berchen: Im Changemaker-Manifest (8) schreiben Sie "Schulungsmaßnamen und Unterweisungen für Mitarbeiter von Fremdfirmen". Wie läuft das ab? Bringt das messbare Erfolge?
Bernhard Schadeberg: Der jeweilige Ansprechpartner in der Brauerei weist die externen Mitarbeiter in unsere Betriebsordnung ein. Und tritt insofern auch zu Nachhaltigkeitsthemen auch in den Dialog ein. Wir werden aber diesen Bereich erweitern, da er im Moment nicht umfänglich genug ist. Wir glauben aber durch die Sensibilisierung unserer eigenen Mitarbeiter Einfluss auf unsere externen Mitarbeiter zu erreichen.
Moderator: Wir haben die Hälfte der Zeit hinter uns - liebe Utopisten, jetzt können noch Fragen gestellt werden. berchen hat auch noch eine zweite Frage zum Changemaker Manifest...
berchen: Changemaker Manifest / Mitarbeiter: ist ein Incentive für Mitarbeiter denkbar, die umweltfreundlich(er) leben? Z.B: e-bike, Ökokiste fürs ganze Jahr, Jahreskarte für ÖPNV, Urlaub in Biohotel, oder Unterstützung, um eigenes (prämiertes) nachhaltiges Projekt weiterzubringen?
Bernhard Schadeberg: Wir haben unseren Mitarbeitern angeboten, dass jeder der in sein Eigenheim investiert um Energie zu sparen von uns ein zinsloses Darlehen in Höhe von 5.000 Euro bekommen kann. Als Bedingung haben wir nur gestellt, dass er auch Handwerker aus unserer Region mit Teilaufträgen dafür engagieren muss und wir freuen uns, dass mit 295.000 Euro dieses Programm sehr gut von unseren Mitarbeitern aufgenommen worden ist.
Manuela: Ist Ihnen die Entscheidung zum Changemaker Manifest schwer gefallen? Immerhin ist offenen Kommunikation nicht üblich.
Bernhard Schadeberg: Gerade die offene Kommunikation war für uns der entscheidende Einstieg in das Manifest, weil damit das Themen bei uns im Haus auch nicht mehr versanden kann.
Moderator: Eine Rückfrage haben wir von Cornelius zum Darlehen für die Mitarbeiter erhalten:
Cornelius: Für welche Massnahmen? Solar und Dämmung?
Bernhard Schadeberg: Für Solar, Dämmung und Wiederverwendung von Wasser.
Moderator: Kommen wir nun zum nächsten Themenkomplex: Nachhaltigkeit der Produkte und im Unternehmen
Guido von Wiecken: Vor Jahren gab es Beschwerden darüber, dass der erhöhte Ausstoß das Grundwasser in Krombach zu stark absenkt. Wie ist der aktuelle Stand und wie gewährleisten Sie, dass Ihr Umweltengagement in Übersee nicht auf diese Weise im Siegerland konterkariert wird?
Bernhard Schadeberg: Wir nehmen dieses Thema natürlich sehr ernst, weil es gerade die Bevölkerung in unserem Umfeld immer wieder thematisiert. Wir entnehmen kein oberflächennahes Grundwasser. Die zuständige Wasserbehörde kontrolliert uns dauerhaft auf unsere Entnahmemengen, wie auch Entnahmestrukturen. Und unsere Tiefbrunnen liegen zwischen 100 und 140m tief, so dass allein dadurch sichergestellt ist, dass Wasser aus unteren Grundwasserstockwerken nur entnommen werden kann. Und wir dürfen nur soviel Wasser entnehmen, wie wissenschaftlich erwiesenermaßen durch Regen nachgebildet wird.
Stephan: Bei so viel Wald in der Umgebung, wäre doch eine Hackschnitzelanlage sinnvoll, oder? Dann könnten Sie Ihr Bier quasi mit Holz erwärmen.
Bernhard Schadeberg: Genau dieses Projekt läuft in der Projektierung. Wir stellen aber im Detail fest, dass es auch hier einige Hürden zu überwinden gibt, da z.B. im Moment keine ausreichenden Mengen an Hackschnitzeln als 6 Monate vertraglich zu binden sind und Versorgungssicherheit muss ein zentrales Thema sein. Aber wir sind dran und haben als Familie das feste Ziel, eine Lösung zu finden. Und dann haben wir noch eine andere Idee, die wir aber noch nicht erzählen dürfen, weil es sonst auch unser Wettbewerb macht.
