„Umweltschutz ist nicht grün!“ So plakativ formulierte es das rechtsextreme Blatt Umwelt & Aktiv in seiner Erstausgabe 2007. Tragischerweise ist dieser Einfall braunen Gedankenguts in den Umweltsektor mitnichten ein Phänomen der Gegenwart. Geschichtlich sind die Ursprünge vieler ökologischer Bewegungen genau so oder sogar mehr von rechten als von linken Strömungen geprägt. Wie geht die Branche damit um? Was sind die Konsequenzen für den Verbraucher? Wir geben einen Überblick.
Bioland, Demeter & Naturland: Aktiv gegen Rechts
Im Juni 2012 veröffentlichte der BÖLW, in dem die nahmhaften Bio-Verbände organisiert sind, eine Resolution mit dem Titel „Bio-Branche gegen Rechtsradikalismus“. Darin verurteilten sie insbesondere den Missbrauch des Öko-Prinzips für rechtsradikale Ideologien. Wir wollten genauer wissen, ob auf die Worte auch Taten folgen, und haben an die drei größten Verbände Bioland, Demeter und Naturland geschrieben. Unsere spezifische Frage: Würden Sie einen Produzenten wegen seiner politischen Gesinnung aus Ihrem Verband ausschließen oder gar nicht erst aufnehmen?“
Unisono erreichte uns die entschiedene Antwort: Ja. Sowohl Gerald Wehde von Bioland als auch Renée Herrnkind von Demeter betonen, dass ihre jeweiligen Verbände kein neutraler Erzeugerverband, sondern eine „Wertegemeinschaft“ sind. Bei allen drei Verbänden wird momentan eine Satzungsänderung angestrebt, die den Ausschluss radikaler Elemente (aus jeglicher politischen Richtung) auch förmlich in den Richtlinien festsetzt. Herrenkind meint dazu: „Bei uns zählt nicht nur das Produkt, auch die Gedanken und Einstellung, mit denen die Arbeit getan wird, ist uns wichtig.“ Bei Naturland ist man derselben Meinung. Geschäftsführer Steffen Reese erklärt ergänzend: „Wir sind nicht ein reines Zertifizierungs-Siegel wie das EU-Bio-Siegel, bei dem ein fachlicher Minimum-Katalog abgehakt werden muss. Als gemeinnütziger Verband haben wir das Recht und nehmen uns die Freiheit, Betriebe gar nicht erst aufzunehmen oder auszuschließen, die die Gemeinschaft beschädigen. Diesen Tatbestand erachten wir bei Rechtsradikalismus für erfüllt und handeln konsequent.“
Ein anderer Blickwinkel: Biopark duldet rechte Bio-Bauern
Anders sieht es der Verband Biopark. Dort sind nachweislich einige rechte Bio-Bauern gelistet. Geschäftsführerin Delia Micklich erklärt in einem Artikel der Süddeutschen Zeitung vom April 2012: „Ich kann ja keine politische Grundhaltung zertifizieren, ich kann nur ökologische Anbaumethoden zertifizieren.“ Die NPD sei schließlich eine anerkannte Partei, es gäbe keine Grundlage, NPD-Mitglieder auszuschließen, solange die Partei selbst nicht verboten sei. Von Wertegemeinschaft kann hier also leider keine Rede sein.
Das Biopark-Argument der Ideologiefreiheit mag demokratisch klingen, doch gibt hier mehr der fehlende Mut zu Standpunkten als die Toleranz den Ton an. Unsere Öko-Lebensphilosophie hat nämlich nichts mit Rechtsextremismus zu tun, so sehr uns dies manche glauben machen wollen. Bio-Konsumenten wollen keine Kartoffeln, die nicht nur aus brauner Erde, sondern auch aus braunen Köpfen kommen. Dabei kann man dem Verbraucher nicht einfach so unter dem Deckmantel der Liberalität den gesamten Informationsaufwand zuschieben. Sollen wir neben Zutaten, Regionalität und Saisonalität jetzt auch noch bei jedem einzelnen Produkt die politische Gesinnung recherchieren? Hier sind die Verbände als Bindeglied zwischen Konsumenten, Produzenten und der Politik gefragt. Bioland, Naturland und Demeter machen es vor – man kann nur hoffen, dass bald auch der Rest der Branche ihrem Exempel folgt.
Auf Seite 2 erfahren Sie mehr über geschichtliche Hintergründe der Verbindung von Ökologie und Rechtsextremismus sowie über den aktuellen Stand der Dinge.


Deutschlandweite Biokisten
Kommentare (154)
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"Rassismus im neuen(?) Gewand – Braune Esoterik, Verschwörungstheorien, Blut-, Boden- und Rassereligionen"
Aspekte und Informationen, die in der bisherigen öffentlichen Diskussion kaum Berücksichtigung finden.
zum kostenlosen Download unter:
http://www.sektenwatch.de/drupal/sites/default/files/files/2012.pdf
Ein Druckexemplar können Sie jederzeit gerne gegen frankierten und mit Anschrift versehenen Rückumschlag bei der
Elterninitiative zur Hilfe gegen seelische Abhängigkeit und religiösen Extremismus e.V., Plieningenweg 18, 84036 Landshut erhalten.
ferner finden Sie weitere Informationen unter www.sektenwatch.de
Neue Homepage der Elterninitiative zur Hilfe gegen seelische
Abhängigkeit und religiösen Extremismus e.V.
Wir bieten Informationen und Orientierung im unübersichtlichen "Supermarkt der Religionen und Weltanschauungen" und Hilfe zur Selbsthilfe für Angehörige und Betroffene. mehr weniger
Stehen die Menschen zu demokratischen Grundwerten, die Menschen, Würde geben, Freiheit und Glleichheit schützen ?
Wollen Menschen mit ihren Gegenüber von unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichem Kulturverständnis, unterschiedlichen Weltanschauungen friedlich zusammenleben ?
Wer ist in der Lage, Menschen wertzuschätzen und Mitgefühl zu geben, auch wenn diese von unterschiedlicher Herkunft, unterschiedlichem Kulturverständnis, unterschiedlichen Weltanschauungen sind ?
Effata ! mehr weniger
Meinungen und Meinungsfreiheit im demokratischen Lande ist sicher nicht immer eine Streicheleinheit, aber das Nachdenken über die Meinungen anderer Menschen ist eine Arbeit desjenigen, der seine persönlichen Abwägungen zu treffen gewillt ist.
von Lena Müssigmann: Rechtsextreme Bauern Welche Farbe hat Bio?
http://www.spiegel.de/wirtschaft/braune-biobauern-verunsichern-die-oeko-szene-a-855140.html