Die Bessermacher (4) Alnatura-Gründer Götz Rehn

Der Mensch ist nicht Konsument, er ist Schöpfer


Ich bin seit langem mit Götz Rehn zum Interview verabredet und trotzdem finden wir kein Konferenzzimmer. Der Satz, der sich durch den Tag zieht, lautet “Entschuldigen Sie, aber wir platzen aus allen Nähten.” Tatsächlich ist das Bürogebäude in einer Weise schon wieder an seine Grenzen gekommen, dass es einem modernen Wirtschaftsmärchen gleicht. Und mitten in all dem Trubel kommt er: Der Mann, der so gerne alles anders und so häufig vieles besser macht und nimmt sich Zeit.

Alnatura: die Verwirklichung eines Ideals

Utopia: Sie sind mit Alnatura einen bemerkenswerten Weg gegangen. Was machen Sie besser als alle anderen?

Götz Rehn: Ich habe es zumindest anders gemacht als viele andere.  Bevor ich überhaupt wusste, dass ich ein Handelsunternehmen – geschweige denn Läden, in denen Bio-Lebensmittel verkauft werden – gründen wollte, habe ich mich mit grundsätzlichen Themen auseinandergesetzt: mit Fragen der Sinnfindung, der Unternehmensphilosophie, mit Führungsfragen, mit der sozialorganischen Gestaltung von Unternehmen. Mein Weg ging also nicht von einer konkreten Unternehmensidee, sondern von einem Ideal in die Verwirklichung über. Viele Leute haben mir immer wieder gesagt, dass es unmöglich sei, diesen Anspruch zu realisieren. Das sei reine Sozialromantik und wirtschaftlich nicht machbar. Meine Erfahrung sagt mir aber heute, es geht.

Was war Ihr größtes Hindernis bei der Verwirklichung von Alnatura?

Götz Rehn: Bei der Finanzierung des ersten Ladens gab es auch die erste Krise. Meine damalige Bank wollte mir den nötigen Kredit nicht gewähren, weil sie der Meinung war, dass so ein Bio-Markt sicher nicht funktionieren würde.

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Die 4. Dimension der Nachhaltigkeit


Die Bank fühlt sich inzwischen vermutlich eines Besseren belehrt. Sie haben neulich in einem beeindruckenden Vortrag über die 4. Dimension der Nachhaltigkeit gesprochen. Was meinen Sie damit?

Götz Rehn: Die Standardauffassung von Nachhaltigkeit beinhaltet ja die ökologische, ökonomische und soziale Dimension. Wir müssen erstens dafür sorgen, dass die Wirtschaft auf einem guten Niveau weiterläuft, zweitens mit den natürlichen Ressourcen so umgehen, dass wir in Zukunft noch etwas von ihnen haben und drittens die Menschen so behandeln, dass dies als fair bezeichnet  werden kann. Ich denke, dass diese 3 Dimensionen allein  nicht ausreichen, um die Situation, in der wir uns gerade befinden, tatsächlich zu lösen. Wirtschaft wird hier als eine große Maschine gedacht, die Gewinn liefern soll und der Mensch ist dabei nur dazu da, um der Wirtschaft zu dienen. Mir fehlt darin die geistig-kulturelle Perspektive, die unserem Handeln einen Sinn gibt: Der Mensch ist eine geistige Individualität, die sich weiterentwickeln kann: Unser Denken bestimmt unser Handeln, das heißt, ein ganzheitliches nachhaltiges Denken ermöglicht es uns, die Welt nachhaltig zu gestalten. Diese geistige Sinnbestimmung ist die 4. Dimension der Nachhaltigkeit.
 


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    bestchoice
    schrieb am 29.10.2011 um 16:50
    ...ja, dann geh ich mal wählen
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    greenwocky
    schrieb am 29.10.2011 um 15:58
    @laurence @uwe Hört hört!!
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