Der (Bio-)Markt in Therapie (1)

„Bio-Bashing“ als Weltanschauung


Das immer wieder aufkommende „Bio-Bashing“ – die verunglimpfende, polemische Kritik an nachhaltigen Lebensweisen – wagt sich weit vor mit bloßen Meinungen und Verallgemeinerungen. Dabei fehlen oft nicht nur die notwendigen profunden Kenntnisse, sondern meist ein differenzierter Reflektionswille. Worin mögen die tieferen Gründe für solche Angriffe liegen? Was sagen solche Angriffe über die Angreifer und über die Debattenkultur aus? Und wie können wir eine fruchtbarere Debattenkultur erreichen, in der Konflikte sachlich ausgetragen werden?

Die Diskussion um das Für und Wider von „Natur-“ oder „Bio-“ ist von der meist unbewussten Weltanschauung des Einzelnen stark beeinflusst. Das macht eine sachliche Auseinandersetzung unnötig kompliziert. Charakteristisch ist, dass sich Vertreter des vermeintlichen Mainstreams selbst häufig als „ohne Weltanschauung“ urteilend sehen. Die von ihnen Kritisierten hingegen kategorisieren sie gern als „durch weltanschauliche Bindungen beschränkt“ .

Weltanschauungen

Dabei ist unser heutiges Verhältnis zur Natur grundsätzlich weltanschauungsgeprägt – auch wenn es Vielen nicht bewusst ist. Das gilt im Übrigen für alle Beteiligten, auch diejenigen, die sich explizit auf das etablierte naturwissenschaftliche Verständnis berufen. Da mit dem Begriff der „Weltanschauung“ bereits so viel involviert ist, das erst genauer untersucht werden müsste, sei, um pragmatisch die Verständigung zu vereinfachen, folgende Übersetzung vorgeschlagen: Eine Weltanschauung ist die Perspektive, aus der die Welt betrachtet und unter Zuzug von eigenen Überzeugungen wahrgenommen sowie interpretiert wird.



Damit ist offensichtlich, dass jeder, der die Welt sieht, dies natürlich von (s)einem Standpunkt aus vornimmt. Dieser Standpunkt hat seine individuellen und kulturellen Voraussetzungen, die jeder selbst (er-)kennen muss. Erst auf der Basis der Erkenntnis der eigenen Perspektive kann diese mit den Perspektiven der anderen in ein Verhältnis gesetzt werden. Ohne diese Reflexion wäre jegliche Diskussion letztlich bloß konfrontativ anstatt verständig.

„Bio-Bashing“– Ausdruck mangelnder Erkenntnis

Diese Rahmenbedingung hat Konsequenzen für die Beurteilung der Debatte um „biologische“ Produkte: Es ist Ausdruck mangelnder Erkenntnis der eigenen Weltanschauung, wenn einseitig nur denjenigen, die sich für möglichst natürlich belassene Produkte engagieren, eine Weltanschauung nachgesagt wird. Und darüber hinaus das auch noch als grundlegende Schwäche bewertet wird. Da alle Beteiligten weltanschauliche Elemente in die eigenen Urteileeinfließen lassen, macht dies deutlich, dass neben der expliziten Sachinformation genauso die implizite Bewertungsgrundlage reflektiert werden muss.

>> Weiterlesen: nächste Seite!


Urs Pohlmann

Dr. Urs Pohlman studierte Medizin und Philosophie in Deutschland, Frankreich und Großbritannien. Wäre er nicht Arzt geworden, wäre Bauer sein zweitliebster Beruf. Da er medizinisch viel mit der Verarbeitung von Sinnesreizen zu tun hatte, erkannte er aus dieser Perspektive die Notwendigkeit guter Hautpflege. Seine Freude an natürlicher Ästhetik und seine Begeisterung für Perfektion führten und begleiteten ihn durch mehrere Jahre der Produktentwicklung. Seit Herbst 2009 sind die Früchte dieser Arbeit in Form wirksamer, stilvoller Kosmetikprodukte unter der Marke "ananné" auf dem Markt. Als Gründer der Firma achtet er auf konsequente Nachhaltigkeit: Produkte, Prozesse, Materialien und Mitarbeiter sind auf respektvollen Umgang mit der Natur und dem sozialen Umfeld ausgerichtet.ananne

Seite 1 / 2
von


Kommentare (148)   abonnieren

alle Kommentare (148)
  • Bedenklichen Inhalt melden
    inaktiver User 20486
    schrieb am 04.10.2010 um 13:03
    Der Mensch denkt, und Gott lenkt. Was sich durchsetzen wird, wird nicht von Herrn Höllenweg bestimmt. Dass sich das Geldsystem in der jetztigen Form selbst ad absurdum geführt hat, ist halt manchen noch nicht klar. Sei´s drum. Dass immer mehr Menschen drauf kommen, dass die Natur sie...
  • Bedenklichen Inhalt melden
    bhellweg
    schrieb am 04.10.2010 um 11:51
    beide Bücher gehen voll am Thema vorbei, die sprechen vielleicht Luxusprobleme von besserverdienenden in Industriestaaten an. Wenn es um Welternährung geht, heisst das, für 6,5 Mrd. Menschen Nahrungsmittel für einen Preis bereitzustellen den sie auch bezahlen können. Teuer nützt gar nichts, die...
alle Kommentare (148)

Kommentar schreiben

Lob, Kritik, Ergänzungen? Teilen Sie Ihre Meinung mit der Utopia-Community. Seien Sie dabei bitte konstruktiv und hilfreich.
(5000/5000)

Mehr zu Der (Bio-)Markt in Therapie