Wer kann Umweltminister?
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besser: wissen - machen - kaufen
In der ZDF-Talkshow von Maybrit Illner am 15. Januar 2009 ging es um das wunderbare zweite Konjunkturpaket, das die Bundesregierung zur Abdämpfung der Folgen der Finanz- und Wirtschaftskrise aufgelegt hat. Das, trotz eines Volumens von 50 Milliarden Euro, den Klimaschutz nur insoweit berücksichtigt, als es das absonderliche Instrument einer Zerstörungsprämie für Wirtschaftsgüter und ein bisschen Gebäudesanierung vorsieht. Zu den Gästen der Sendung zählte die 19-jährige Abiturientin Anna Holzamer (im Foto ganz links), die gerade ein freiwilliges ökologisches Jahr beim BUNDjugend absolviert und von der Moderatorin gefragt wurde, was sie vom Konjunkturpaket halte. Anna hielt sich nicht lange mit Details auf, sondern konstatierte nüchtern und zutreffend, dass das nichts für die Zukunft sei, sondern lediglich die Fortschreibung eines schlechten Status quo. Und dann richtete sie eine Frage an die anwesenden Politikerinnen und Politiker: Wie die denn eigentlich gedächten, sich ihrer Generation gegenüber zu rechtfertigen? 
Natürlich hat ihr niemand geantwortet, wahrscheinlich, weil keiner der Anwesenden ihre Frage auch nur verstanden hatte. Anna hatte ja auch nichts Geringeres als das fundamentale Problem angesprochen, dass zugunsten der Finanzkrise das Klimathema erstmal vertagt wird, oder anders gesagt, dass Arbeitsplätze in gestrigen Industrien wichtiger sind als Überlebensmöglichkeiten in der Zukunft. Damit wurde klar: Politik kann Zukunft nur noch als Verlängerung der Gegenwart denken, und damit wird sie automatisch unverantwortlich. Sie nimmt faule Kredite auf: bei der Umwelt genauso wie bei der Staatsverschuldung. Und Annas Generation hat diese Zeche zu bezahlen, was sie aber wahrscheinlich nicht kann, weil eine Welt mit drei oder vier Grad plus eine andere ist als die Welt von heute.
Annas Frage war daher punktgenau und lag deshalb in einem für Politikerohren unhörbaren Frequenzbereich: Denn durch die gigantische Neuverschuldung, die unter anderem aus diesem Konjunkturpaket für das Haushaltsjahr 2009 resultiert, wächst der Schuldenberg der Bundesrepublik auf sagenhafte 1600 Milliarden Euro, ohne dass auch nur die flüchtigste Idee existiert, wie diese Summe jemals abzutragen wäre. Oder wie den aus ihr folgenden Beschränkungen künftiger Handlungsmöglichkeiten gegenzusteuern wäre. Mit unverhohlenem Sadismus wurde dann ein paar Tage später gleich noch das Instrument einer Schuldenbremse nachgelegt – zu betätigen ab dem Jahr 2020! Und diese bedenkenlose Schuldenpolitik wird nicht einmal gemacht, um den dringend erforderlichen nachhaltigen Umbau der Industriegesellschaft finanzieren zu können, sondern lediglich, um genau den Betrieb aufrechtzuerhalten, der die Probleme erzeugt hat, vor denen wir jetzt stehen. Daher Annas Bitte um Rechtfertigung: Wahrscheinlich hat es niemals eine Phase in der Geschichte moderner Gesellschaften gegeben, in der der Generationenvertrag so kaltschnäuzig gebrochen wurde wie in der Gegenwart.
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Berichte aus der Wirklichkeit (2): Ist unser System überhaupt relevant?
Harald Welzer, 50, ist Direktor des Center for Interdisciplinary Memory Research am Kulturwissenschaftlichen Institut in Essen und Forschungsprofessor für Sozialpsychologie an der Universität Witten/Herdecke. Er ist Autor für den "Spiegel" und die "Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung" (FAS). 2008 veröffentlichte er zudem das Buch "Klimakriege: Wofür im 21. Jahrhundert getötet wird" (s. Fischer Verlag). Unter dem folgenden Link können Sie's direkt beziehen:
Illustration: istockphoto/dgap/ Fotos von Albrecht, ZDF, Anna Holzamer
Gruppenfoto Mitte aus der Sendung Maybrit Illner: ZDF-Bilderdienst/Jule Roehr. Zu sehen sind: Anna Holzamer, Juergen Ruettgers, Kathrin Moosdorf, Gregor Gysi, Andrea Nahles, Maybrit Illner, Cem Oezdemir, Dirk Niebel, Larissa Laternser (v.l.n.r.).
Kommentare (6)
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GrossSchneck
schrieb am 15.11.2011 um 18:37 ¶Kim Anda
schrieb am 25.03.2009 um 15:27 ¶Kommentar schreiben
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