Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
ARD-Reportage "Wie billig kann Bio sein?"

„Bio-Betrug“ – Bleiben Sie unkonventionell!

Wer sein Geld in billige Bio-Lebensmittel aus dem Supermarkt investiert, wird für dumm verkauft. Zu diesem Fazit verleitet die ARD-Reportage „Wie billig kann Bio sein?“. Utopia erklärt, warum Sie sich davon nicht verunsichern lassen sollten.


Montag Abend – mal wieder Zeit auf Bio einzuhauen. Die ARD hat ihr zur Gewohnheit werdendes Bio-Bashing mit der Sendung „Wie billig kann Bio sein?“ fortgesetzt. Menschen, die im Supermarkt  guten Gewissens lieber Bio kaufen, stehen nach der Sendung verunsichert und vor allem für dumm verkauft da.  Bilder von leidenden Tieren, mit Bakterien infiziertes Gemüse, irrsinnige Kartoffelimporte aus Afrika – das alles gibt es jetzt anscheinend auch in Bio. Und genau das alles wollte man doch mit dem Kauf von Bio-Lebensmitteln nicht mehr unterstützen. Auf der Utopia Facebook-Seite hört sich die Verunsicherung einer Verbraucherin so an: „Ich habs gesehen und bin schockiert, kaufe bald gar nix mehr ... es ist zum kotzen“.

Schockierende Bilder: Jedes leidende Tier ist eines zu viel

Die meiste Verunsicherung haben Bilder gestiftet, mit denen üblicherweise Tierschutzorganisationen auf die Missstände in konventionellen Massentierhaltungsbetrieben aufmerksam machen wollen: Schweine in dunklen, winzigen Verschlägen, viele fast leblos, einige mit offensichtlichen Verletzungen. Genauso federlose Hühner, die eng zusammengepfercht nur einem Zweck dienen: so viele Eier legen wie möglich. Die Bilder selbst können und wollen wir nicht entkräften. Auch wenn sie von einzelnen Bio-Höfen stammen, sind es schon zu viele leidende Tiere.

Bio-Siegel steht für bessere Haltungsbedingungen, nicht für eine heile Welt

Die Zustände in den gezeigten Ställen entsprechen allerdings nicht den Haltungsbedingungen, die für das Bio-Siegel vorschrieben sind. Für Legehennen gehört zum Beispiel eine zusätzliche Außenfläche von vier Quadratmetern zu den Mindestanforderungen. Das klingt besser als die Szenen der ARD-Reportage – hat aber auch wenig mit den Bildern zu tun, die gerne in den Köpfen der Verbraucher eingepflanzt werden: Hühner, die den ganzen Tag frei auf einem idyllischen Bauernhof spazieren, Kühe, die auf einer sonnigen Bergwiese weiden. Das Bio-Image scheint, man traut es sich als Befürworter kaum zu sagen, in mancher Hinsicht zu gut, nahezu irreal zu sein. Vor allem wenn es um die überstrapazierte Idee der glücklichen Tiere geht. Das soll wie gesagt keinenfalls die Bilder leidender Tiere rechtfertigen, die scharf zu kritisieren sind. Aber: das Bio-Siegel steht nicht für eine heile Welt, in der Hühner ein Grinsen im Gesicht haben, weil Sie Bio-Eier legen dürfen. Die EU Öko-Verordnung soll artgerechte Tierhaltung gewährleisten – nicht mehr, aber auch nicht weniger.

Die grundlegende Idee der ARD, auf den schwierigen Spagat von Bio und billig hinzuweisen, ist auch nicht verkehrt. In erster Linie wollen wohl Discounter weder das Beste für die Natur noch für die Verbraucher, sondern deren Geld. Und Verbraucher, die im Discounter einkaufen, wollen möglichst viel Bio für möglichst wenig Geld. Diese Konstellation passt nicht so recht zum Ziel einer heilen Tier-Welt, aber zu einer besseren! Lesen Sie weiter auf Seite 2

