Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Container-Schifffahrt

Schwimmende Schmutzschleudern


Von Daniel Hautmann

Rund 90.000 Handelsschiffe kreuzen über die Weltmeere. Der Seeverkehr boomt und fordert immer größere Frachter: bis zu 400 Meter lang, mit Ladekapazitäten von bis zu 14.000 Containern, jede Box so groß wie ein Kleinbus. 90 Prozent aller Waren kommen per Schiff zu uns – vom Pullover über die Waschmaschine bis zur Lammkeule. Damit die Pötte ihre Ladungen schnell um die Welt verteilen können, brauchen sie mächtige Motoren, die sie auf fast 50 Stundenkilometer beschleunigen. Das erzeugt gigantische Abgasmengen, denn Katalysatoren oder Spritspartechniken sind auf hoher See Fremdwörter.

Feinstäube, Stickoxide und Schwefelverbindungen weichen meist ungefiltert aus den riesigen Schornsteinen. Rund fünf Prozent der globalen CO2-Emissionen, das sind 1,2 Milliarden Tonnen jährlich, gehen zu Lasten des Schiffverkehrs – das Doppelte der Luftfahrt. Hinzu kommen 37 Millionen Tonnen Stickoxide und 20 Millionen Tonnen Schwefeloxide. Auf die Rechnung eines einzigen Containers, auf der Strecke Shanghai-Hamburg, geht gleichviel Schwefeldioxid wie 3.950 Autos erzeugen, wie das niederländische Maritim-Unternehmen DK Group errechnet hat. Anders gesagt: Nur 24 große Containerschiffe stoßen dieselbe Menge Schwefel aus wie die globale Automobilflotte, die 750 Millionen Fahrzeuge stark ist.

Ein Wissenschaftlerteam um James Corbett von der Universität Delaware will nun herausgefunden haben, dass die Emissionen der Seefahrt jährlich tausende Todesopfer fordern. Vor allem an Atemwegserkrankungen und Lungenkrebs würden die Menschen leiden. Das Problem: der im Schweröl, dem globalen Schiffstreibstoff enthaltene Schwefel ist immens giftig. Kein Wunder, dass Umweltschützer ein Umdenken fordern und das Schweröl verbieten lassen wollen. „An Land wären Schiffe Sondermüll-Verbrennungsanlagen“, empört sich Nadja Ziebarth vom Verein „Aktionskonferenz Nordsee“ in Bremen.

Nach jahrelangen Diskussionen hat die Vertretung der Seefahrer, die International Maritime Organization (IMO) in London, nun erstmals Regelungen geschaffen, um die Umwelt zu entlasten: Ab 2012 soll der Schwefelgehalt im Treibstoff reduziert werden. Allerdings nur ein bisschen. von 4,5 auf 3,5 Prozent. Erst 2020 soll er bei halbwegs akzeptablen 0,5 Prozent ankommen. Doch im Vergleich zum Straßenverkehr ist das noch immer horrend viel. Diesel an europäischen Tankstellen darf bereits heute nur einen minimalen Bruchteil davon aufweisen, an Land gelten andere Regeln.

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Stand: 09.07.2009 von

Kommentare (11)   abonnieren

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    schrieb am 09.07.2009 um 18:14
    das was sich sichbar durch den schornstein via atmosphäre entsorgt ist ja nur das sichbare oberhalb;

    bilgenwasser angereichert mit ölen und schlämen aus den e-kraftwerken und motoren der dampfer wird regelmässig ungeklärt ebenfallls der see übergeben.

