Haben Sie´s gesehen? Die Mächtigsten der Weltpolitik, die am 9. November 2009 nebeneinander durch das Brandenburger Tor schritten? Schön war das, aber natürlich ein symbolischer Akt. Denn für die Wende gesorgt haben andere damals vor 20 Jahren. Ganz normale Menschen. Es waren Menschen, die ihr (und unser) Schicksal in die Hand genommen haben - und die Wandel wollten.
Was das mit Utopia zu tun hat? Auch wir Utopisten wollen wie die Menschen damals eine andere, eine bessere Welt: Wir wollen, dass der Wandel in Kopenhagen keine Utopie bleibt, sondern Realität wird. Strategischer Konsum ist ein Werkzeug, das wir auf dem Weg dahin in der Hand haben, ein weiteres ist unser Engagement dafür, dass endlich entschiedene Schritte gegen den Klimawandel eingeleitet werden. Dass ein wirkungsvolles Klima-Abkommen getroffen wird. Finanzkrise hin oder her. Um all das ist es, so wie es aussieht, in Kopenhagen nicht gut bestellt.
Warum rührt sich so wenig?
Warum engagieren sich immer noch viel zu wenige da draußen?
Warum geht kein Murren durch den Blätterwald?
Warum kochen die Internetkabel nicht?
Nicht, dass ich Lust habe auf Demonstrationen und Internetpetitionen, aber Leute, wir müssen uns Gehör verschaffen! Dieser Klimagipfel in Kopenhagen, der schon in wenigen Wochen stattfindet, ist eine echte Weggabelung. Denn in zehn Jahren kann keiner von uns sich darauf hinaus reden, dass er von nichts gewusst hätte. Was dort entschieden wird, geht (uns) alle etwas an! Was in Kopenhagen entschieden wird, entscheidet über Wohl und Wehe der Menschheit.
Wieder ist eine Wende nötig!
Erfahrungsgemäß werden es nicht die Politiker sein, die das Ruder herum reißen, sondern wir sind gefragt. Und ich frage Euch daher ganz direkt: Was habt Ihr schon getan, um in Kopenhagen oder Berlin etwas zu bewegen? Ein Bahnticket gekauft, eine Fahrgemeinschaft organisiert? Habt Ihr schon Briefe oder Mails an Angela Merkel verfasst oder irgendeinem anderen Politiker zu diesem Thema Eure Meinung gesagt? Seid Ihr in eine Partei eingetreten oder habt Freunde informiert?
Es sind Wendezeiten und es kommt auf jeden Einzelnen von uns an. Hier haben wir einige Möglichkeiten aufgelistet, wo Ihr Euch konkret beteiligen oder Gehör verschaffen könnt. Sollten wir etwas vergessen haben, dann sammelt es bitte unter dem Artikel.
- an Bundeskanzlerin Angela Merkel mailen.
- sich der Utopia-Gruppe "Kopenhagen" anschließen und mitfahren!
- an Merkel, Röttgen, Schäuble schreiben und 7 Milliarden Euro für den Klimaschutz fordern!
- das Klima-Lexikon lesen und Wissen saugen für Diskussionen mit Freunden.
- die Petition "Klimagerechtigkeit jetzt" unterzeichnen.
- den Artikel "Setzt Kopenhagen unter Druck" lesen und sich inspirieren lassen.
Selbst mit kleinen Schritten etwas fürs Klima tun, indem Sie Ihren CO2-Rucksack mehr und mehr verringern.


Kommentare (30)
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Warum werden bekannte Wissenschaftler nicht gehört, die davon erzählen, dass das CO2 niemals das Problem des Klimawandels sein kann.
Vielmehr hat da ein riesiger Marketinggag gezogen und dazu geführt, dass wir wieder mal völlig verarscht werden.
Es hat in den vorherigen Jahrhunderten so viele Klimaveränderungen gegeben, die viel grössere auswirkungen hatten und da war wohl kaum der Mensch schuld daran.
Zudem brauchen unsere Pflanzen das CO2.
Also ich denke wir sollten uns mal wirklich informieren was Sache ist und dann den Weg beschreiten der notwendig erscheint.
Schaut mal unter www.anti-zensur.info zum Thema CO2-Lüge mehr weniger
Auch Indien muss erkennen, dass die Welt schaut, wie es handelt!
