Der Hersteller Lebensbaum hat gerade auf der Biofach in Nürnberg das „Genießer Fix“ für die schnelle Küche präsentiert, daneben gab es fertige Kartoffelgerichte der Marktgesellschaft der Naturlandbetriebe, die Gewürzmischung „Trüffelglück“ für Risotto, Pasta, Schmorgerichte von Herbaria, fertige Salat-Dressings von De Rit und Eis-Anrührmischungen von Nürnberger Bio-Originale sowie Müsli to go von Neuform. Woran erinnert einen das? „Aufreißen, rausschieben, reinbeißen!“ Der alte Werbeslogan einer kleinen Salami für zwischendurch. Dem vergleichbar lässt sich die Gebrauchsanweisung für die „Marokko-Pfanne“ von Davert auf wenige Worte zusammenfassen: Aufreißen, in die Pfanne, Wasser drauf, erhitzen, umrühren – und 20 Minuten später ist eine vollwertige Mahlzeit bestehend aus 60 Prozent Hirse, 30 Prozent Gemüse und zehn Prozent Gewürze fertig zum Verzehr, jedoch ohne Geschmacksverstärker. Die „Marokko-Pfanne“ wurde im Jahr 2009 auf den Markt gebracht und von den Kunden derart gut angenommen, dass sie jetzt zum „Renner des Jahres 2009“ gekürt wurde aufgrund einer Auswertung der Verkaufszahlen von 200 deutschen Biomärkten durch das Handelspanel Biovista.
Das ist nicht weiter verwunderlich in Zeiten, in denen die Arbeit zunehmend mehr Lebenszeit abverlangt oder die Hausfrau in ihrer Reinkultur von der Working Mum verdrängt wird. Wie könnten derart von Zeitnöten Bedrängte noch ausgewogen auf Einkaufstour gehen, um sich dann an den Herd zu stellen und im sanften Zwiegespräch mit dem Bio-Gemüse ein Essen „mit Liebe“ zuzubereiten? Es ist ein Irrglaube und reichlich naiv, dass diese Tendenz, die von Anbietern konventioneller Ware bereits bis zum auftoastbaren Schnitzel im Brotmantel – im Grunde bis ins Absurde hinein befriedigt wird, vor der Bio-Warenwelt Halt machen würde?
Die Produzenten von Bioware sind clever genug und reagieren auf den Kundenwunsch. Wie das Beispiel Lebensbaum zeigt. Wer die Marke aus dem Hause Ulrich Walter kennt, der weiß, dass es das mittelständige Unternehmen bereits seit 1979 auf dem Markt gibt, es zählt zu den Biopionieren im wahrsten Sinne des Wortes. Doch Bioqualität allein genügt offenbar nicht mehr, und so haben die Produktentwickler wie feine Seismographen die modernen Bedürfnisse geortet – ob mit Zitronengrastees für die bio-affinen Asienreisenden oder den „Ferdi’s“ Tees für Kinder – und sind so zur Idee für „Genießer Fix“ gestoßen. Nun gibt eben dieser Bio-Pionier sechs verschiedene Gewürzmischungen mit Zutaten aus kontrolliert biologischem Anbau heraus, wozu der Koch daheim nur noch Zutaten beisteuern muss wie etwa Lachsfilets, Blattspinat und Crème fraiche oder drei Gemüsesorten und eine Handvoll Pilze. Die Gewürzmischungen kommen ohne Geschmacksverstärker aus, sind lactose- und glutenfrei, jede Mixtur enthält eine besondere Note wie etwa Lavendelblüten oder Spitzwegerich, das Ganze für nicht mal 1,50 Euro pro Tütchen. Für Varianten werden zusätzlich auf der Homepage weitere Rezeptideen „für die schnelle Bio-Küche“ bereitgestellt.


Kommentare (14)
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Am Wochenende wird halt eine größere Menge zubereitet, dann ist noch etwas für die Woche übrig.
ich stimme Deinen Ausführungen in vollem Umfang zu. Diese Entwicklung entspricht dem heutigen
Zeitgeist und den kann man wohl nicht aufhalten. Irgendwann kommt dann vielleicht wieder eine Gegenbewegung. Wenn bei diesen neuartigen Bio-Convenience-Food-Produkten die Bio-Richtlinien eingehalten werden, warum nicht?
Heinz Rieger mehr weniger