Stützräderfahrrad fuhr, dass man den formbaren Beißring, den sie zur Geburt der Tochter schenkte, sofort weggeworfen hat, weil er viel zu formbar war?

Weichmacher sind nämlich eher ungesund. Und sie befinden sich oft in Spielzeug. Allerdings auch in Regenabdeckungen für Kinderwagen zum Beispiel. Oder im Befestigungsring des Mobiles. In der Rückenlehne meines Bürostuhl. In der Verpackung meiner transportablen Musikabspielgeräts. Kurz: in fast allem, was meine Tochter seit neustem anfasst. Oder eben nicht anfasst.

In Westeuropa werden jährlich eine Million Tonnen Weichmacher produziert. Mehr als 90 Prozent gehen in die Produktion von PVC. Kunststoff ist eigentlich steinhart. Weichmacher, so genannte Phthalate, machen ihn flexibel und biegsam, sie ermöglichen, dass die kettenartigen Kunststoff- Moleküle gebogen werden. Weil Weichmacher aber eben nicht Teil des Produktes sind, sondern nur zugefügt, sind sie dort chemisch nicht fest gebunden. Sie dünsten aus den Produkten aus, können durch Speichel oder Schweiß auswaschen und verteilen sich durch Abrieb in die Umwelt.

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    Berthild Lorenz
    schrieb am 13.04.2011 um 22:12
    Hab mich über "Hase" und "Ritter" zuerst köstlich amüsiert und überlegte, ob ich mal frage, ob du mein Bein mal mit dem Beweglichmacher besprühen würdest! Tja, Pech gehabt, schreibst ja, dass du ihn nicht mehr has(s)t ... Muss ich wohl mein wieder zusammengschraubtes Bein weiterhin mit Gehen in...
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    Nussknacker
    schrieb am 07.12.2010 um 23:12
    Jetzt geht´s wieder los...Groß-Offensive der WECF gegen Hersteller und schlafende Poltiker: www.safe-toys.eu - und hier unser Videobeitrag: http://www.youtube.com/watch?v=ESP4L47GFZQ
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