Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Biokraftstoffe

EU-Richtlinie gelungen, Regenwald tot?


Nachhaltigkeit beim Anbau von Energiepflanzen - Almut Jering vom Bundesumweltamt nennt entscheidende Punkte:

Klimaschutz: Es darf keinen "Umbruch von Regenwäldern, Mooren oder Sumpfwäldern für die landwirtschaftliche Produktion" geben. Die "Emissionen der klimarelevanten Treibhausgase" sind zu minimieren, und zwar beim "Anbau der Energiepflanzen, bei Umwandlung und Nutzung der Energie."

Erhalt der Biodiversität: "Der Erhalt der Regenwälder und sonstiger schutzwürdiger Gebiete mit hoher Biodiversität muss sichergestellt werden."

Schutz und Erhalt der natürlichen Lebensgrundlagen: Boden und Gewässer sind zu schützen. Es darf "keine zusätzliche Bodenerosion oder Degradation" stattfinden.

Vor diesem Hintergrund ist die EU-Richtlinie zur Erneuerbaren Energie zu sehen, die das Europäische Parlament im Dezember 2008 beschlossen hat. Die Richtlinie beschreibt deutlich das Problem: Regenwälder oder Moorgebiete sind große CO2-Speicher. Wer diese Flächen für den Anbau von Energiepflanzen umwandelt, setzt auf einen Schlag große Mengen des Treibhausgases frei, etwa durch Brandrodung. "Die daraus resultierenden negativen Treibhausgasauswirkungen können die positiven Treibhausgasauswirkungen der Biokraftstoffe oder der flüssigen Biobrennstoffe aufheben", heißt es in der Richtlinie, "in einigen Fällen kann die Wirkung deutlich kontraproduktiv sein." Daher wird gefordert: Anreize darf es nur für Biokraftstoffe und flüssige Biobrennstoffe geben, "wenn garantiert werden kann, dass sie nicht von durch biologische Vielfalt geprägten Flächen stammen." Dazu zählen Regenwälder, aber auch bestimmte Formen von Grünland wie Savannen, Steppen, Buschland und Prärien, wenn sie eine hohe Biodiversität aufweisen.

Problem gelöst? Nicht in den Augen von Dr. Grit Ludwig, die als Juristin am Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) arbeitet. Sie hat die Richtlinie kritisch unter die Lupe genommen: "Wo früher mein Zuckerrohr für die Nahrungsmittelproduktion stand, wird jetzt Soja für Biodiesel angebaut", befürchtet die Wissenschaftlerin. Die Konsequenz: Für den Anbau von Nahrungsmittelpflanzen wird weiterer Regenwald gerodet - und es kommt zur Emission von Treibhausgasen durch "indirekte Flächennutzungsänderungen", wie es in der Fachsprache heißt. Der Anbau der Energiepflanzen kann nachhaltig sein, die neue Nahrungsmittelproduktion vernichtet Regenwald. Dr. Ludwig: "Die Kriterien sind erfüllt, aber der Regenwald wird trotzdem zerstört." Dieses Problem werde von der EU-Richtlinie nicht erfasst.

Seite 1 / 2
Stand: 22.06.2009 von

Kommentare (6)   abonnieren

  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 22.06.2009 um 13:22
    Die EU-Richtline Biokraftstoffe zeigt in die zukünftige Richtung. Sicherlich kann diese Richtlinie ausgeweitet werden. Es können aber nur Regelungen für Produkte aufgestellt werden, die auch in die EU Inportiert werden. Für weitere Regelungen sind die Regierungen vor Ort zuständig.Der Hauptmarkt für brasilianisches Äthanol sind Brasilien und die USA. Dort sollte man sich an der EU-Linie orientieren.
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 22.06.2009 um 21:59
    aber für die Praxis befürchte ich eher die beschriebenen Bedenken: dass sich die Einhaltung der geforderten Standards kaum überprüfen lässt. Mir erscheint der Anbau von Energiepflanzen als Sackgasse. Stattdessen sollte man die Sprit-Produktion aus Abfällen engagiert vorrantreiben: Ernteabfälle, Holzreste, Stroh, Biomüll aus den Haushalten. Daraus lassen sich mit dem Fischer-Tropsch Verfahren die sehr viel effizienteren Kraftstoffe der zweiten Generation: BTL (biomass to liquid) herstellen. Die Firma Choren in Freiberg arbeitet daran schon seit Jahren, plant meines Wissens aber vorerst auch die Umwandlung von Energiepflanzen (immerhin aus Deutschland) zu Sprit.
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 23.06.2009 um 03:22
    Agrosprit wie Biodiesel, aber auch Biomasse, die in Kraftwerken verfeuert wird, ohne dass sie sozial und ökologisch nachhaltig erzeugt wurde, sind in der gegenwärtigen Form tatsächlich ein Irrweg. Leider werden sie auch oft als Alibi benutzt, um nicht stärker den energie-Verbrauch überhaupt zu reduzieren, auch im Verkehrsbereich, z. B. durch kleinere u. leichtere Fahrzeuge und mehr Umstieg auf öffentliche Verkehrsmittel, die dafür auszubauen u. attraktiver zu machen wären. In abgelegenen Regionen der Erde mag Biodiesel tatsächlich sinnvoll sein, in Europa ist eine weitestmögiche Verlagerung auf die Schiene sinnvoller (Der Strom durch Wellen- Wind- Sonnen-Energie u. Geothermie erzeugt werden). Zu Menschenrechtsverletzungen bei für Europa hergestellter Biomasse in Kolumbien: www.fian.de
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 23.06.2009 um 09:18
    Die Politik hat mit den Zielen die Entwicklung von biotreibstoffen in eine falsche Richtung gelenkt. In der Schweiz waren wir einerseits etwas später dran, aber der Gesetzgeber hat sehr klare Richtlinien für Biotreibstoffe (Oekobilanz und Sozialverträglichkeit)vorgegeben, welche nun praktisch nur den Verbrauch von Biosprit aus Abfällen zulässt. Für mich ist im Grundsatz Biosprit nur etwas von lokalen Rohstoffen für lokalen Biosprit. Hersteller von Fahrzeugen und auch die Oelmultis müssen damit leben lernen, dass sich künftig immer mehr kleine Spritproduzenten auf dem Markt tummeln.

