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Das grüne Wirtschaftswunder


"Eigentlich habe ich einen Discounter aufgemacht"

Für ein Treffen war keine Zeit. Jürgen Schmidt ist ausgebucht und eigentlich schon im Urlaub. Der Gesellschafter des größten Versands für nachhaltigen Bürobedarf braucht dringend eine Auszeit. Der Hype um den Klimawandel hat dem Büroversand neue Aufmerksamkeit eingebracht. Viel mehr Menschen als sonst interessieren sich für Recyclingpapier, Energiesparlampen und umweltfreundliche Drucker. Die Memo AG hatte im letzten Jahr bei den privaten Kunden einen Zuwachs von 80 Prozent. Das hatte zur Folge, dass die Memo AG das Hauptverkaufsinstrument, den Memo-Katalog, komplett erneuerte. Schicker und zugänglicher sollte er werden.

Nun wartet Jürgen Schmidt im bayerischen Greußenheim auf sein Telefoninterview. Am anderen Ende der Leitung raschelt es. Herr Schmidt sitzt pünktlich am Telefon, allerdings im falschen Raum. Man bittet um Entschuldigung, Herr Schmidt komme gleich. Stille. Rascheln. Dann endlich: Jürgen Schmidt und die Pressesprecherin sitzen richtig. Und lächeln förmlich durchs Telefon.

Genauso stellt man sich das vor: Ein Vorzeige-Ökomanager, pflichtbewusst, schlau, aber eben nicht ganz perfekt. Einer, der sagt, sein größter Luxus sei die Bahncard 100. Und die eigene Solarzelle auf dem Dach. Einer, der immer ein bisschen menschlicher ist als man sich Manager allgemein vorstellt. Und auch einer, der im falschen Raum sitzt, wenn man anruft.

Schmidt schreibt seit 18 Jahren schwarze Zahlen und wurde 2007 „Ökomanager des Jahres“: „Ich fühle mich gar nicht wie ein Manager, weil ich Unternehmer bin. Ich hatte als Gesellschafter immer alle Freiheiten und konnte nach eigenen Ideen und Vorstellungen gestalten.“ Dennoch - wie macht man so etwas? Achtzehn Jahre schwarze Zahlen und dazu noch ein so entspanntes Gemüt? Vier Antworten, wie aus der Pistole geschossen: "Langfristig denken. Ganzheitlich denken. Durchsetzungsvermögen zeigen." Man brauche Kraft gegen Widerstände. Beinahe entschuldigend fügt er hinzu: "Wir haben einfach intuitiv das Richtige gemacht."

Angefangen hat alles in den achtziger Jahren. Jürgen Schmidt wollte aus Überzeugung etwas Sinnvolles tun. Er begann, getragen von der damaligen Umweltschutz-Welle, Recyclinghefte an seine Mitschüler zu verkaufen. Umweltschutzpapier war damals noch die Ausnahme, doch Schmidt schaffte es als Teenager zwei Deutsche Vertriebe davon zu überzeugen, sich von dem einzigen Schweizer Produzenten damit beliefern zu lassen. So kam Schmidt zu seinen Heften und Memo einen ersten ideellen Grundstein.

Wenn man auf das eigene Engagement zurück blickt, ärgert es einen nicht, zu sehen, dass die Umweltbewegung der achtziger Jahre keinen Nachhall hatte? Schmidts Antwort: Ein klares Jein. "Ich glaube an das „the lessons are learned already". Das Ökobewusstsein bewegt sich jedoch in Wellen. Und leider geht mit jeder neuen Generation auch immer wieder Know-How verloren.“ Das holt Schmidt dann zum Beispiel durch seinen Katalog wieder auf. Der ist nicht nur ein Waren– sondern auch ein Informationsangebot. Die Kunden sollen lernen, was es bedeutet, ein echter Öko-Drucker zu sein.

Schmidt beliefert vor allem kleine und mittelständische Betriebe, und auch im Angesicht von Konzernriesen, die jetzt auf den grünen Zug aufspringen, hat Schmidt keine Angst vor Konkurrenz. "Deren Produkte werden gezielt im Premium-Sortiment positioniert. Mir geht es jedoch um ein alternatives ökologisches Angebot, dass preislich eine Masse anspricht. Denn nur wenn diese Produkte für jeden erschwinglich sind, werden sie in großen Mengen abgesetzt - und nur so erzielt man einen nennenswerten ökologischen Effekt!" Und wie plötzlich erleuchtet ergänzt er: "Eigentlich habe ich einen Discounter aufgemacht."

Klingt gut, aber wie schafft man es, die Discount-Eigenschaften eines Versandhandelsunternehmens nachhaltig zu gewährleisten? "Nach zehn Jahren guter Lieferantenbeziehungen wird man im Zweifelsfall bevorzugt behandelt. So kann man letztlich die besseren Preise machen." So einfach, so gut. Der Blick nach vorne ist weniger bescheiden: „Ich möchte Memo zur führenden Ökomarke im Non-Food-Bereich machen.“ Sagt Schmidt und es klingt nach Pflichtbewusstsein, aber irgendwie auch nach Leidenschaft.

 

Die Memo AG ist Deutschlands größter Händler für nachhaltigen Bürobedarf, vom Recycling-Papier bis zur Büro-Kompletteinrichtung. Jürgen Schmidt, 45, ist Gesellschafter und Sprecher des Vorstands.

www.memo.de


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Die Memo AG zum Thema Mitarbeiter:

Über ein innovatives Mitarbeiter-Beteiligungsmodell erhalten alle Festangestellten bei memo ab dem 2. Jahr ihrer Betriebszugehörigkeit Unternehmensanteile. Aber auch am Gewinn sind sie beteiligt: Im Jahr 2007 gab es neben den Tarifleistungen und dem Weihnachtsgeld ein halbes Monatsgehalt mehr! Im internen Umgang setzen wir auf Offenheit und maximale Transparenz: Jeder Mitarbeiter hat z.B. freien Zugang zu allen Unternehmenszahlen, in regelmäßigen Info-Veranstaltungen berichtet der Vorstand über die aktuellen Geschäftsaktivitäten. Die Gehälter sind bei memo völlig transparent. Und die Möglichkeiten, eigenen Ideen einzubringen, vielfältig!

Die Memo AG zum Thema Logistik:

Über 50 Prozent unserer Warenlieferungen verlassen das Haus in der gelben "Postbox", dem Mehrwegsystem der Deutschen Post AG - dadurch sparen wir jede Menge Kartonagen! Alle CO2-Emissionen, die beim Transport unserer Pakete entstehen, werden durch Investitionen in anerkannte, ökologisch sinnvolle Projekte neutralisiert. Durch unsere Rabattstaffeln fördern wir aktiv materialsparende Sammelbestellungen.




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    maq
    schrieb am 03.12.2008 um 03:12
    ... gelegentlich nicht ganz überzeugender Qualität / Eigenschaften bestimmter Artikel. Doch stark überwiegend ist das Sortiment empfehlens- und preiswert.
  • Bedenklichen Inhalt melden
    Peter Doldi
    schrieb am 05.04.2008 um 22:45
    Da stimmt so ziemlich alles von der Unternehmensphilsophie bis zu den Produkten. Wie sieht's im Umgang mit den Mitarbeitern aus? Sehr gut gefällt mir bei Jürgen Schmidt, dass der Katalog mit entsprechenden Info's auch das Umweltbewusstsein der Kunden stärkten soll.
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