    von der müllentsorgung(dosen, flaschen alles womit die lebensmittel verpackt sind die zur verpflegung der crew benötigt werden), gerader der unter billig-flagge fahrenden reedereien ausserhalb der 6 seemeile zone möchte ich gar nicht anfangen.
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    schrieb am 09.07.2009 um 19:00
    Ich finde gut, dass es hier dazu einen Artikel gibt, stimme zugleich der Ergänzung von 're-natur' zu. Und übrigens finde ich es ein sehr markantes Beispiel, wie der Markt in Sachen Umweltschutz bisher gigantisch versagt hat, denn die Verdrängung der Segelschiffe durch diese Dreckschleudern war v.a. eine Frage von "Wie mache ich mehr Gewinn in kürzerer Zeit ...". Segelschiffe, zusätzlich mit Wasserstoff- oder Elektromotoren ausgestattet (deren Energie regenerativ erzeugt werden sollte), auch mit Solaranlagen an Bord etc. sind durchaus leistungsfähig und dabei viel umweltfreundlicher, brauchen aber mehr Personal und sind daher nicht ganz so billig. Aber was ist wichtiger? Inernationale Gesetze gegen diese gigantische Luft- und Wasserverschmutzung sind längst überfällig !
    - - - - übrigens ein recht passendes Foto zum Thema:
    http://fotowettbewerb.hispeed.ch/seo/photo/381744/old_and_new/norway_sognefjord_sailingship_cruiseship_queen_elisabeth2.html
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    schrieb am 10.07.2009 um 10:01
    schon mal bei SKYSAILS reingeguckt?
    Da kummst du rein: http://www.skysails.info/
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    schrieb am 13.07.2009 um 15:37
    Das ist eine bereits erprobte und funktionierende Technik. Keine Ahnung, warum die Redereien kein Geld sparen wollen... Und es gibt durchaus noch andere Alternativen, wie moderne "Segelschiffe" mit runden Masten als Segel.
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    schrieb am 10.07.2009 um 20:07
    Dem Beitrag von Daniel Hautmann kann ich nur zustimmen. Mir ist bekannt, dass Schiffseigner oft gezielt Abfallöle erwerben, dafür noch eine Entsorgungsprämie einstreichen und den Dreck dann über See abfackeln. Von den vielen Abklapp-Vorgängen in den Meeren will ich garnicht sprechen. Die Verschmutzung, die durch Umweltsünder auf den Weltmeeren verursacht werden stellen eine größere Gefahr dar als vergleichbare Vergehen an Land, weil die Verursacher sehr viel schlechter dingfest gemacht werden können. Experten schätzen, dass die Emissionen ca. 3% des gesamten weltweiten Schadstoffausstoßes ausmachen. Hier sind umgehend straffe internationale Gesetze erforderlich.
    Ulrich Scharfenorth, Ratingen
    www.stoerfall-zukunft.de
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    schrieb am 10.07.2009 um 20:08
    Das musste sicher einmal gesagt werden, doch so richtig aktuelle Entwicklungen scheinen mir im Beitrag größtenteils zu fehlen. Hier http://www.ftd.de/unternehmen/industrie/:Agenda-Ozeankrise/538279.html las ich rein zufällig, ohne zum Thema Container-Schifffahrt je auch nur recherchiert zu haben, was die derzeitige Krise an Positiven bewirken kann. Klar, das ist nur ein unverschuldeter Nebeneffekt. Es soll auch einen Trend geben, dass Häfen vermehrt dazu übergehen, die Schiffsmotoren durch elektrische Versorgung wenigsten am Kai abzuschalten. Und Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist. Den Hinweis auf Skysails finde ich sehr treffend. Doch ich war eher positiv überrascht, dass es das Projekt überhaupt noch gibt, so ruhig es darum seit dem Pilotstart war. Und: Das Bild von berniewa erinnert mich fatalerweise an einen jüngst gesendeten Fernsehbeitrag über die Flambahn in Norwegen: Luftaufnahme mit Fjord in Norwegen, Kreuzfahrtschiff liegt am Startbahnhof vor Anker, alles verdammt malerisch - nur nicht der rauchende Schiffsschornstein....
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    schrieb am 13.07.2009 um 12:16
    Ist doch der Hammer oder ? Da dampft die Generation 60 + an´s nördliche Packeis. Winkt den netten Eisbärbabys zu und hat allein mit der Fahrt dorthin eine große Portion zu ihrem Untergang beigetragen. Eine Überflussgesellschaft in ihrem ganz normalen Wahnsinn. Ein Wahnsinn bei dem niemand unbequeme Fragen stellen darf. Diese Ignoranz kotzt mich an. JBM
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    schrieb am 13.07.2009 um 12:37
    seh ich auch so
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    schrieb am 13.07.2009 um 15:45
    Bei Treehugger gibt es gerade einen interessanten Artikel zu Kreuzfahrtschiffen: http://www.treehugger.com/files/2009/07/floating-green-roof.php
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    schrieb am 16.07.2009 um 14:11
    MOIN MOIN ....
    Und man richte mal seine Aufmerksamkeit auf den praktischen Landbetrieb von solchen Frachtern etc.
    Als da wäre der Nord-Osrsee Kanal oder auch die anderen Kanäle zwischen Seegebieten.
    Auch der noch lange nicht übliche Landanschluss im Hafenbetrieb harrt der Nachbesserung.
    Gruß , Heinz
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    schrieb am 19.09.2009 um 00:30
    Wer während einer längeren Auszeit ohne Flugzeug auf einen anderen Kontinent kommen will, kann übrigens auch auf einem Frachtschiff mitreisen, z.B. Bremerhaven – Callao/Peru ca. 22 Tage. Über Reiseveranstalter ab 1.980€. Dann gibt es sicherlich Gelegenheit, sich alles mal in echt anzuschauen und vielleicht auch zu hinterfragen.

    Google-Suche: Frachtschiffreisen
    http://www.seereisenportal.de/rubriken/reedereien-veranstalter/frachtschiffreisen.html
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