Spielzeug - neue EU-Richtlinie
Chemie-Alarm im Kinderzimmer
Von Heidi Tiefenthaler
Produktion bei Playmobil. Roboterarme greifen bunte Spielzeugteile, Förderbänder schieben sie zu Hunderten in große Auffangbehälter. Menschen sieht man hier nur vereinzelt. Sie prüfen den Output, füllen Material nach – der Rest der Spielzeugwelt entsteht automatisch. Von hier aus erobert das Plastikheer die Welt. An diesem gut laufenden Geschäft werden wohl auch die neuesten alarmierenden Meldungen über vergiftetes Spielzeug nichts ändern. Nicht nur, dass das Unternehmen bei deutschen Eltern auf nostalgisches Wohlwollen setzen kann – wer hat nicht selbst mit den bunten Kugelköpfen gespielt? Auch reelle Gründe sprechen dafür: In den letzten beiden Spielzeug-Checks der Zeitschrift "Öko-Test" schnitten die Produkte des Herstellers mit „sehr gut“ ab.
Für 30 von 72 untersuchten Spielwaren hingegen fiel die diesjährige Bilanz verheerend aus. Wegen bedenklicher oder umstrittener Inhaltsstoffe verpassten ihnen die Tester den Stempel „mangelhaft“ oder „ungenügend“. „Kunststofffiguren zum Beispiel sind wahre Schadstoff-Cocktails“, urteilt Jürgen Stellpflug, Chefredakteur des Magazins. Fast alle bestünden aus PVC, PVDC oder chlorierten Kunststoffen. Hinzu komme eine breite Palette chemischer Helfer, die für Elastizität, Flammschutz oder Lichtbeständigkeit sorgten – und dafür, „dass alle Figuren schlichtweg in die Tonne und nicht in Kinderhände gehören“, ist das Fazit von "Öko-Test". Doch es gibt auch Lichtblicke: „Bei den meisten Spielzeuggruppen sind Anbieter dabei, die empfehlenswerte Produkte ohne umstrittene Inhaltsstoffe herstellen.“ Den Eltern bleibt die schwierige Aufgabe, diese Stecknadeln im Heuhaufen zu finden.
„Eltern haben es sehr schwer, gezielt gesundes Spielzeug zu kaufen“, meint Alexandra Caterbow vom WECF, einem Netzwerk internationaler Frauen- und Umweltorganisationen, das gerade eine europäische „Safe Toys Coalition" ins Leben gerufen hat. „Es gibt keine Kennzeichnungspflicht für gefährliche Stoffe, wie beispielsweise bei Kosmetika.“ Die nationalen Kontrollen seien schlecht, sagt sie, so dass viel gefährliches Spielzeug auf den europäischen und deutschen Markt gelange. „In 2007 bezogen sich 31 Prozent aller Warenrückrufe in Europa auf Spielzeug.“ Im Zusammenhang mit diesen Produktwarnungen tauchte in den Medien immer wieder China auf, wo 75 Prozent des Spielzeugs für den europäischen Markt produziert werden. Also Finger weg von Produkten „made in China“?
So einfach ist es leider nicht. „Auch deutsche Firmen lassen dort produzieren“, erläutert Alexandra Caterbow. Und China liefere, was die Auftraggeber vorgäben. „Das kann hohe, aber eben auch niedrige Qualität sein.“ Sie und Wolfgang Döring vom Verein „spiel gut“ sind sich jedoch einig, dass Billigspielzeug häufiger gefährliche Chemikalien enthält als die teureren Produkte namhafter Hersteller.



Kommentare (6)
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MickeyKnox
schrieb am 23.07.2010 um 09:18 ¶nadinenadine
schrieb am 19.12.2009 um 12:31 ¶Kommentar schreiben
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