Utopia: Was macht das Öko-Institut besser als andere Institute?
Rainer Grießhammer: Das Öko-Institut hat wohl deshalb einen so guten Stand, weil wir praxisorientiert und interdisziplinär arbeiten. In unseren Projekt-Teams arbeiten typischerweise Ingenieure, Sozialwissenschaftler und Ökonomen miteinander. Außerdem haben wir eine große Erfahrung mit allen gesellschaftlichen Akteuren. Wir haben viele Projekte mit und für die Politik gemacht, mit und für Unternehmen, Verbrauchern, Gewerkschaften und anderen Umweltorganisation, der OECD, der UNEP.
Sie sind Preisträger der Bundesumweltstiftung. Was machen Sie persönlich besser als andere?
R.G.: Mit dem Preis wurde ja auch das Öko-Institut mit ausgezeichnet und das ist sicher großer Teil meines Erfolgs, dass ich in einem außerordentlich guten Institut arbeite. Zu mir würde ich hervorheben, dass ich Themen sehr frühzeitig erkenne und strukturiere und auch die notwendigen Verbesserungen sehr hartnäckig und auch über mehrere Jahre verfolge. Wie zum Beispiel unsere Produktnachhaltigkeitsanalyse PROSA, hier hat es fast 15 Jahre gedauert, bis die Gesellschaft bereit war, solche Methoden anzuwenden. Und als Bestseller-Autor kann ich offensichtlich gut schreiben und die Leser und Verbraucher motivieren. Wobei für mich immer die Messlatte war, dass ich nur das empfehle, was ich selbst ausprobiert habe und selbst mache.
Unsere Leser haben das Öko-Institut nach Fukushima sicherlich sehr intensiv wahrgenommen, weil Sie ständig in allen Nachrichtensendungen waren. Aber was macht das Öko-Institut eigentlich den Rest des Jahres?
R.G.: Wir arbeiten auf verschiedenen Gebieten: Energie, Klimaschutz, Produktbewertungen, Mobilität, Unternehmensbewertungen und auch Umweltrecht. Wir beraten Bundesministerien, beispielsweise zur Energiewende, die EU-Komission beim Chemikaliengesetz REACH, zur Ressourceneffizienz oder zur Öko-Designrichtlinie und zur Wirkung der CSR-Berichterstattung von Unternehmen. Wir beraten Unternehmensverbände und Unternehmen, zum Beispiel bei Produktentwicklungen, Produktbewertungen und Strategieberatung und entwickeln neue Mobilitätskonzepte. Wir machen die Umweltkonzepte zu großen Sportveranstaltungen wie etwa der Frauen-WM in diesem Jahr oder der Männer-Weltmeisterschaft in 2006. Wir entwerfen Zukunftsszenarien, wie etwa zusammen mit Prognos das Szenario „Modell Deutschland 2050“. Unser Ansatz war, vom Ziel aus zu denken. Wir haben nicht gefragt „Wie viel CO2 sind wir bereit zu sparen?“, sondern „Wie können wir die 95 Prozent CO2 sparen, die wir bis 2050 reduzieren müssen?“. Generell haben wir einen großen Fokus auf konkrete Anwendungen und Umsetzungen in Gesetzen.
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Sie versuchen Verbraucher über Lebenszykluskosten von Geräten aufzuklären. Wie hilfreich ist das EU-Energieeffizienzlabel bei einer Kaufentscheidung, die jemand nach diesen Kriterien treffen möchte?
R.G.: Das Energieeffizienzlabel gibt eigentlich eine gute Auskunft über den Energieverbrauch von Geräten. Durch die letzte und missglückte Novellierung ist es aber leider schwierig geworden, zu verstehen welches die besten Geräte sind. Weil die besten Geräte für unterschiedliche Produktgruppen unterschiedlich gekennzeichnet sind. Bei einigen Produktgruppen geht die Skala bis A+++ bei anderen nur bis A. Das verleitet zu Fehlschlüssen. Der beste Wäschetrockner beispielsweise liegt in Effizienzklasse A, man könnte nun annehmen, dass dann ein mit A ausgezeichneter Kühlschrank auch sehr gut ist. Aber der ist heute nur noch viertklassig und ein Energieverschwender. Was Verbraucher beim Effizienzlabel auch nicht ablesen können, sind die Betriebskosten. Beim Betrieb von Geräten können auf die Dauer zwei bis dreimal so hohe Stromkosten entstehen wie der ursprüngliche Kaufpreis. Da lohnt es sich wirklich auf die Gesamtkosten, also Preis und Betriebskosten der Geräte zu achten.
Wie kann ich mir denn eine Information über Betriebskosten besorgen?
R.G.: Im Handel werden Betriebskosten bisher nicht gekennzeichnet. Am besten geht man auf die Website Ecotopten.de des Ökoinstituts – da sind die Kaufpreise und die Lebenszykluskosten ausgewiesen. Dort sieht man, dass es sich durchaus lohnt, besonders energieeffiziente Geräte zu kaufen. Gerade deshalb ist es eine Forderung von uns, dass der Handel die Betriebskosten von Geräten ausweist, sodass man direkt in der Kaufsituation den Vergleich hat.


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Kommentare (2)
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"Die Geräte sind wahrscheinlich deutlich teurer als andere Geräte. Ist nachhaltiger Konsum damit eine Frage des Geldbeutels?
R.G.: Nein, auf keinen Fall. Bei den Elektrogeräten ist es ganz einfach so, das kann man auf Cent und Euro nachrechnen, dass die Mehrkosten beim Kauf von besonders energieeffizienten Geräten durch die niedrigen Betriebskosten ausgeglichen werden. Und wenn man kleinere, energiesparende Autos kauft, spart man deutlich mehr Geld. Wenn man gar auf ein eigenes Auto verzichtet, öffentliche Verkehrsmittel oder Carsharing nutzt, dann lebt man nochmals deutlich billiger. Wenn man Gebäude gut dämmt oder sonstige Energiesparmaßnahmen anwendet, kommt man auf die gleichen oder sogar geringeren Gesamtkosten. Der einzige Bereich, der tatsächlich Mehrkosten verursacht, sind Bio-Lebensmittel. Wenn man konsequent Bio-Lebensmittel kauft, dann sind die Kosten für die Lebensmittel das im Schnitt um etwa 20 Prozent höher. Aber die Mehrkosten bei Bio-Lebensmitteln kann man durch verschiedene Energiesparmaßnahmen wieder wettmachen, sodass sie jeder Durchschnittshaushalt tragen kann. Also summa summarum: ein Haushalt der sich wirklich ökologisch nachhaltig verhält, hat keine Mehrkosten. Das kann also jeder Haushalt tun." mehr weniger