Thema: Bio, Stand: 05.09.2012 von

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    schrieb am 06.10.2012 um 17:12
    Interessant ist, daß alles, worum es in dem Artikel geht, mit "Bio"-TIERHALTUNG zu tun hat. Selbst die angesprochenen Verunreinigungen des Gemüses haben mit Gülle und Antibiotika aus der Tierhaltung zu tun.
    Alles klingt so, als sei dies selbstverständlich und unvermeidbar.
    Aber - wer hätte es gedacht - es gibt eine Lösung: BIO-VEGAN! Einfach mal weiterdenken... vielleicht kommt dann doch auch mal jemand darauf... mehr weniger
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    schrieb am 22.09.2012 um 22:36
    ARD-Nachklapp (zu den Reaktionen der Betreiber) "Massenware mit Bio-Eikett" vom 18.09. auf FAKT:

    Edit (neue Adresse s.u.)
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    schrieb am 22.09.2012 um 22:09
    Sicher gibt es in der Bio-Branche auch "Schwarze Schafe" und das "Discounter-Bio" ist mit Sicherheit nicht das Gelbe vom Ei. Daher wäre es wichtig, die regionale Bio-Landwirtschaft zu fördern und auch die Verbraucher sollten diese Produkte nachfragen und das Angebot annehmen. Weniger Fleisch und weniger tierische Produkte zu essen ist der zweite Schritt. Dadurch kann sich der Verbraucher auch die etwas teureren Produkte vom Bauern um die Ecke eher leisten. Er erhält dort einen Einblick in die Lebensweise und den Zustand der Tiere, unterstützt keine Agrar-Industrie, es werden weite Transportwege vermieden und regional wird die Wirtschaft gestärkt. Alles in allem bedeutet Bio nach meiner Meinung vor allem, dass Lebensmittel endlich wieder als Wert-voll erachtet werden und nicht als schnelle, günstige Sattmacher. Wenn sich der Wert erhöht, den wir Lebensmitteln zugestehen, wird auch unser Umgang mit ihnen sich ändern und die maßlose Verschwendung wird enden. Keiner, der eine Tomate isst wegen des Geschmacks, wird mehr die wenig aromatische Industrietomate kaufen, um dann zehn Stück zu verschlingen, sondern wird lieber nur fünf kaufen, diese dann aber genießen. Keiner, der den Wert von Fleisch bewusst wahrnimmt und dem Tier den Respekt entgegenbringt, sich bewusst ist, dass für das Schnitzel ein Leben beendet wurde, wird mehr das Billig-Schnitzel beim Discounter kaufen. Von daher bin ich der Meinung, dass nur ein Bewusstseinswandel dazu führen wird, dass Bio wirklich "Bio" ist. - Artgerechte Haltung, kurze Transportwege, Förderung der ökologischen Vielfalt und des "Lebensraums Bauernhof" einschließlich in dessen Umfeld, faire Preise und endlich das Ende der Gier, der Verschwendung - hin zum Genuss.
    Dass die ARD hier offenbar Stimmung gegen "Bio" macht, ist mir auch in den Sinn gekommen. Allerdings denke ich, dass man aus der kritischen Diskussion eben auch einen Schluss ziehen kann. "Bio" ist nicht gleich "Bio", Discount-Bio ist nicht das Ideal, zwar immer noch besser als konventionelle Produkte. Doch die Bio-Billigprodukte sind auch ein Risiko für die Verwässerung der eigentlichen Bio-Idee. mehr weniger
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    schrieb am 17.09.2012 um 10:27
    Ich dachte beim Titel der Artikel bezieht sich auf Jauchs gestrike Sendung "Der große Bioschwindel - Wie gut ist Öko wirklich?" DIe Inhalte waren aber fast gleich. Bio wird gerade schlecht gemacht, das ist traurig.
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    schrieb am 16.09.2012 um 22:00
    Eine höhere Steuer auf Fleisch? Ich glaube nicht, dass das was bringen würde ausser: noch schlechtere Haltungsbedingungen bei den sogenannten "Nutztieren", schnellere Mast und noch billigeres Futter, damit ein niedriger Nettopreis erreicht werden kann - der Verbraucher soll ja nicht auf sein gewohnt billiges Fleisch verzichten!!
    Mehr Aufklärung wäre vielleicht eine Lösung. Gute Reportagen sollten möglichst objektiv sein - es gibt eben auch schwarze Schafe bei Bio, vor allem wohl bei Billig Bio. mehr weniger
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