In jeder Filiale läuft zur Reinigung der zwei Baristalöffel ein Wasserhahn, um den Mitarbeitern die Reinigung zu erleichtern. Der Wasserhahn läuft ununterbrochen während der gesamten Öffnungszeiten einer jeden Filiale. Weltweit. Angesichts der weltweiten Trinkwasserproblematik ein Skandal.
In Berlin, London und Dubai besucht Alfonso daraufhin fast jede Starbucks-Filiale. Und tatsächlich: Überall läuft der Wasserhahn munter vor sich hin. Er fragt die Angestellten, ob sie das Wasser nicht einfach abstellen könnten. Das gehe nicht – systembedingt. Alfonso ruft daraufhin bei Starbucks Deutschland an und macht Druck. Er boykottiert die Kette, gründet eine Facebook-Gruppe, macht so Freunde, Bekannte und Verwandte auf das Thema aufmerksam. Und er ruft in seinem regelmäßigen Newsletter die Abonnenten zum Protest gegen Starbucks auf.
Starbucks Deutschland gibt sich schließlich zerknirscht und versichert ihm am Telefon: Die Problematik sei bekannt, nicht nur von ihm, sondern von vielen anderen Kunden sei schon darauf hingewiesen worden. Das Unternehmen verspricht, zu handeln.
Und siehe da: seit dem 1. März sind die Hähne aus – ein gutes Beispiel dafür, was Verbraucher erreichen können – wenn sie sich nur beharrlich zu Wort melden.
Utopia hat mit Alfonso Pantisano über seine Starbucks-Mission gesprochen, um zu erfahren, wie ein Utopist erfolgreich Druck macht, um ein Unternehmen zu verändern.
Utopia: Alfonso, die Hähne sind zu bei Starbucks – stimmt das?
Alfonso Pantisano: Also in Berlin habe ich es überprüft – bis auf ein paar Filialen wird kein Wasser mehr verschwendet. Ein bisschen Zeit bei der Umstellung aller Filialen sei dem Unternehmen zugestanden.
Die Mitarbeiter spülen jetzt von Hand?
Ja, vorher musste noch der Berliner Betriebsrat zustimmen. Ich habe in Berlin mehrere Angestellte angesprochen – und bin nur selten auf Unverständnis gestoßen. Eine Mitarbeiterin allerdings meinte, durch das Spülen von Hand würde jetzt viel mehr Wasser aufgewendet als vorher. Das aber ist kompletter Unsinn. Laut Statistiken der Österreichischen Bemessungsstelle kommen aus einem Wasserhahn mit sieben Millimetern Durchmesser in der Stunde immerhin 2360 Liter Wasser.
Gehst Du oft zu Starbucks ...?
Ich weiß, warum Du das jetzt fragst. Ist bestimmt nicht die allerbeste Möglichkeit, Kaffee mit gutem Gewissen zu trinken. Ich wohne neben Berlin auch in London, und da gibt es halt keine Alternative; wirklich. Null Kaffeehaus-Kultur! Ein Einwegpappbecher muss es ja bei Starbucks auch nicht sein, und FairTrade geht dort zumindest auch. In Wien zum Beispiel käme ich gar nicht auf den Gedanken, zu Starbucks zu gehen.
Wie hat Starbucks auf Deine vielen Anrufe reagiert?
Zu Anfang oft recht abweisend. Sobald ich zur Sache kam, hatte ich das Gefühl, da fällt sofort der eiserne Vorhang. Eine zickige Mitarbeiterin habe ich dann gefragt, ob es nicht schön wäre, wenn sie ihren Kindern einmal berichten könnte, dass sie daran beteiligt war, die Wasserverschwendung in ihrer Firma zu beenden. Da brach Sie das Gespräch merklich gerührt mit den Worten ab: „Das wird mir jetzt zu emotional. Lassen Sie uns später noch mal darüber telefonieren.“
Du wirkst jetzt auch gerade so, als würde Dich das Thema sehr berühren ...
Ja klar, wir stellen jetzt mit allem was wir tun – und was wir nicht tun – die Weichen für die nachfolgenden Generationen! Das muss man sich doch mal vorstellen: Ich habe mal eine Entwicklungshilfe-Konferenz moderiert. Da wurde ein Trinkhalm vorgestellt, der Schmutzwasser keimfrei filtert und den Menschen in Afrika so die Möglichkeit geben kann, aus Pfützen zu trinken. Es fehlt das Geld, um ihn flächendeckend zu verteilen. Und wir leisten uns so eine Verschwendung!
Was gibst Du den Utopisten mit auf den Weg, die ein Unternehmen verändern wollen?
Habt keine Scheu, den Unternehmen die Meinung zu sagen. Das kostet manchmal Überwindung, aber denkt immer an das Ziel! Und immer entwaffnend freundlich und konstruktiv sein, dann wird Euch auch zugehört. Ach ja: Und immer misstrauisch bleiben! Deshalb rufe ich jetzt an dieser Stelle alle Utopisten außerhalb Berlins auf, die Starbucks-Filialen in der Nähe abzuklappern und zu schauen, ob die Hähne wirklich zu sind. Teilt mir Eure Erfahrungen unbedingt mit!
- Alfonso Pantisano lebt in London und Berlin und arbeitet als Moderator. Seit Mitte vergangenen Jahres ist er begeistertes Mitglied (Superfonso) in der Utopia-Community und hat sich im November als Moderator der Utopia-Awards viele Sympathien des Publikums erworben.
In Großbritannien wurde die Wasserverschwendung bei Starbucks von den Medien bereits diskutiert:
Nachtrag: Anja Bergmann von Starbucks Deutschland hat uns gerade mitgeteilt, dass das Unternehmen in den 143 bundesweiten Filialen den Hahn abdreht und die Tauchbecken trocken bleiben. Stattdessen werden die Löffel von Hand gereinigt und desinfiziert. Für die Mitarbeiter entstehe dadurch kein zusätzlicher Arbeitsaufwand. Wie es weltweit aussieht, werden wir demnächst beleuchten. +++
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Kommentare (15)
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Leider ist bei der im Moment praktizierten Methode meiner Meinung nach der Wasserverbrauch noch höher. Das sollte man jemandem, der unmittelbar damit konfrontiert ist und dem selbst sehr am Umweltschutz gelegen ist, schon glauben!
Außerdem möchte ich feststellen, dass der Durchmesser des kleinen Wasserhahns nicht 7 sondern höchstens 2 mm beträgt und man den Wasserdruck durchaus regulieren kann. Ich habe, wenn das Wasser im "Löffelbecken" klar war, den Hahn einfach fast abgedreht, so dass es gerade noch zirkulieren konnte wegen der Bakterien ;) mehr weniger
Aber dass man/frau in Berlin nur bei Starbucks Kaffee trinken kann ist wirklich nur eine Ausrede! Ich wohne seit 8 Jahren hier und kam noch nie in die Notlage zu denen gehen zu müssen....
Was ist ein Barista-Löffel und warum kann man den nicht mit den anderen Geschirrteilen waschen? Was muss man daran desinfizieren? Starbucks ist doch auch eine Art gastronomischer Betrieb - und andernorts wird doch auch einfach mit Spülmittel und heissem Wasser gereinigt - von Hand oder per Maschine. Sorry, wenn ich hier unwissend rüberkomme, aber dass die armen Angestellten jetzt "von Hand" abwaschen müssen - ich sehe den Unterschied in dieser Tätigkeit zu vorher nicht. Nur dass jetzt Gott sei Dank das Wasser nicht dauernd läuft. mehr weniger
Alfonso: Super AKtion! mehr weniger