Bushman: Was ist die Carbon Footprint eine Flasche Bier, bitte.
Bernhard Schadeberg: Eine 20 x 0,5 l Kiste Krombacher verursacht 5,5 kg CO2-Verbrauch. Wir wollten erfahren, wie dieser Wert ist und wie er sich zusammensetzt. Das Ökoinstitut Freiburg hat dies ermittelt, ermittelt im Moment auch andere Gebinde von uns. Und wir haben interessante Erkenntnisse gewonnen, die in unserem vorgehen von Bedeutung sein werden. So haben wir mitbekommen, dass ein ganz entscheidender CO2-Anteil durch das Kühlen unseres Bieres beim Endverbraucher entsteht. Daraufhin haben wir bei unserer aktuellen Klimapromotion den energieeffizientesten Kühlschrank A+++ zur Verlosung in die Geschäfte gestellt, um auch hier das Thema Kühlschrank zu sensibilisieren. Eine weitere Erkenntnis ist, dass die Logistik von der Brauerei zum Endverbraucher ein nicht so entscheidender Punkt ist, der unter 10 % des Verbrauches ausmacht. Insofern haben wir im Vergleich auch zu regionalen Brauereien einen besseren CO2/Carbon Footprint, da wir durch hohe Effizienzen im Unternehmen diesen kleinen Nachteil mehr als ausgleichen können.
Anis: Wird es eine Produktreihe mit Bio-Siegel von Krombacher geben?
Bernhard Schadeberg: Wir sind dem Reinheitsgebot verpflichtet und sehen für den Verbraucher keinen objektiven Vorteil in der Herstellung eines Bio-Bieres. Von daher glauben wir nicht, dass dort ein Markt ist und investieren lieber in noch effizientere Wareneingangskontrollen und die Begleitung unserer Zulieferindustrie in deren Betriebsstätten d.h. auch Felder und Anbaugebiete. Im Übriegen kommen über 70 % aller Rohstoffe aus deutschen Anbaugebieten und der Rest überwiegend aus Holland und Nordfrankreich.
Frisch: Wie schaffen Sie es, alle Mitarbeiter - vom Fließbandarbeiter bis zum Management - von Nachhaltigkeit und der Notwendigkeit nachhaltigen Handelns auch im Kleinen zu überzeugen?
Bernhard Schadeberg: Wir sind im Gespräch mit unserem Betriebsrat, den wir hier gerne einbinden möchten. Und werden dann über die Schulungsmaßnahmen, die gerade erarbeitet werden auch den Mitarbeiter am Fließband hoffentlich durch Überzeugung gewinnen, mitzumachen..
Stephan Rieping: Ist ein Umweltmanagement nach dem Vorbild des Qualitätsmanagement geplant, d.h. versuchen Sie über Regelkreise definierte Umwelt- und Nachhaltigkeitsstandards zu erreichen und zu halten? Gibt es entsprechend qualifiziertes Personal im Betrieb?
Bernhard Schadeberg: Viele der Umweltziele sind in unseren Qualitätszielen integriert sicher ist das nur ein erster Schritt ansonsten sind unsere Abläufe im Managementsystem integriert...
wir haben aber seit 40 Jahren einen Wasserbeauftragten, das gleiche gilt für Abfälle, Unfälle und allgemeine Sicherheit im Betrieb. Wir glauben, das es gut ist, wenn im Betrieb ein spezieller Know-How-Träger aber auch Motor für diese Themen vorhanden ist, deswegen hat dies im Übrigen schon mein Vater in unserem Unternehmen eingeführt.
Moderator: Eine Rückfrage:
Anja: Wird der Hopfen den ohne de Einsatz von Pestiziden angebaut?
Bernhard Schadeberg: Da die Beantwortung dieser Frage fundiert erfolgen soll, möchten wir sie auf unserer Unternehmensseite beantworten, wo sie ab Montag nachzulesen ist.