Start 19.00 Uhr im virtuellem [Philosophischem Café]: http://de.consenser.org/philosophisches_cafe mehr weniger
du hast ganz Recht, obwohl der Klimawandel als Schwerpunktthema zunehmend in den Medien Raum greift, bleiben die Reaktionen bisher äußerst verhalten. Die öffentliche Haltung zum Thema lässt sich wohl mit dem Sinnspruch ‚Die Lage ist kritisch aber nicht ernst’ beschreiben. Für diese erstaunlich ruhige, geradezu lethargische Reaktion lassen sich viele Gründe finden. Einige der Ursachen stehen im Zusammenhang mit den allgemeinen Problemen, die bei der gesellschaftlichen Verhandlung um Verfügungsrechte und Pflichten bei der Nutzung von Gemeingütern entstehen. Stichwörter wie Tragedy of the Commons und das free-rider Dilemma mögen hier schon erste Erklärungen bieten. Die Besonderheit in Bezug auf den Klimawandel ergibt sich allerdings aus seiner Zukünftigkeit und der damit verbundenen Ungewissheit. Gleichzeitig handelt es sich um Veränderungen, die in Ihrer Konsequenz und Geschwindigkeit keine Parallele in der überlieferten Geschichte finden. Daher fehlen im kollektiven Gedächtnis vergleichbare Erfahrungen. Die Gefahr wird so zu einem abstrakten unpersönlichen bzw. überpersönlichen Risiko. Der dem Menschen eigene ambivalente Umgang mit Risiken, insb. in Bezug auf Ereignis die nicht in unmittelbarer Zukunft liegen, verschärft die Situation. Der Autor Max Bazerman interpretiert den Klimawandel daher als ‚vorhersehbare Überraschung’. Er bezeichnet damit ein Ereignis dessen genauen Einzelheiten zwar mit erheblichen Wissenslücken und großer Unsicherheit behaftet (daher überraschend) sind, dessen Eintreten mit erheblichen negativen Auswirkungen allerdings kaum vermeidbar (daher vorhersehbar) ist. Für die Ignoranz gegenüber dieser vorhersehbaren Überraschung führt er fünf Gründe auf (Bazerman 2006):
1. Einzel Personen schätzen in der Regel ihre Zukunft deutlich günstiger ein, als es die Betrachtung der objektiven Fakten zulässt. Diese positive Illusion begründet den Glauben, dass ein Problem aus persönlicher Sicht nicht existiert oder zu geringfügig ist um ein Handeln zu rechtfertigen.
2. Menschen neigen dazu bei der Zuweisung von Schuld und Verantwortung zu ihren eigenen Gunsten zu entscheiden. Diese egozentrische Sicht führt in Konfliktsituationen zu sehr unterschiedlichen Auffassungen darüber, wie eine gerechte Lastenverteilung zur Lösung eines Problems ausgestaltet sein müsse.
3. Aktuelle Vorteile haben in der Abwägung einen größeren Stellenwert als zukünftige Gewinnsituationen, selbst wenn diese insgesamt höheren Profit abwerfen. Noch Größer wird diese als myopic preference bezeichnete Kürzsichtigkeit bei der Betrachtung von möglichen aktuellen Verlusten gegenüber möglichen zukünftigen Vorteilen.
4. Durch die Furcht vor möglichen Verlusten, sind Schäden durch Untätigkeit („error of omission“) deutlich häufiger als Schäden durch zu viel Engagement („error of commission“). In der Konsequenz unterbleiben vorausschauende Aktivitäten um vorhersehbare Ereignisse zu umgehen und wir verharren gegen besseres Wissen im dysfunktionalen status quo.
5. Menschen sind unwillig in die Vorsorge für einen Schaden zu investieren, den sie nicht selber erfahren haben oder durch anschauliche Daten nachvollziehen können. Nach Bazerman’s Ansicht zwingt der politische Diskurs insbesondere Entscheidungsträger dazu solange mit Gegenmaßnahmen zu warten, bis deutliche Schäden sichtbar und erfahrbar werden.
Oder, um es mit dem Philosophen Günter Anders zu sagen: „Wir sitzen in einer Zeitzelle des Praesens fest. Und in dieser Leben wir so ausschließlich, dass wir der Zukunft gegenüber, […], blind bleiben.“ (Anders 1962:54)
Schöne Analyse und nun, was tun?
Ich denke, der Schlüssel zum Erfolg liegt darin Alternativen und deren direkte Vorteile aufzuzeigen ohne Angstszenarien und Feindbilder aufzubauen. Wer seine Umgebung mit Vorwürfen der Untätigkeit „nervt“ braucht sich nicht wundern, dass diese Konfrontation zu unfruchtbaren Grabenkämpfen führt. Auch vor 20 Jahren war es nicht die Forderung nach „Ihr müsst …“ oder gar „Ihr dürft nicht …“ sondern das „Wir sind …“ das Mauern zum Einsturz gebracht hat. Daran müssen wir anknüpfen mit einem unverkrampften „Ich bin Utopist“, „Ich tue dies oder jenes“. Daher gefällt mir die Liste der Vorschläge und Beiträge ungemein.
Ich finde, es gibt kaum mehr Genugtuung als eine Aber-das-geht-doch-alles-gar-nicht-Diskussion mit einem gut gelaunten Ich-tu-es-schon-Argument auszuhebeln. Außer vielleicht den Gesichtsausdruck des Gegenüber wenn man noch beifügt: Und außerdem spare ich noch Geld dabei!
Beste Grüße,
;-) Sven
Bazermann, M. (2006): Climate change as a predictable surprise. In: Climatic Change 77: S.179-193.
Anders, G. (1962): Die Wurzeln der Apokalypse-Blindheit, In: Lassahn, B. (Hrsg.)(1984): Das Günther Anders Lesebuch. Diogenes. S.52-66. mehr weniger