Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Greenpeace vs. Verleit-Medien

Alles ist wieder gut, aber unser Obst voller Pestizide


„Unsere Erde wird wieder gesund!“, darüber hat sich neulich die Bild-Zeitung gefreut (ich weigere mich vehement, dorthin zu verlinken). Die ARD hat Tim Mälzers Ernährungscheck vorgestellt, der zu einem schockierenden Fazit verleitet: ungesunde Nahrungsmittel gebe es gar nicht, man könne essen was man wolle. Und Spiegel-Online hat die Welt vor einer besonders gefährlichen Spezies gewarnt, dem scheinbar modernen, naturbewussten Städter, der unserer Umwelt mehr schadet, als ihm lieb sein dürfte.

Die frohen Botschaften der Verleit-Medien sind gefährlich

Die Argumente, die diese frohen Botschaften stützen, sind so einfach zu entkräften, dass es sich an dieser Stelle nicht lohnt. Dennoch sind sie gefährlich: Sie kommen alle irgendwie in wissenschaftlicher Verkleidung daher und haben wirkungsmächtige Absender: die Bezeichnung Verleit-Medien scheint angebracht. Wer hört es nicht gern von der Stimme des Volkes und anderen lauten Organen, dass er wieder tun und lassen kann, was er will – weil es dem Klima wieder gut geht, weil gesund und ungesund keine gehaltvollen Unterscheidungen mehr sind oder weil das ja eh alles nichts bringt, ja sogar mehr schadet.

Endlich schlechte Greenpeace-Nachrichten

In Zeiten der anti-grünen Propaganda ist man froh über Dinge, die man eigentlich nicht wahr haben will. Die Umweltschutzorganisation Greenpeace hat diese Woche ihren neuen Ratgeber "Essen ohne Pestizide" vorgestellt. Für dessen Datenbasis haben Experten mehr als 22.000 Proben der deutschen Lebensmittelüberwachung aus den Jahren 2009 und 2010 bewertet. Das Ergebnis: In rund 80 Prozent des konventionell erzeugten Obstes und in über 55 Prozent der Gemüseproben waren Pestizide enthalten. Die Mehrzahl der im Supermarkt erhältlichen Früchte enthält also Rückstände von Spritzmitteln, die den Hormonhaushalt und das Immunsystem beeinträchtigen, Krebs auslösen oder das Nervensystem schädigen können.

Auf dem pestizidverseuchten Boden der Tatsachen

Schlechte Nachrichten gutheißen geht natürlich auch anders. Das Hamburger Abendblatt hat ebenjene Neuigkeiten von Greenpeace mit dem Titel „Weniger Pestizide in frischem Obst“ versehn. Traurigerweise ist das nicht mal falsch. Das Abendblatt zieht zum Beweis Zahlen heran, die zeigen, dass die Überschreitungen der Pestizid-Grenzwerte minimal zurückgegangen sind. Dass Grenzwerte problematische und umkämpfte Größen sind, muss man wohl nicht weiter ausführen. Sie bleiben eben nur eine Grenze, die dem Pestizid seinen Platz in unserem Essen gewährt. Der Grund zur Freude bleibt darum doch klein – auch wenn es nun etwas weniger Pestizide sind, sind damit satte 80% des konventionellen Obst belastet.

Welcher Baum schmeckt Ihnen besser?

Von welchem Baum der Erkenntnis Sie nun essen wollen, bleibt natürlich Ihnen überlassen. Aber Vorsicht, die Äpfel der Verleit-Medien könnten einen fahlen, pestizidbelasteten Beigeschmack haben. Greenpeace auf der andere Seite empfiehlt in erster Linie, Bio zu kaufen oder auf die Herkunft von konventionellem Grünzeug zu achten. Dazu hat die Umweltorganisation eine informative Liste mit Ampelfarben für die jeweiligen Obst- und Gemüse-Sorten nach Ländern sortiert bereitgestellt.   


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Thema: Gesundheit, Stand: 28.03.2012 von

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    schrieb am 21.04.2012 um 19:06
    @Ceixo
    Gratulation zu diesem Entschluss und guten Appetit:-))
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    schrieb am 21.04.2012 um 17:19
    Ich kaufe immer noch zu oft im Supermarkt, obwohl ich es besser weiss. Aber um mich selsbt zu disziplinieren habe ich mir dieses Wochenende zum erstenmal eine Ökokoste bestellt. Endlich!
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    schrieb am 31.03.2012 um 13:36
    Erwähnenswert finde ich zudem, dass ein großer Teil "unserer" Fruchtsäfte aus Granulat hergestellt ist, dessen Früchte in (meist sehr fernen) Ländern unter teil extrem ausbeuterischen, inhumanen Bedingungen angebaut und geerntet wurden.

    Allein deshalb ist es auch 'human' rüchsichts-/verantwortungsvoll, (auch) bei Früchten oder Fruchtsäften, Marmeladen etc. neben Biosiegel ggf. auch auf ein Fairtrade Siegel zu achten, zumindest wenn nicht eine deutsche Herkunft der Früchte (dann Biosiegel eigtl ausreichend) gewährleistet ist (Dabei zu beachten: Land der Herstellung des Endproduktes (z.B. Saft, Marmelade) ist nicht gleichzusetzen mit Land, aus dem die Zutaten, z.B. Früchte, kommen ! ).

    Allg. Infos über solche Siegel etc unter anderem hier zu finden: http://www.utopia.de/blog/freedom-happiness-and-sensitivity-for-beauty-for-all-beings-in-solidarity-berniewa-s-utopia/infos-und-links-zu-fairtrade-siegeln mehr weniger
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    schrieb am 31.03.2012 um 13:33
    Erwähnenswert finde ich zudem, dass ein großer Teil "unserer" Fruchtsäfte aus Granulat hergestellt ist, dessen Früchte in (meist sehr fernen) Ländern unter teil extrem ausbeuterischen, inhumanen Bedingungen angebaut und geerntet wurden.
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    schrieb am 30.03.2012 um 15:06
    "Sie wollen es nicht (über den Preis) vorgeschrieben bekommen. Und wenn man bewusst mit den Ressourcen umgeht ist das doch gut..."

    Nur, daß der Satz in sich einen Widerspruch enthält.
    Wenn man bewusst mit den Ressourcen umgeht, dann werden die Dinge nun mal teurer.
    Ressourcen sind endlich... mehr weniger
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