Moderator: Cornelius möchte unbedingt wissen:
Cornelius: Gibt es auch auf den Dächern der Krombacher Brauerei Solaranlagen?
Bernhard Schadeberg: Wir haben keine Solaranlagen auf unseren Dächern, da wir in einer nicht sehr sonnenorientierten Region leben und wenn wir alle Dächer mit Solaranlagen bestücken würden, würden wir nur zw. 4 und 5 % unseres Strombedarfes damit decken. Daher hatten wir Sorge, dass man uns damit Greenwashing vorwirft. Für uns ist das Thema regenerative Energien aus Hackschnitzel das erfolgsversprechendere und ehrlichere.
Hilde: Lieber Herr Schadeberg, ich hätte eine Frage zu Nachhaltigkeit vor Ort, in Ihrer Brauerei. Beziehen Sie Ökostrom und wie vermeiden Sie Papier und Müll? Viele Grüße aus Wiesbaden.
Bernhard Schadeberg: Ab 01-01-2012 beziehen wir ausschließlich Strom mit dem Ok-powerlabel. Zum Thema Papier: Unter jede Email schreiben wir "Bitte denken Sie an die Umwelt, bevor Sie diese Email ausdrucken".
Beppo: Zu Krombacher gehören ja auch andere Getränke wie Schweppes oder Orangina. Gibt es hier auch Anstrengungen diese "Töchter" nachhaltiger zu produzieren?
Bernhard Schadeberg: Diese Produkte werden nicht am Standort Krombach abgefüllt, sondern werden von Partnern von uns abgefüllt. Hier werden wir in Gespräche einsteigen. Sind aber auf deren Engagement und Entgegenkommen angewiesen. Zuerst wollen wir uns auf Krombacher zu 100 % konzentrieren.
Janet: Wie hoch ist der Anteil der rückläufigen Pfandflaschen welche Sie anschließend wieder verwenden können an Ihrem gesamten Herstellungsvolumen gemessen?
Bernhard Schadeberg: Die Krombacher Brauerei setzt ausschließlich Standard-MW-Flaschen ein, von daher haben wir einen einfach zu nutzenden Mehrwegtool von weit über 80 % aller Flaschen. Leider setzen einige unserer Mitbewerber individualisiertes Mehrweg ein. Wir haben uns mit diesen auf Tauschprozesse geeinigt, so dass wir in unserem Haus einen Wiedereinsatz von über 90 % erreichen können.
Moderator: Unsere Zeit ist schon fast um. Herr Schadeberg ist aber so freundlich, uns noch einige Minuten zu schenken. Kommen wir daher zu den letzten Fragen aus der Community:
Kohl: Hat die "Saufen für den Regenwald" - Affaire Krombacher geschadet?
Bernhard Schadeberg: Diese Aussage ist von uns nie initiiert worden. Bier ist ein sehr kommunikativer Artikel, mit einem hohen Engagement der Verbraucher. Von daher muss man solche Sätze auch ein wenig humorvoll sehen.
Roxyrox: Wer arbeitet im Borneo-Projekt? Werden die Einheimischen eingebunden oder sind alle Entwicklungshelfer aus Deutschland?
Bernhard Schadeberg: Wir glauben, dass bei all diesen Projekten das Einbinden der einheimischen Bevölkerung von entscheidender Bedeutung ist. Daher haben wir, wie beim Regenwaldprojekt auch, die einheimische Bevölkerung voll eingebunden und schaffen Möglichkeiten, dass die Menschen vor Ort ihren Lebensunterhalt zum Teil auch durch unsere gemeinsamen Projekte wie z.b. Bau der Dämme und Aufforstungsmaßnahmen erwirtschaften kann.
Moderator: Eine Nachfrage zum Wasserverbrauch:
Ondal: Der niedrigere Wasserverbrauch bei der Herstellung könnte doch als Verkaufsargument für bewusste Konsumenten dienen. Haben Sie vor, solche Informationen im Wettbewerb zu nutzen?
Bernhard Schadeberg: Wir glauben, dass sich immer mehr Verbraucher intensiv mit den Firmen u. Produkte beschäftigen, die sie konsumieren. Daher wollen wir solche Botschaften als Werbeargument in den Vordergrund stellen, sonder vertrauen darauf, dass über Transparenz solche Themen ans Licht kommen.
wintermuteX: Wozu "kämpft" "Krombacher" für den Klimaschutz wenn die Welt doch am Alkoholismus zugrunde geht???
