„Fleischloses, faires Essen wird immer wichtiger“
14Hinter dem Utopist „ich-will-fair-essen“ steckt der Österreicher... mehr
Utopia: Der Name "Biorama" ruft gleich mehrere Assoziationen hervor: Rama, Futurama ... Was bedeutet er denn?
Milo Tesselaar: Der Name ist einfach ein Name. Aber zur Klärung: "Bios" steht an sich für Leben und "Rama" für den Blick, die Sicht. "Der Blick aufs Leben" fanden wir einen guten Background für "Biorama - Magazin für nachhaltigen Lebensstil". Und dank der Assoziation mit "Futurama" hat der Name auch das Potential, ein bisschen Pop-Feeling zu vermitteln, was auch unser selbstgestellter Auftrag ist. Ich glaube, die Assoziationskette ist generationsbedingt, die Jüngeren assoziieren oft Futurama (Anm.: Science-Fiction-Zeichentrickserie der Simpsons-Macher), ältere Semester wiederum fühlen sich an die "Rama" (Anm.: Margarine) erinnert. Nachteil des Namens ist sicherlich, das wir durch das "Bio" im Namen "Biorama" manchmal als Biozeitschrift abgestempelt werden - fälschlicherweise. Wir beweisen im Inneren des Magazins dann aber sehr schnell das Gegenteil.
Ihr Magazin gibt es bald erstmals auch in Deutschland. Was versprechen Sie sich davon?
Deutschland ist nun mal der Markt im deutschsprachigen Raum, nicht Österrreich. Daher ist es für uns natürlich finanziell interessant, "Biorama" in Deutschland zu etablieren. Motivierenden Zuspruch hatten wir durch eine Vielzahl deutscher Abonnenten seit dem Sommer letzten Jahres. Allgemein betreiben wir ein subtiles "Agenda-Setting" - das geht natürlich viel besser, wenn wir im gesamten deutschsprachigen Raum aktiv sind. Wir sind sehr zuversichtlich, da wir mit dem, was und wie wir es machen, einzigartig sind.
In Österreich haben Sie bereits neun Ausgaben herausgebracht. Ein Erfolg. Das deutsche Pendant "Ivy" aus dem Hause Burda wurde schon nach zwei Heften eingestellt. Ist der Schritt nach Deutschland da nicht gewagt?
Glauben wir nicht. Gerade im Vergleich zu "Ivy" ist "Biorama" anders. Wir haben ein anderes Business-Modell - das ist das Entscheidenste. Der nachhaltige Markt steckt in einer enormen Entwicklung. Gleichzeitig ist er ein sehr sensibler Markt mit einer sensiblen Zielgruppe. "Biorama" entwickelt sich wirtschaftlich und ganzheitlich mit dem Markt. "Ivy" erschien im Burda-Verlag, was automatisch die verschiedensten - auch wirtschaftlichen - Erwartungen, Befindlichkeiten und Mechanismen eines solchen sehr klassischen und althergebrachten Medien-Konzerns mit sich bringt. Inhaltlich und konzeptionell war "Ivy" klassisch gemacht, "Biorama geht da einen anderen Weg".
Was macht "Biorama" denn anders?
Wir machen kein "Lohas für Dummies". Wir wollen nicht die Traditionen der Frauenzeitschriften fortsetzen, die eins zu eins austauschbar und vorhersehbar sind. Wir gehen davon aus, dass der Leser noch immer die letzte Instanz ist. Er entscheidet im Alltag. Dafür wollen wir eine reflektive Ebene bieten. Das heißt: Wir wollen ein eigenes Statement liefern und dabei Inhalt und Wirtschaftlichkeit klar voneinander trennen. Wir wollen keine Produktinformationen bieten, die von PR-Abteilungen und -Agenturen bezahlt sind. Ich kann und will niemandem vorschreiben, etwa Bioprodukte zu kaufen. Aber ich kann Produkte empfehlen, die ich selbst gut finde. Wir wollen freien Journalismus bieten, der sich gut liest. Wir haben keinen klassischen Informationsauftrag, unser dreimonatiger Erscheinungsrhythmus rechtfertigt das nicht. "Biorama" ist oft subjektiv, hat keinen Aktualitätsanspruch und ist widersprüchlich.
Aber wollen Leser, die sich über Nachhaltigkeit informieren, nicht eher konkrete Lösungen an die Hand?
Es gibt nicht die "Entweder-oder-Lösungen" im Bezug auf die ökologisch-soziale Nachhaltigkeit. So wie wir etwa in der zukünftigen Energieversorgung eine Mischung aus unterschiedlichen Energien haben werden. Unser Anspruch ist es, diese verschiedenen Lösungen zu reflektieren. Biogas ist da etwa so ein höchst brisantes und diskutiertes Thema: Natürlich schreiben wir über die verschiedenen Projekte - kritisch, teilweise auch befürwortend. Aber die eine, gute Lösung gibt es nun mal nicht.
Das kanadische Magazin „Adbusters“ machte ihn 2008 zur „Person des Jahres“: Herman Daly, ...
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