Biofach 2012 – Lebensbaum
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Utopia: Herr zu Löwenstein, Sie beteiligen sich als tragende Persönlichkeit bei Vielfalt erleben. Was hat Sie zu Ihrem Einsatz bewegt?
Felix Prinz zu Löwenstein: An der Aktion beteiligt sich ein breites Bündnis gegen den Einsatz von Agro-Gentechnik. Unser Anliegen drängt: In der EU warten 28 Gentech-Pflanzen auf eine Zulassung zum Anbau. Drei davon ganz unmittelbar. Mit der Petition fordern wir einen Zulassungsstopp. Dieser kann verhindern, dass weitere Pflanzen auf den Acker kommen. Und mir als Öko-Landwirt würde ein Gentech-Anbau – wie auch allen anderen Vertretern meiner Zunft – auch persönlich schaden. Die wirtschaftliche Betroffenheit der Biobrache ist hoch, denn sie ist verpflichtet, gentechnikfrei zu produzieren. Das fordert das Gesetz, das ergibt sich aus unserem Verständnis vom Umgang mit der Natur und das wollen fast drei Viertel aller deutschen Verbraucher.
Utopia: Was erhoffen Sie sich von der Petition?
F. P. z. L.: Die Bundesregierung muss sich auf EU-Ebene für ein Zulassungsverbot von gentechnisch veränderten Pflanzen stark machen und darf sich nicht aus ihrer Verantwortung stehlen. Erreichen wir die 50.000 Unterzeichner, können wir diese Forderungen in einer öffentlichen Sitzung des Petitionsausschusses vortragen und das Thema dort diskutieren. Deutschland als gewichtiger Mitgliedsstaat muss in Brüssel Flagge gegen die Agro-Gentechnik zeigen und die Interessen der Bevölkerung demokratisch vertreten. Die große Beteiligung an der Petition kann dabei die Diskussion verstärken, die innerhalb der Bevölkerung sowieso angeregt stattfindet.
Utopia: Gentechnik in der Landwirtschaft wird in Europa noch nicht in dem Maße genutzt wie in den USA. Welches Gewicht haben diese Verfahren auf dem aktuellen Lebensmittelmarkt?
F. P. z. L.: Grundsätzlich gilt: Je stärker ein Produkt vorproduziert ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, dass es während der Verarbeitungsproszesses mit Gentechnik in Berührung gekommen ist. Das betrifft zum Beispiel die Verwendung von Enzymen oder Vitaminen. Auf der sicheren Seite befindet sich der Verbraucher beim Kauf ökologisch produzierter Lebensmittel, die gentechnikfrei produziert werden müssen. Oder solche, die mit dem Label "ohne Gentechnik" versehen sind. Auch frische, unverarbeitete Produkte können bedenkenlos verzehrt werden - denn bisher dürfen in Europa nur eine Maissorte und die Industriekartoffel Amflora der BASF auf die Äcker.
Enthält ein Produkt direkt gentechnisch veränderte Bestandteile, muss dies gekennzeichnet werden. Fakt ist jedoch, dass diese auf dem deutschen Markt keine Chance haben, weil der Verbraucher sie ablehnt. Eine größere Rolle spielt die Gentechnik im Tierfutter. Gentechnisch veränderte Soja landet in großem Maße in deutschen Futtertrögen. Auf dem Schnitzel, auf der Eier- oder Milchpackung muss das jedoch bisher nicht gekennzeichnet werden. Somit gelangen die Gentech-Pflanzen über den Umweg der Mägen unserer Nutztiere doch in die Mägen der Verbraucher.
Utopia: Europäische Länder sind in der Frage zum Einsatz von Gentechnologie gespalten. Sollte Deutschland frei vom Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen (GVO) werden, können Nachbarländer, wie beispielsweise die Niederlande, GVO-Pflanzen anbauen. Wie beurteilen Sie diese Situation?
F. P. z. L.: Natürlich steht außer Frage, dass ein weltweiter und sofortiger Anbaustopp von Gentech-Pflanzen das einzig Vernünftige wäre. Gelingt das nicht und kann man auch kein Anbaustopp für die EU erwirken, müssen die Nationalstaaten handeln und jede mögliche Kontamination mit GVO verhindern. Das ist einerseits Recht jedes Mitgliedsstaates und das Gebot der deutschen Regierung, wenn sie demokratisch im Sinne der Bevölkerung handeln möchte. Trotzdem bleibt das Instrument der regionalen Anbauverbote ein zweischneidiges Schwert: Zwar entscheidet jeder Staat selbst und kann die Genetchnik so vom heimischen Acker verbannen. Für die EU-Kommission, die über die Zulassung entscheidet, könnte das Grund genug sein, das Verfahren zu beschleunigen... Und das Szenario, dass ein Staat fleißig anbaut, der andere jedoch keine Gentechnik auf dem Acker zulässt, garantiert noch lange nicht, dass sich die Pflanzen unkontrolliert, ungewollt und - vor allem - unrückholbar ausbreiten.
Kommentare (6)
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Grasmuecke
schrieb am 14.04.2011 um 16:38 ¶Grasmuecke
schrieb am 14.04.2011 um 16:23 ¶Kommentar schreiben
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