Bernhard Schadeberg: Der verantwortungsvolle Umgang mit Alkohol ist für uns natürlich ein ganz wichtiges Thema. Wir engagieren uns mit einer ganzen Reihe von Maßnahmen und ich glaube, man kann an der Entwicklung erkennen, dass hier viel erreicht worden ist. Der Alkoholkonsum in Deutschland in den letzten 30 Jahren ist um ca. 30 % zurück gegangen. Ich glaube, dass das ein gutes Zeichen ist. Was auch zeigt, dass der weitgrößte Teil unserer Bevölkerung sehr verantwortungsbewusst mit Alkohol umgeht, dies belegen im Übrigen auch aktuelle Daten aus den Verkehrsunfallstatistiken vom Statistischen Bundesamt. Die Probleme, die auch vorhanden sind mit übermäßigem Alkoholkonsum haben eine Vielzahl von Gründen, die von der Familie bis in den Arbeitsplatz hinein reichen. Hier ist ein gesamtgesellschaftliches Vorgehen notwendig, von dem wir ein Teil sind.
Moderator: Kommen wir nun zur letzten Frage aus der Community:
Stephan Rieping: Was glauben Sie, widersprechen sich ökologisches und ökonomisches Engagement? Oder anders gefragt, glauben sie dass ihr Umwelt- und Nachhaltigkeitsengagement nur ein Kosten- oder doch auch jenseits der Werbewirksamkeit ein Renditefaktor ist?
Bernhard Schadeberg: Ich glaube, in der heutigen Zeit, dass es zwei Dinge sind, die zusammengehören. Nur ein gesundes Unternehmen kann sich ökologisch und sozialen Themen widmen. Aber nur ein Unternehmen, was sich diesen Themen widmet und stell ist ein gesundes Unternehmen. Mit bisher über 700 sozialen Einzelprojekten, die wir bundesweit mit je 2500 Euro unterstützt haben, haben wir sicherlich auch unser Unternehmen gestärkt, aber auch Menschen vor Ort bei der Bewältigung ihrer Themen unterstützen können.
Moderator: Herr Schadeberg, vielen Dank für den Chat. Traditionell hat der Chatgast das letzte Wort. Möchten Sie ein Schlusswort an die Utopisten richten?
Bernhard Schadeberg: Wenn ich zum Schluss mich nicht nur bedanken darf für die vielen interessanten Fragen, darf ich sie auch bitten uns weiter aktiv und kritisch zu begleiten. Wir stehen gemeinsam in der Gesellschaft, aber auch in unserem Unternehmen am Anfang des Weges. Messen Sie uns an der Erreichung unserer Ziele und gönnen Sie sich heute Abend ein Bier - am besten... Sie wissen schon! Ihr Bernhard Schadeberg
Moderator: Vielen Dank noch einmal. Es wurden sehr viele Fragen gestellt, so dass leider nicht alle im Live-Chat beantwortet werden konnten. Demnächst werden diese dann auf dem Krombacher Unternehmensprofil beantwortet. Hier können auch weitere Fragen jederzeit gestellt werden.
Mehr zu Krombacher auf Utopia finden Sie unter www.utopia.de/krombacher-klimaschutz-projekt
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Kommentare (37)
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eine Informationsfrage zu der von Maria_L zitierten Liste ("Blausäure, Calciumchlorid, Chlordioxid, Essigsäure, Formaldehyd, Hexan, Schwefelsäure, Kieselgele, Kohlensäure, Methylenchlorid, gentechnisch veränderte Hefe, radioaktive Strahlung"):
Welche der aufgezählten Substanzen, Kulturen usw. werden bei Krombacher eingesetzt, auf welche verzichten Sie?
Für Ihre Antwort bedanke ich mich im Voraus,
YouMe mehr weniger
wenn das alles so toll ist warum weigern sich dann die konventionellen Brauereien den Passus der zukünftigen garantierten Gentechnikfreiheit mit in das Reinheitsgebot aufzunehmen?
Freundliche Grüße Bada
@Maria_L - danke für die Info!
PROST
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