    gruss, Werner
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 25.06.2009 um 13:42
    Die Sache ist doch ganz einfach - Solange schützenswerte Flächen neu unter den Pflug genommen werden, dürfte die Produktion von Pflanzensprit nicht ausgeweitet werden. Dieses ist leicht mit Satellitenaufnahmen zu überprüfen. Hier in Brasilien kann sogar ich jeden Abend in den hiesigen Tagesschau sehen, wie viel Urwald wieder platt gemacht worden ist. Im Mai waren es 124km².
    http://www.globoamazonia.com/

    Zudem ist es völliger Schwachsinn z.B. Zucker erst in Alkohol zu verwandeln, dann zu destillieren um dann 20% der verbleibenden Energie mit museumsreifer Technologie, 1,5t Blech in Bewegung zu setzen. Jeder Hobbyfruchtweinproduzent weiß, dass rund 2kg Zucker nötig sind um 1l Alkohol herzustellen es geht also die Hälfte verloren.
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 02.07.2009 um 08:38
    aktuell auf www.pro-regenwald.de
    -------------------------------------- Stand: 02.07.2009


    > Langfristig verlieren Wald und Mensch
    Schwieriger Kampf um Amazonien

    Die Tragödie der Regenwaldzerstörung wird häufig vereinfacht
    auf die miese wirtschaftliche Situation der jeweiligen Länder
    reduziert..

    http://www.pro-regenwald.de/news/2009/07/02/Kampf_um_Amazonien
    = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = =


    > Jetzt gratulieren und künftig mitmachen!
    Pro REGENWALD ist 20 geworden

    Pro REGENWALD feiert unter dem Motto 'Jetzt gratulieren und
    künftig mitmachen' den 20. Geburtstag.

    http://www.pro-regenwald.de/news/2009/07/02/20_Jahre_Pro_REGENWALD
    = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = =


    > Alle wollen den Regenwald retten. Alle?
    Brasilien will über 600.000 Hektar Regenwald zur Zerstörung
    freigeben

    In Brasilien steht ein Gesetz zur Diskussion, mit dem nach-
    träglich bisher illegal in Besitz genommene Ländereien legalisiert
    werden sollen.

    http://www.pro-regenwald.de/news/2009/07/02/Lula_legalisiert_Landnahme
    = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = =


    > Wir verlosen Ökowein
    Freunde/Bekannte zum Regenwaldretten einladen

    Regenwaldretten ist eine Riesenaufgabe. Sie braucht möglichst
    viele UnterstützerInnen. Wir wollen, dass mehr Leute die
    Waldseite besuchen und bitten um Werbung

    http://www.pro-regenwald.de/news/2009/06/23/Waldseite_empfehlen
    = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = =


    > Zaghaftes Abbiegen vom Erdöl-Highway
    Ecuador setzt Wald- und Klimaschutz gegen Erdöl

    Eigentlich wissen es alle: die wirksamste Klimaschutzvorsorge
    ist die vermiedene CO2-Emission. Ecuador traut sich. Diese Woche
    hat das Land seinen Außenminister Fander Falconi nach Europa und
    auch Deutschland geschickt, um für diese so einfache Idee Werbung
    zu machen.

    http://www.pro-regenwald.de/news/2009/06/22/Abbiegen_vom_Erdoel-Highway
    = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = = =





    -------------------------------------------------------------
    - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - - updates@pro-regenwald.de.
    -----------------------------------------------------------
    München, 02.07.2009 - he
Kommentar schreiben
(5000/5000)