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Chega – oder: Es reicht!

Biobauern gegen Pestizide


Von Daniel Hires

Seit mehr als 20 Jahren bauen Kleinbauern in Brasilien Soja in Bio-Qualität an – in Handarbeit ohne Pestizide oder Gentechnik. Nun ist deren Existenz von einem Gift gefährdet, dass zwar in Deutschland seit 1991 verboten ist, aber dennoch bis heute von Bayer verkauft wird: Endosulfan. Mit der Aktion „Chega“ setzen sich die Bauern zur Wehr und suchen nach weltweiter Unterstützung.

Unter www.chega.org können Konsumenten, denen der nachhaltige Anbau von Lebensmitteln wichtig ist, mit ihrer Unterschrift eine Aktion unterstützen, die den Biobauern in Brasilien möglicherweise die Existenz rettet. Das Einkommen zahlreicher brasilianischer Soja-Bauern steht auf dem Spiel, weil deren Ernte durch auf den Nachbarfeldern eingesetzten Pestiziden verunreinigt wird.

Mehr als 300 Familien im der Region Capanema im südlichen Brasilien leben von der biologischen Landwirtschaft. Lange bevor ein Bio-Standard in Europa definiert wurde, entschlossen sich die Bauern Mitte der Achtziger die Gesundheitsfolgen der Pestizide nicht länger hinzunehmen und ohne Gift zu arbeiten. Einen Markt für Bioprodukte gab es damals noch so gut wie gar nicht. 1994 zahlte ein Biosoja-Händler den Bauern schließlich einen angemessenen Lohn für Ihre Mehrarbeit. Der je nach Qualität bis zu 50 Prozent höhere Preis ermöglichte es den Bauern langfristig von ihren zehn bis 20 Hektar großen Äckern zu leben.

Dieses Jahr droht den Bauern jedoch eine existenzgefährdende Katastrophe: Spuren von Endosulfan, ein in Deutschland und vielen anderen Ländern längst verbotenes Pestizid, wurden in ihrer Biosoja gefunden. Auch wenn der Wert nur ein Zehntel des gesetzlichen EU-Grenzwertes für konventionelle Produkte beträgt, kann die Ernte nicht mehr als Bioprodukt verkauft werden. Die Behörden haben die Importe vorläufig blockiert und die wichtigsten Abnehmer haben die diesjährige Ernte zurückgewiesen. Bliebe es dabei, wären die Bauern gezwungen, ihre gesamte Ernte zu Dumpingpreisen zu verkaufen, könnten ihre Erntekredite nicht bedienen und stünden vor dem Ruin.

Chega! Ein Dorf wehrt sich/Vimeo.

Dabei ist es nicht die Schuld der Biobauern, dass Endosulfan in ihrer Biosoja gefunden wurde. Das Pestizid, das als krebserregend, erbgutverändernd und fortpflanzungsstörend gilt, wird auf den benachbarten Äckern von konventionellen Bauern benutzt. Jedoch bleibt es nicht dort: rund 70 Prozent davon verdunstet innerhalb von zwei Tagen und wird vom Regen im gesamten Gebiet verteilt. Mit einer Halbwertszeit von mehreren Wochen, gelangt das Endosulfan auch auf die Felder und in die Ernte der Biobauern, die nun wahrscheinlich nicht mehr als Bioprodukt verkauft werden kann.

Dies ist eine Problematik, mit der viele Biobauern zu kämpfen haben. Es liegt meist an ihnen, Schutzhecken gegen Pestizide auf ihren ohnehin schon kleinen Anbauflächen zu erstellen. Auch müssen die geliehenen Mähdrescher mit einem Teil der Ernte zunächst gereinigt werden (der dann als konventionell verkauft werden muss) um Kontamination mit genmanipuliertem Soja zu verhindern. Nicht die Verursacher zahlen für die Umweltverschmutzung, sondern die Betroffenen. In der Region Capanema wurden im vergangenen Jahr insgesamt 5.500 Kilo Endosulfan benutzt – doppelt so viel wie im Vorjahr. Davon verdunsteten mehr als 3.800 Kilo und landeten nicht nur im Biosoja, sondern auch in den Flüssen und im Trinkwasser der Region.

 

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Stand: 24.09.2010 von

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  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 24.09.2010 um 15:29
    siehe dazu auch meinen Blog " Ein Dorf wehrt sich"
    Wer dort noch nicht unterschrieben hat, bitte hier mitmachen!
    grüne Grüße Gabi
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