"Tiere sind keine Maschinen"
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besser: wissen - machen - kaufen
Utopia: Hallo Frau Bohnsack, Sie sind also die glückliche Auserwählte. Die Utopia Community interessiert sicher, wer sich nach Borneo auf den Weg macht. Würden Sie sich mit ein paar Worten vorstellen?
Ute Bohnsack: Na klar. Ich bin Jahrgang '64, komme ursprünglich aus Bremerhaven und lebe seit 1992 in Irland. Als Stadtrand-Kind war ich eigentlich schon immer naturverbunden und engagiere mich seit meinem 13. Lebensjahr im Natur- und Umweltschutz, in der Anti-AKW-Bewegung und für den biologischen Landbau, privat als auch beruflich. Ich habe in Hannover Landschaftsplanung und Umweltentwicklung studiert und bin anschließend zu meinem Partner nach Irland gezogen, wo ich im Agrar-Umweltbereich (EU-Programm) und als Fachübersetzerin für deutsche NGO’s und Forschungsinstitute arbeite. Nebenbei betreiben wir einen ganz kleinen Hof für unseren Eigenbedarf.
Warum haben Sie sich für das Projekt beworben?
U.B.: Ich hatte in jungen Jahren schon mal bei einer Moor-Wiedervernässung in der Nähe von Bremerhaven mitgemacht. Das war natürlich eine ganz andere Geschichte, sowohl vom Lebensraum als auch von der Dimension her. Als Landschaftsplanerin und Naturschützerin interessiert mich so ein Projekt, wie das von Krombacher und dem WWF natürlich brennend. Und natürlich nicht nur das Projekt selbst, sondern auch der Lebensraum der Torfmoorregenwälder, die Artenvielfalt, unsere intelligenten rothaarigen Cousins – die Orang-Utans - und die Menschen, die dort leben, in all ihrer kulturellen, sprachlichen und religiösen Vielfalt. Wann bekommt man schon mal die Chance sich so etwas anzusehen?
Zudem hatte ich im Sommer gerade für den WWF Übersetzungen zum Thema RSPO (Roundtable for Sustainable Palmoil Production) auf dem Schreibtisch, was ja ein ganz wichtiges Thema in Indonesien ist. Auch zur Klimapolitik habe ich schon einiges bearbeitet und da tut sich in Indonesien zur Zeit unglaublich viel.
Es haben sich eine Menge Leute beworben, die mit nach Borneo wollten. Warum glauben Sie, wurden Sie ausgewählt?
U.B.: Ich denke, ich bringe eine Menge Kontext- und Hintergrundwissen mit und es schadet sicher auch nicht, dass meine Alltagssprache Englisch ist. Wer weiß, vielleicht wird ja ein Übersetzer gebraucht? Scherz beiseite. Was genau den Ausschlag gegeben hat, weiß nur das Auswahlgremium. Ich bin jedenfalls sehr dankbar für diese Chance.
Am Samstag Abend geht´s los – aufgeregt?
U.B.: Aber 100%!
Was erwarten Sie sich von der Reise?
U.B.: Egal wie viel man liest und wie viele Dokumentarfilme man sieht, ich denke, man kann sich das Ausmaß der Zerstörung der Regenwälder durch Palmöl-Plantagen, Bergbau, Entwässerung, Abholzung und durch das Mega-Rice-Project nicht wirklich vorstellen. Wenn man das wirklich mal selber gesehen hat, kann man sicher seinem Umfeld sehr viel effektiver vermitteln, was dort passiert – welche Folgen das hat, sowohl lokal als auch global, und was man individuell und kollektiv tun kann, um den Entwicklungen gegenzusteuern. Weiterhin erhoffe ich mir, einen tieferen Einblick in die Arbeit des WWF vor Ort zu bekommen. Das Projekt von Krombacher ist ja in einen größeren Kontext dort eingebettet. Mich interessiert vor allem auch, was die Menschen vor Ort von solchen Projekten halten, inwieweit sie konsultiert und eingebunden werden, denn es ist ja ihr Lebens- und Arbeitsraum, in dem sich diese Entwicklungen vollziehen. Man muss den Spieß auch mal umdrehen und sich fragen, wie wir Europäer reagieren würden, wenn wir „gebeten“ würden, die von uns in der Vergangenheit für die landwirtschaftliche Nutzung abgeholzten Wälder wieder naturgemäß aufzuforsten und uns z.B. im Ökotourismus zu verdingen. Dazu gibt es übrigens eine sehr gute, von zwei in Indonesien arbeitenden Biologen geschriebene Satire ("A Modest Proposal for Wealthy Countries to Reforest Their Land for the Common Good")
Ein Wellness Urlaub wird das wohl nicht. Haben Sie auch Respekt vor den körperlichen – und wer weiß, welchen noch – Herausforderungen?
U.B.: Ohne Schweiß kein Preis ... Wellness-Urlaub ist eh nicht mein Ding und Regen, Moor und Matsch bin ich gewöhnt. Irland hat gerade den kältesten Sommer in 50 Jahren hinter sich, von daher hab ich ein bisschen Bammel vor den ungewohnten Temperaturen.
Und worauf freuen Sie sich am meisten?
U.B.: Worauf ich mich besonders freue, ist der Besuch in Nyaru Menteng, einer der Aufzucht- und Rettungsstationen für Orang-Utans, auch wenn wir aus Quarantänegründen mit diesen liebenswerten und intelligenten kleinen Wesen keinen direkten Kontakt haben werden. Vor ein paar Jahren lief eine BBC-Serie über diese Station ("Orang-Utan Diaries"), die bei mir einen sehr, sehr tiefen Eindruck hinterlassen hat.
Dann wünschen wir eine gute Reise und sind gespannt darauf, Ihre Eindrücke bald auf Utopia.de zu lesen!
Kommentare (14)
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Miro Poferl
schrieb am 17.10.2011 um 14:09 ¶Bada
schrieb am 12.10.2011 um 17:38 ¶Kommentar schreiben
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