"Man kann das Auto auch mal stehen lassen"


Herr Toth, man liest zurzeit überall, dass durch Biosprit die Nahrungsmittelpreise weltweit explodieren, was Ethanol als Kraftstoff schlecht dastehen lässt. Spüren Sie dieses schlechte Image beim Spritverkauf?
Ich bin ein Befürworter alternativer Kraftstoffe und habe die Entscheidung angeregt, Bioethanol anzubieten. Im März 2006 haben wir die Ethanolzapfsäule eingerichtet. Es stimmt, seit der Lebensmittelkrise sprechen mich die Leute vermehrt auf Biosprit an und machen mir zum Teil sogar Vorwürfe, ob ich kein schlechtes Gewissen habe, dass durch mein Angebot Menschen verhungern. Ich finde es gut, wenn Leute mich danach fragen, denn das zeigt, dass sie die Augen aufmachen und sich für das Thema interessieren. Außerdem kann ich ihnen dann auch ein bisschen was über die Hintergründe erklären. Viele Leute haben eine einseitige Meinung und denken, wenn ich Bioethanol verkaufe, schadet das der Welt, aber das stimmt nicht.

Sondern?

Der Biosprit-Anteil am Gesamtverbrauch in Deutschland ist so gering, dass man damit sicher keine gigantischen Mengen Mais oder Reis oder andere Lebensmittelpflanzen in Drittweltländern abgräbt. Viel schlimmer finde ich, dass in der EU die Landwirte dafür belohnt werden, ihre Felder brach liegen zu lassen, um die Preise für Lebensmittel stabil halten zu können. Das ist absurd.

Was sagen Sie dazu, dass Sigmar Gabriel einen Rückzug bei der E10-Beimischung gemacht hat?
Ich glaube, das ist in erster Linie lobbygetrieben. Der ADAC hat plötzlich gewarnt, dass die Motoren älterer Autos den Biosprit zu einem großen Teil nicht vertragen. Wenn man etwas Bioethanol mit herkömmlichem Sprit mischt, hat man meiner Erfahrung nach keine Probleme. Denken Sie mal an Brasilien - dort wird schon überwiegend Bioethanol verkauft. Und Sie können mir nicht erzählen, dass dort alle mit nagelneuen Autos herumfahren.

Tanken Sie denn Bioethanol?
Ja. Ich mische einen Teil davon mit konventionellem Benzin und habe keine Probleme damit. Im Gegenteil, durch den erhöhten Oktanwert hat mein Auto mit diesem Gemisch sogar mehr Leistung.

Man sieht auf Ihrer Preistafel, dass Bioethanol günstiger ist als anderer Kraftstoff. Machen Sie sich damit nicht selbst das Geschäft kaputt?
Nein, denn ich verkaufe den Sprit ja im Auftrag der Ölgesellschaft. Für mich ist das ein durchlaufender Posten. Mit 99,9 Cent pro Liter ist Biosprit günstiger, und der Preis bleibt außerdem stabiler als der von fossilem Kraftstoff. Die Leute denken immer, ich müsste ein Interesse daran haben, dass viel gefahren wird. Habe ich aber gar nicht. Ich wohne außerhalb Münchens, fahre aber mit den öffentlichen Verkehrsmitteln in die Stadt. Autofahren ist eben selbst mit Biosprit immer noch teurer. Und es nervt mich ehrlich gesagt, dass die Leute immer größere Autos mit Riesenmotoren und breiten Reifen kaufen, aber dann über die steigenden Spritpreise meckern. Man kann ja auch mal das Auto stehen lassen, wenn man Geld sparen will.

Ihre Tankstelle ist die einzige in ganz München, die Bio-Ethanol anbietet. Sollte es nicht noch viel mehr davon geben?
Natürlich profitieren wir von der Alleinstellung, auch wenn es zurzeit nur zwischen zwei und zehn Kunden pro Tag sind, die Biosprit tanken. Aber ich fände es trotzdem gut, wenn es mehr Bioethanol-Tankstellen gäbe, damit das Prinzip Biosprit weiter ausgebaut wird.

Warum ist die Bioethanol-Zapfsäule als einzige mit einem Schloss gesichert?
Die Zapfsäule darf laut TÜV-Vorschrift nicht frei, sondern nur mit einem Schlüssel zugänglich sein. Ich schätze, das liegt daran, dass unsere Tankstelle mitten in der Stadt, also in einem Wohngebiet liegt. Bioethanol brennt im Gegensatz zu konventionellen Kraftstoffen selbst. Benzin dagegen ist eine leicht entzündliche, aber keine brennbare Flüssigkeit. Da brennen nur die aufsteigenden Dämpfe.

Mit welcher Spritsorte machen Sie an Ihrer Tankstelle den meisten Umsatz?

Ehrlich gesagt: mit Augustiner Bier.

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Zum Artikel "Biosprit - Tanken wir die Welt hungrig?"
Zum Interview mit Peter Grett, Experte für alternative Mobilität

Foto: Utopia


 

 

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  • derNarr
    schrieb am 15.05.2008 um 15:36
    Es gibt ganz andere Gründe, als Biosprit, warum Menschen in der ganzen Welt verhungern. Einer davon ist vermutlich die europäische Außenpolitik. Ein anderer der mangelnde Schutz und die unzureichende Umsetzung geltenden rechtes in großen Teilen der Welt.

    Näheres unter www.fian.org

    In meinen Augen ist es ein Witz, wenn Menschen sich sorgen machen, dass ihr Biosprit Menschen verhungern lässt, sie aber vor viel gravierenderen Menschenrechtsverletzungen (Auch was das Recht auf Nahrung betrifft) gekonnt die Augen verschließen.
  • babouyes
    schrieb am 11.05.2008 um 21:04
    Hallo,
    über das thema biosprit wird momentan sehr viel diskutiert.für mich ist es eigentlich klar: biosprit gehört in die Zukunft. In kolumbien werden momentan 10% ethanol in den benzin beigemischt. pflicht in alle große städte.keiner merkt was davon, alle motoren funktionieren (fast nur "allte aotos"). In brazil, wie im artikel beschrieben, wird sehr viel über dieses thema geforscht und vor allem viel gemacht.
    Natürlich hat biosprit probleme, einiege würde ich sagen... aber die vorteile sind mehr.
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