Von Manfred Kriener, ZEO2
Der bayerische Imker Karl-Heinz Bablok aus Kaisheim hat Geschichte geschrieben. Das Verwaltungsgericht Augsburg hat im vergangenen Sommer seinen mit Gentech-Blu?tenpollen aus Monsanto-Mais verseuchten Honig als “nicht verkehrsfähig“ deklariert. Die gesamte Jahresernte von 342 Kilo Honig und 120 Litern Honigwein verwandelte sich per Richterspruch in Sondermüll, der Ende September in der Mu?llverbrennungsanlage Augsburg schadlos beseitigt wurde. Bablok hatte geklagt, weil er die Verunreinigung seines Honigs durch den Genmais “Mon 810“ nicht länger hinnehmen will. 1.500 Meter von seinen Bienenstöcken entfernt, hat der Freistaat Bayern ein Versuchsfeld mit dem manipulierten Getreide angelegt. Das ist in Deutschland nur als Futtermittel, aber nicht für menschlichen Verzehr zugelassen. Bei etwaigen Verstössen drohen Geldstrafen, schlimmstenfalls bis zu drei Jahre Gefängnis.

Foto: 1100 Quelle: photocase.com
Statt des erhofften Schutzes vor dem Gen-Acker erhielt Bablok nur die richterliche Bestätigung, dass sein Honig entsorgt werden muss und er seine Bienen doch bitteschön woanders fliegen lassen soll. Ein Feld könne schließlich nicht umziehen, befand das Augsburger Gericht, die Biene dagegen schon. Dass Babloks großes Bienenhaus nicht auf Rädern steht, sondern seit vielen Jahren fest gebaut an derselben Stelle, ließ das Gericht unbeeindruckt. Dafür wurde der Imker ermuntert, etwaige Schadensersatzanspru?che durch den erzwungenen Umzug seiner Bienen zivilrechtlich einzuklagen.
Seit dem Urteil laufen Verbraucher- und Naturschu?tzer, Imker und Gentechnikgegner Sturm. Das Scheitern der von der Bundesregierung angestrebten Koexistenz zwischen Gentech- und Normal-Landwirtschaft ist offensichtlich. Auf dem Spiel steht aber sehr viel mehr: “Es geht um das Recht auf gentechnikfreie Nahrungsmittel“, so die gru?ne Landwirtschaftsexpertin Ulrike Höfken. Wie gravierend das Problem inzwischen ist, zeigt der Befund der Zeitschrift “Ökotest“. Unter 24 deutschen Honigmarken, deren Rohstoffe oft aus Südamerika und Osteuropa importiert werden, stießen die Prüfer des Magazins in elf Proben auf Spuren von Gentechpollen. In einem Fall war auch ein Biohonig betroffen. Mit der Verunreinigung ihres Naturprodukts zählen die Imker zu den ersten Verlierern in der Auseinandersetzung mit der grünen Gentechnik.
In Deutschland gibt es noch 82.000 Hobby- und Profiimker, die in 700.000 Völkern die offiziell als “Haustier“ geltende Biene halten. Die ist bekanntlich fleißig und macht beim Sammelgeschäft auch um Versuchsfelder keinen Bogen, wo sie gerne mal bei manipulierten Pflanzen nascht. Die Crux: Ein einziges Volk beweidet theoretisch eine Fläche von der Größe der Stadt Köln. Bienen fliegen beim Sammeln bis zu zehn Kilometer weit in eine Richtung. In Bayern kann Imker Bablok noch vor der Gentechnik ausweichen, sofern er ständige Autofahrten zu seinen umgesiedelten Bienenstöcken in Kauf nimmt. In anderen Regionen, wie etwa in Brandenburg, ist der Anbau genveränderter Pflanzen dagegen so weit verbreitet, dass sichere und dennoch blütenreiche Standorte gar nicht so leicht zu finden sind. ...
Der Artikel ist bei unserem Medienpartner "ZEO2" in Heft 02/2009 erschienen.



Kommentare (0)
abonnieren