Are we stupid?
Was muss eigentlich noch passieren....
Film ab: Schauspielveteran Pete Postlethwaite ("Im Namen des Vaters") lebt als Archivar allein auf der völlig zerstörten Erde. Vor den Augen der Zuschauer rekonstruiert er, wie es zur Klimakatastrophe kam – und setzt dabei Schreckensnachrichten wie Puzzle-Teile zusammen, die uns Claus Kleber und Co. beinahe täglich in Häppchen im Fernsehen vorspielen. Da geht es um Umweltkatastrophen wie Katrina, die Gletscherschmelze und den Massentod von Menschen in Nigeria. In der Summe herrscht am Ende nur Stillstand. Menschliche Ignoranz und Dummheit sind schuld an der Misere, so das traurige Fazit – aber eben nicht nur im Film. Ja bitte, was muss eigentlich noch passieren, damit wir die Klimakatastrophe (vielleicht) noch abwenden?
Die Wahrheit ist schon traurig genug. Aber das Groteskeste kommt noch: Ausgerechnet zum Auftakt der UN-Klimawoche in New York feierte „Age of Stupid“ in dieser Woche Premiere. Die Inszenierung war perfekt: Der Film lief in einem Manhattaner Solarkino, er wurde live in mehr als 700 Orten und in 60 Ländern übertragen. Green Glamour war in New York angesagt, als die VIPs zur Kinopremiere anrauschten. Denn diesmal kamen sie zum roten, entschuldigung zum grünen (!) Teppich - nicht wie üblich mit der Limousine. Sondern, oho, mit Solarautos, Rikschas oder Rollern.
Ein komplett anderer Film spielte sich in New York auf diplomatischem Parkett ab. Am Ende stand die Handlung aber ebenfalls unter dem Motto „Age of Stupid“: Barack Obama - der Mensch, auf den viele von uns ihre Hoffnungen gesetzt haben - forderte auf dem UN-Klimagipfel zwar viel von den Entwicklungsländern im Kampf gegen den Klimaschutz. Er selbst wollte sich auf verbindliche Ziele im Hinblick auf den Weltklimagipfel in Kopenhagen aber nicht festlegen. Obama steht innenpolitisch unter Druck, keine Frage, aber er muss sich auch daran messen lassen, ob er seine Klimagesetze durch den Kongress bringt. Von der Vorreiterrolle der USA beim Klimaschutz, die er noch vor wenigen Monaten ankündigte, ist im Moment erschreckend wenig zu spüren. Überhaupt zeigt beim Ringen um Klimaschutzziele jedes Land auf seinen Nachbarn – so also wäre Klimaschutz nur eine Kosten-Nutzen-Rechnung. Am Ende bezahlen wir doch alle, wenn es zu spät ist.
Was muss also noch passieren, damit wir den Super-Gau in letzter Minute verhindern können? Viel Zeit bleibt uns nicht mehr: Wenn wir unser Verhalten in den nächsten fünf bis zehn Jahren nicht grundlegend verändern, wenn wir mit Ressourcen prassen wie gehabt und wenn wir unsere Ansprüche an Mobilität und Luxus nicht zurückschrauben, rasen wir gegen eine Wand. Ende, aus, wir wissen das. Ahnungslosigkeit ist nicht unser Problem. Und trotzdem schauen wir wie gelähmt auf unser Schicksal. Are we stupid? Wir sind nicht im Science-Fiction-Film. Aufwachen, das alles ist total echt! Werden wir endlich aktiv! Gestalten wir! Bestimmen wir! Die Politik allein wird es nicht richten.
Weltrettung ist kein Zuschauer-Sport - jetzt sind Sie dran!
Was muss passieren, dass wir Erdenbürger endlich in Bewegung kommen? Was muss passieren, damit Bürger und Wähler sich endlich empören? Wie begeistern wir unsere Freunde, unsere Nachbarn und unsere Politiker dafür, schneller aktiv zu werden? Und wie überwinden wir immer wieder unseren inneren Schweinehund? Schreiben Sie mir Ihre ganz konkreten Ideen!


Kommentare (63)
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h.yurén
schrieb am 29.09.2009 um 10:37 ¶m_nsch
schrieb am 28.09.2009 um 22:54 ¶Kommentar schreiben
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