Unter Biodiversität versteht man nämlich nicht nur die Vielfalt der Lebewesen der Erde, sondern auch die Vielfalt an genetischen Informationen innerhalb der einzelnen Arten sowie die Vielfalt der Ökosysteme auf der Welt, also die verschiedenen Lebensräume, die diese Lebewesen beherbergen – vom Regenwald zur Trockensavanne. Diese drei miteinander verbundenen Ebenen nennt die Konvention über biologische Vielfalt (CBD), die beim UN-Umwelt-Gipfel 1992 in Rio unterzeichnet wurde.
Dieses Abkommen zum Schutz der biologischen Vielfalt ist mehr als eine Artenschutz-Konvention. Es strebt nicht nur die Rettung bedrohter Tiere und Pflanzen an, sondern die Bewahrung ganzer Lebensräume. Und dieses Ziel soll durch eine nachhaltige Nutzung der Natur und die gerechte Aufteilung der Vorteile der genetischen Ressourcen erreicht werden. Schließlich bedeutet die Artenvielfalt auch grünes Kapital, über das vor allem tropische Entwicklungsländer verfügen. Die Erbinformationen von Pflanzen und Tieren enthalten beispielsweise Wirkstoffe, die in der Medizin helfen können. Deshalb soll die Erhaltung der Artenfülle über einen marktwirtschaftlichen Ausgleich zwischen dem Nutzendem, etwa der Pharma-Industrie, und dem Erhaltendem, also den Staaten, die über eine hohe Artenvielfalt verfügen, gewährleistet werden. Wie dieser Ausgleich aussehen kann, darüber diskutieren die 190 Vertragsstaaten der CBD alle zwei Jahre auf Konferenzen, wie jetzt vom 19. bis 30. Mai 2008 in Bonn.
Dieser innovative Ansatz zum Schutz der biologischen Vielfalt muss sich erst bewähren. Bis 2010, so beschloss man 2002, soll der rapide Artenschwund signifikant gesenkt werden. Das bleibt leider Zukunftsmusik. Wie groß der Schwund ist, weiß man nicht genau. Gegenwärtig sind auf der Erde etwa 1,75 Millionen Spezies erfasst, davon 400.000 Pflanzen, 5500 Säugetiere, 9800 Vögel, eine Million Insekten. Die große Mehrheit aber ist noch unerforscht. Der amerikanische Evolutionsbiologe Edward O. Wilson, der maßgeblich zu der Verbreitung des Begriffs Biodiversität beitrug, schätzt, dass etwa 70 Arten pro Tag verschwinden. Die G8-Umweltminister gehen von 150 Arten täglich aus. Die rote Liste der Internationalen Naturschutzunion IUCN nennt insgesamt 16.000 bedrohte Arten.
Trotzdem macht der schleichende Verlust der biologischen Vielfalt kaum Schlagzeilen. Um das zu ändern, betonen Experten zunehmend den engen Zusammenhang der Biodiversität mit dem viel intensiver diskutierten Klimawandel. Erwärmt sich die Erde, verändert sich der Lebensraum der Arten. Längst nicht alle Lebewesen können sich anpassen. Umgekehrt speichern Urwälder und Moore auf natürliche Weise das Klimagas CO2. Rodet man also Wälder und trocknet Moore, steigt unweigerlich auch die Temperatur auf der Erde. So ist Naturschutz auch immer Klimaschutz.
Links zum Thema Biodiversität:
Biologische Vielfalt - Die 9. Vertragsstaatenkonfrenz 2008
www.biodiv-chm.de
www.bmu.de
www.iucn.org
www.twentyten.net
www.cbd.int


Kommentare (0)
abonnieren