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Auf dem Prüfstand

H&M: Hauchdünnes Bio-Programm

Bei Ökostrom spielt das Design keine Rolle, bei Ökomode schon: Auch wenn die Zeiten vorbei sind, in denen ökologisch hergestellte Kleidung eher Jutesäcken ähnelte, tun sich große Modeketten immer noch schwer, nachhaltig zu produzieren. An dem schwedischen Modelabel Hennes & Mauritz kommen Modebewusste schwerlich vorbei, wie aber nimmt das Unternehmen seine Verantwortung für Umwelt und Zulieferer wahr?


 

Von Volker Eidems 

Die erste H&M-Filiale eröffnete 1947 in Schweden. Doch erst mit dem Börsengang 1974 und der zwei Jahre später beginnenden weltweiten Expansion wurde das Unternehmen zum Global Player. So stieg der Gewinn nach Steuern in den vergangenen fünf Jahren um 139 Prozent, erwirtschaftet in über 1500 Filialen verteilt auf 28 Länder. Mit über zwei Milliarden Euro ist Deutschland der mit Abstand umsatzstärkste Markt, gefolgt von Großbritannien und Schweden mit rund 650 Millionen Euro. Neben einem treffsicheren Gespür für das Design, sind es vor allem die niedrigen Preise, die das Unternehmen attraktiv machen - der Ansatzpunkt für Kritiker, die nicht glauben, dass es nachhaltige Mode zu diesen Konditionen geben kann.

"Mode und Qualität zum besten Preis anbieten"
In den vergangenen Jahren sind die Verbraucher hellhöriger geworden, was Umweltbelastungen und Produktionsbedingungen angeht. Konsumenten wollen nicht nur keine Schadstoffe auf der Haut tragen, sondern auch keine Ausbeutung in Billiglohnländern oder Umweltschäden in Übersee verantworten. H&M hat darauf reagiert, zum einen mit dem Bekenntnis, mehr Biobaumwolle und Recyclingmaterialien einzusetzen. Zum anderen hat das Unternehmen eine eigene Chemikalienrestriktionsliste zusammengestellt, nach der sich Produzenten verpflichten müssen, diese Stoffe nicht zu verwenden. Zulieferbetriebe müssen außerdem den hauseigenen "Code of Conduct" unterzeichnen. Nach diesem Verhaltenskodex sollten ortsübliche Löhne "möglichst überstiegen" werden und Überstunden dürfen nur im gesetzlich erlaubten Rahmen anfallen. Unangemeldete Kontrollen von rund 70 H&M-Auditoren sollen sicherstellen, dass die Regeln eingehalten werden. Bei fortlaufenden Verstößen werde die Zusammenarbeit aufgekündigt, so H & M gegenüber Utopia.

Trotz Kodex: Der Druck bleibt
Im November vergangenen Jahres deckte die ARD-Sendung "Report Mainz" auf, dass die Mitarbeiter einer Zulieferfirma - in aller Regel Frauen - in Bangladesch nicht nur zum Teil die Nächte durcharbeiten müssen, sondern auch geschlagen und beschimpft wurden. Man habe nach dem Wechsel des Managements deutliche Anzeichen für Verbesserungen gesehen, dennoch sei die Fabrik mittlerweile durch den Eigentümer geschlossen worden, teilt Hendrik Alpen von H&M mit. Obwohl das sicher nicht die Lösung sei, die sich der Konzern gewünscht hätte.

Das Beispiel verdeutlicht ein Grundproblem: Als eine der weltweit umsatzstärksten Modeketten hat H & M großen Einfluss auf die Produktpreise. "Zwingt" der Konzern Zulieferer dazu, bessere Arbeitsbedingungen zu schaffen, ohne jedoch zugleich mehr für die Produkte zu zahlen, ist er nicht glaubwürdig. Denn woher sollen die höheren Löhne kommen, woher das Geld für weitere Arbeitskräfte?

"Die konsequente Umsetzung unseres Verhaltenskodex steigert die Effizienz, etwa in Bezug auf die Qualität", entgegnet Alpen, "eigene Produktionsstätten sind für H&M keine realistische Option." Eine Fair-Trade-Line sei derzeit nicht angedacht, er wolle dies für die Zukunft aber nicht ausschließen, so Alpe.: "Wir möchten soweit wie möglich Nischenprodukte verhindern und möglichst allen Lieferanten faire Bedingungen bieten." Solange H & M aber keine eigenen Produktionsstätten unterhält, in denen der Kodex angewendet wird, ist es leicht das Unmögliche zu fordern und auf die Verantwortung der Zulieferbetriebe zu verweisen. Der aktuellen Textil-Fibel 3 des "Greenpeace Magazins" zufolge, kostet ein fair gehandeltes und ökologisch produziertes T-Shirt fünfmal mehr als ein herkömmliches: 25 statt fünf Euro - soviel kostet bei H & M kaum ein T-Shirt.

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Thema: Grüne Mode, Stand: 13.05.2009 von

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  • gelöscht am 24.07.2014 um 15:21 von Utopia-Team
    Dieser Kommentar wurde gelöscht..
  • schrieb am 08.09.2011 um 19:46
    Also ich hab festgestellt dass H&M nicht nur billig ist, sondern die Sachen inzwischen auch schnell kaputt gehen. Seit ich mir mal vor einiger Zeit zwei T-shirts dort gekauft hab (hab ich früher öfter) und diese nach einmal tragen (beide!!) schon an den Nähten aufgegangen sind (früher hatte ich die T-Shirts lange und ohne irgendwelche Probleme) hatte ich sowieso keine Lust mehr dort einzukaufen...
    Leider produzieren aber wenige Läden in schönem Design und mit kleinen Größen. z.B. C&A erst ab S (36-38) bis XXL oder so. XS gibt es nicht. Find ich wirklich schade... mehr weniger
  • schrieb am 28.07.2010 um 23:57
    H&M sind in letzter Zeit öfter in der Süddeutschen Zeitung genannt worden, wenn es um Proteste in Bangladesch ging. Demonstierende Frauen seien von der Polizei ,,beruhigt" worden, als sie sich gegen ihren Hungerlohn von 19 Euro im Monat wehren wollten, der nicht einmal reicht, um die Familie zu ernähren.
    Solche niedrigen Löhne zwingen Familien zu illegaler Kinderarbeit trotz Gesetze.
    Anstatt den Lohn zu erhöhen, seien die Demonstrationsführer entlassen worden.

    Fazit: Ökobaumwolle hin oder her, H&M kann man sich im Moment nicht schönreden.

    Auch wenn es schwer ist, ich versuche mich gerade an einem H&M-Boykott. ;) mehr weniger
  • schrieb am 08.12.2009 um 18:43
    H&M wird niemals seine Kollektionen umstellen auf faire und nachhaltige Bekleidung,weil sich für die geforderten,günstigen VK-Preise ( der Haupterfolg des Unternehmens) solche Ware nicht herstellen läßt.
    Somit bewegt sich auch H&M mit seiner Pseudo-Bio-Kampagne zwischen den Stühlen und setzt hierbei auf den schlecht informierten Verbraucher. mehr weniger
  • schrieb am 03.12.2009 um 22:17
    Hier eine interessante Onlinebefragung indirekt zu dem Thema

    http://www.kaifragt.de/limesurvey/index.php?sid=91473

    Bitte Mitmachen, Danke!!
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