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besser: wissen - machen - kaufen
Das Jahr 2008 war überraschend für uns, so möchte man glauben – oder uns glauben machen. Kaum jemand hatte anscheinend mit ernsten Auswirkungen der Diskussionen um den Klimawandel oder mit einer Ölpreisexplosion gerechnet. Niemand eine Finanzkrise, Autoflaute oder gar Rezession erwartet – schon gar nicht in diesem Ausmaß.
Mit gesundem Menschenverstand und dem Studium weniger Rahmenbedingungen hätte das sehr wohl vorhergesagt werden können, was passieren würde. Zwar haben wir gelernt, dass im Zeitalter der Globalisierung und der medialen Vernetzung alles mit allem zusammenhängt, aber der Mensch weigert sich hartnäckig, daraus die notwendigen Konsequenzen zu ziehen.
Mobilität beginnt also im Kopf, gleichwohl fällt uns geistige Beweglichkeit schwer. Wir haben uns vom „Homo mobilis“, dem sich bewegenden Menschen, zum „Homo transportandum“, dem zu bewegenden Menschen entwickelt. Wir sind ein Transportgut geworden, das zunehmend zum Transportproblem wird, wenn man sich den Verkehr in Ballungsräumen anschaut. Und wir weigern uns weiterhin, längst nicht mehr zu leugnende Rahmenbedingungen zu akzeptieren und konsequent Aktivitäten daraus abzuleiten. Die Politik, die Industrie, die Autohersteller, die Anderen, sie werden es schon richten. Und wir kriegen ja nun das Elektroauto und können alle emissionsfrei fahren. Also alles wie gehabt, nur künftig mit gutem Gewissen und mit Strom aus erneuerbaren Energiequellen. Wer solche Botschaften hört, sollte skeptisch sein, denn die Zukunft sieht anders aus!
Weltweit fahren über 700 Millionen Autos mit fossilen Brennstoffen. Bis 2020 soll diese Zahl auf eine Milliarde steigen. Man muss kein Prophet sein, um die Auswirkungen auf Benzinpreise und Umwelt zu prognostizieren. Die Wachstumsmärkte in China, Indien und Südostasien gieren nach Autos. Überall auf unserem Planeten wird das Auto als Symbol individueller Freiheit gesehen. Dies wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern. Denn niemand will darauf verzichten. In reichen Ländern wie Deutschland werden sich zwar etliche Menschen Elektroautos leisten können, manche sogar mit eigener Solargarage. Aber diese Autos sind noch auf längere Sicht zu teuer und zu wenig alltagstauglich. Gleichzeitig wächst hierzulande die Zahl derer, die knappe Budgets haben und die froh sein werden, überhaupt irgendein Auto zu besitzen. Sie hoffen längst darauf, dass Fahrzeuge wie der indische Tata Nano für 2500 Euro auch bei uns erhältlich sind. Verbrauch und Umweltverträglichkeit sind nachrangig.
Wir brauchen deshalb kostengünstige und sparsame Autos. Zwangsläufig müssen diese Autos klein und leicht sein, denn die Gesetze der Physik lassen sich nicht außer Kraft setzen. Werden die Autos aber mit weniger Material gebaut, sind sie schon einmal günstiger zu produzieren. Sind sie dann auf der Straße, brauchen sie weniger Energie, um von A nach B zu kommen. Sind diese Autos auch noch sicher und chic, ist ihr Erfolg programmiert. Hört sich einfach an, ist es im Prinzip auch. Man muss es „nur“ tun – und genau hier beginnt das Problem der etablierten Autoindustrien. Sie handeln wie einst die Reisenden auf der Titanic und ignorieren alle Zeichen. Wenn aber der Eisberg auftaucht, ist es kaum noch möglich, den Kurs zu ändern. Chrysler und General Motors sind längst auf Kollisionskurs, andere Kolosse wie Toyota oder VW können vielleicht noch den Untergang verhindern, wenn sie rasch und richtig handeln.
Aber danach sieht es derzeit nicht aus. Das Überangebot an Autos und die damit fallenden Renditen – Überkapazitäten bei nicht ausgelasteter Produktion und damit steigende Stückkosten – schränken den Handlungsspielraum der etablierten Hersteller ein. Statt einer radikalen Neuausrichtung ihrer Produkte und einer darauf zugeschnittenen Fertigung versuchen sie, bestehende Anlagen auszulasten und Details zu optimieren. Wer in teure Anlagen zum Pressen von Stahl, zum Schweißen und Lackieren investiert hat, tut sich schwer, etwa auf ein Auto aus Faserverbundstoffen mit moderner Klebetechnik umzustellen. So bleiben Innovationssprünge aus. Einen Mini mit Elektroantrieb auszurüsten, wie es BMW Ende vergangenen Jahres getan hat, ist zwar ein positiver Schritt. Ein intelligentes Elektroauto wird der Mini damit aber noch lange nicht. Denn er bleibt zu schwer und ist somit nicht zukunftstauglich. Die Last der Großen könnte zur Chance für kleine, junge, innovative Firmen werden. Sie können abseits verkrusteter Strukturen neue Technologien und Konzepte entwickeln.
Der Autor und sein Thema:
Gerhard Heilmaier, 1961 im bayrischen Erding geboren, ist seit über 20 Jahren in der Automobilindustrie tätig und Gründer der Loremo AG, deren Vorstand er von 2004 bis 2007 war. Seit 2008 widmet er sich einer auf Nachhaltigkeit ausgerichteten Fahrzeugarchitektur. Als Partner in der Schweizer Future Mobility Investments AG arbeitet er derzeit daran, ein Automobil-Netzwerk aus hoch innovativen Technologieunternehmen aufzubauen.
Kommentare (7)
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gokui
schrieb am 02.04.2010 um 22:33 ¶gimli09
schrieb am 25.10.2009 um 12:39 ¶Kommentar schreiben
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