Was taugen Bio-Schnäppchen beim Discounter?

Von Volker Eidems


Das heute als Marktführer bekannte Unternehmen Aldi (AL von Albrecht, DI von Discount) ging Anfang der 1960er-Jahre aus einem Familienbetrieb hervor. In Deutschland hatte das zunächst konkurrenzlose Discountprinzip von Anfang an großen Erfolg. Die niedrigen Preise erreichen Discounter generell durch einen Verzicht auf alles, was nicht absolut vermeidbar ist: Als sogenannter Harddiscounter bietet Aldi nur ein stark begrenztes Warensortiment (rund 1400 Produkte) auf engem Raum an. Verkauft wird aus den Lieferkartons, vorwiegend „Schnelldreher“, das heißt Waren des täglichen Bedarfs, die zügig verkauft werden und nicht lange im Regal liegen.

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Außerdem wird weitgehend auf Herstellermarken verzichtet, stattdessen setzt man auf sogenannte Handelsmarken, also Eigenmarken, die vielfach von Markenherstellern beliefert, aber unter anderem Namen vermarktet werden. Neben dem festen Standardsortiment zählt eine große Zahl wechselnder Aktionsprodukte zum Angebot, hier führen das begrenzte Angebot und der niedrige Preis zu einer starken Nachfrage – die den tatsächlichen Bedarf vermutlich übersteigt. Soweit das Prinzip.

Ein Haken beim Schnäppchen

Ganz grundsätzlich ist es wenig nachhaltig, wenn mehr Produkte umgesetzt als unbedingt benötigt werden, schlicht aufgrund des vermeidbaren Rohstoff- und Energieaufwands zur Herstellung und Entsorgung. Die wechselnden Angebote bei Aldi zählen darüber hinaus nicht selten zu den „Dingen, die der Mensch nicht braucht“ – oder nur einmal im Jahr. Der niedrige Preis setzt sich aus dem Angebot des Herstellers zusammen, der eine fixe Menge seines Produkts unter die Leute bringen kann, verbunden mit geringen Lagerkosten in der Verkaufsfiliale – denn Aldi setzt auf Abverkauf in Rekordzeit. So landen schnell Waren im Korb, die nicht auf der Einkaufsliste standen – einfach, weil sie gerade so billig sind.

Auch wenn viele Menschen auf die hohe Qualität von Aldi schwören, der Teufel steckt manchmal im auf den ersten Blick nicht sichtbaren Detail: So bemängelte die Stiftung Warentest bei der Untersuchung des Aldi-PCs im Juli eine „handfeste Schwäche“, den hohen Stromverbrauch trotz „bescheidener Grafikleistung“ zwischen 140 Watt bei Volllast und noch 1,5 Watt nach dem Herunterfahren.

Wird zu wenig fair gehandelt?

Ende August fielen bei Aldi Süd auch Bio-Produkte unter die Aktionskategorie, vom Vollkornbratling über Biobaumwollbettwäsche bis zum Biokaffee inklusive Transfair-Siegel. Wie Aldi Süd mitteilt, plant man Aktionen mit der Transfair-Eigenmarke „One World“ zu wiederholen, bis zur ständigen Aufnahme in die Produktpalette könnte es aber noch etwas dauern: „Aldi Süd bietet Waren an, die in großen Mengen nachgefragt werden. Sie müssen deshalb dauerhaft in ausreichender Anzahl, zu einer gleichbleibend hohen Qualität und zum bestmöglichen Preis verfügbar sein. Da wir bei der Gestaltung unseres Standardsortiments generell nach diesem Grundsatz verfahren, gelten diese Anforderungen auch für Produkte mit dem Transfair-Siegel. Sollten sich Verfügbarkeit, Preis und Qualität von fair gehandelten Produkten verändern, ist es möglich, dass wir auch zusätzliche Transfair-Produkte in unser Standardsortiment aufnehmen“, schreibt Aldi Süd.

Nach Ablauf der Sommeraktion blieb jedoch erst einmal nur das schmale Bioangebot, das kaum über Grundnahrungsmittel hinausreicht, zum Anteil der Bioprodukte am Gesamtsortiment möchte das Unternehmen keine Angaben machen. Wo Bio aber in erster Linie zum Schnäppchen taugt, ist die Nachhaltigkeit noch weit, wirkt das „Wir lieben Bio“ wie ein One-Night-Stand. Hinzu kommt, dass sich das Angebot bei Aldi ausschließlich auf das Siegel nach EG-Öko-Verordnung stützt, höhere Standards wie Demeter oder Bioland kommen nicht zum Zug.

Konventionelle Hersteller machen in Bio

Nun lautet eine grundsätzliche Kritik der Öko-Pioniere, dass Supermärkte und Discounter mit dem Prinzip der überprüfbaren Herkunft der Produkte brechen: Bei Massenware, die teilweise sogar als Handelsmarke zusätzlich anonymisiert wurde, sei keine Vertrauensbildung zwischen Hersteller und Konsument möglich. Auf den Bioprodukten bei Aldi finden sich jedoch überraschenderweise die Herstellerangaben, die zu namhaften Unternehmen führen.

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  • TeufelimDetail
    schrieb am 16.06.2010 um 17:50
    Bei Aldi kommt billig immer vor ökologisch, fair oder gar nachhaltig. Das sieht aber bei allen anderen Märkten nicht anders aus. Natürlich springt Aldi hier nur auf die Welle auf. Es bleibt aber positiv, dass es überhaupt Bio gibt. Wie Bio das dann noch ist, ist wieder die andere Frage, gerade bei dem Preisdruck, den Discounter ausüben.

    Wie Bio allerdings im Vergleich Al Natura ist, wenn etwa die Hirse aus den USA (Transportweg) und Palmöl von Großkonzernen aus Kolumbien stammt (klar, wir glauben einem korrupten Staat, der nicht mal die Hälfte seines Staatsgebietes kontrolliert, dass er noch Zeit hat, um Bio zu zertifizieren) ...
  • Heide
    schrieb am 13.05.2010 um 18:21
    Kann mir vielleicht jemand mitteilen, wo ich eine Liste finde aus der hervorgeht welche Produkte - besonders die Bioprodukte - bei Aldi von welchem Markenhersteller kommen?
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