Eine Mail kommt. „Hallo Peter Unfried“, heißt es in dieser Mail freundlich, aber im Imperativ: „Buchen Sie jetzt eine spontane Flugreise mit Familie oder Freunden zum Inklusivpreis ab 5 €* pro Hin- und Rückflug (inkl. aller Steuern, Gebühren und Entgelte).“
Sofort hektische Überlegungen. Wo könnte ich hin fliegen? Habe ich überhaupt eine Wahl? Muss ich beim dem Preis nicht fliegen, weil ich sonst ja blöd wäre? Egal, wohin. Vielleicht nach Basel – um mal wieder Freunde in Freiburg zu besuchen. Oder von Köln nach Leipzig, das klingt interessant. Aber wie komme ich nach Köln – und was mache ich in Leipzig? Na, da wird sich dann halt etwas finden. So war das.
Und so ist es nicht mehr. Wenn heute diese Mails kommen („10.000 Flüge unter 10 Euro“), klicke ich sie weg. Ich fliege nicht mehr nach Ljubljana, weil es ein günstiges Angebot gibt. Damit will ich nicht sagen, dass man nicht schöne Erfahrungen machen kann, wenn man sich vom Markt, dem Zufall und einem Impuls treiben lässt. Grade Ljubljana war großartig.
Was ich sagen will: Der neue Markt der so genannten Billigflieger hat sicher einiges verändert und einiges geleistet, auch kulturell. Er hat Teile von Europa einander näher gebracht oder zumindest einige Europäer. Er hat es Menschen ermöglicht, komplizierte Arbeits- und Lebensverhältnisse bewerkstelligen zu können. Die Verteidiger des Freiheitsgedankens betonen den demokratischen und egalitären Aspekt des Billigfliegens, der es Wenigergutverdienenden ermöglicht hat, in neuem Umfang am Flugverkehr zu partizipieren und damit Lebensfreude zu gewinnen. Englands Arbeiterjungs können nun ihren (vorübergehenden) Abschied vom Junggesellenleben mit einem obligatorischen Saufwochenende in Tallin oder Riga zelebrieren. Früher musste das popelige Blackpool genügen. Ist das Fortschritt?
Auf jeden Fall ist das eine tendenziöse Frage. Es wird ja nun auch der Taunus beschworen, der auch schön sei. Das sagt die Klimalobby und sicher auch die Taunuslobby. Aber da war ich in den 70ern schon mal. Selbst wenn man mir sagt, dass ich mich nicht so anstellen soll und 95 Prozent aller Menschen noch nie geflogen sind, rufe ich nicht: Taunus, hurra! Ich kann jeden verstehen, der sich nicht so einfach in den Taunus schicken lassen will. Oder in die Fränkische Schweiz.
Einmal rief ich meine Kinder heran.
„Kinder, herkommen. Wir fahren mal schnell in den Urlaub.“
Die Kinder (unaufgeregt): „Nach Kalifornien?“
Ich: „Nee. In die Fränkische Schweiz“
Da zogen sie murrend und protestierend Leine.
Ich (ungnädig): „Mensch, ich habe meine Kindheitsurlaube komplett in Südtirol verbringen müssen!“
So was ignorieren die. Erst dachte ich, sie seien mal wieder unverschämt und undankbar. Tatsächlich aber habe ich sie ja kulturell so gepolt, dass sie jetzt nicht einfach umschalten konnten. Ich war bis zum hohen Alter von 20 genau einmal geflogen. Bukarest. Hin und zurück. (Ersparen Sie mir die Details.)
Die waren mit acht und sechs Jahren viermal in den USA und hatten diverse weitere Flüge gemacht. Die beschäftigen sich nicht mit dem Flug als solchem, sondern nur noch mit dem Inflight-Kinoprogramm. Die gehen nach der Landung in San Francisco automatisch den Car-Rental-Schildern nach. Die denken, Fliegen gehöre zum normalen Leben wie Nintendo oder Germany's Next Topmodel. Dachte ich ja auch.
Die Umweltforschung hat herausgefunden, dass umweltschonendes Mobilitätsverhalten die Königsdisziplin eines neuen Öko ist: Im Gegensatz etwa zum Energiebereich wird eine Verhaltensveränderung beim Fliegen nicht als Win-Win-Situation begriffen, sondern häufig als Verzicht und Lebensqualitätseinschränkung abgewehrt. "Fahrt doch mit dem Schiff", sagen Leute, wenn die Sprache auf unsere jährliche Kalifornien-Reise kommt. Aber das ist nicht realistisch. Zu einem Langstreckenflug gibt es praktisch keine Mobilitätsalternative. San Francisco liegt etwa 10.500 Flugkilometer von Berlin entfernt. Die 6,4 Tonnen CO2, die die Klimaschutzorganisation Atmosfair mir dafür aufbrummt, sind noch eher wenig. Andere Rechner sagen: 8 Tonnen. Ich habe meine Jahresbilanz mit dem CO2-Rechner des Institutes für Energie- und Umweltforschung (Ifeu) ermittelt. Dieser Rechner unterteilt in die Bereiche privater Konsum, Ernährung, unterwegs, zu hause und öffentlicher Konsum. Meine CO2-Bilanz 2007 ist 16,2 Tonnen. Das ist ein Drittel mehr, als Deutsche im Schnitt verbrauchen. 17 mal soviel wie ein Afrikaner.
Das liegt vor allem an dieser Kalifornien-Reise. Außerdem war da ja noch dieser Costa-Brava-Zwischenurlaub im Mai. Auch schon fast Tradition. Macht laut Ifeu zusammen 9 Tonnen allein durch zwei Urlaube. Gutes, postideologisches Leben als moralischer Hedonist schön und gut. Aber: Soviel Ökostrom kann man gar nicht beziehen, so oft kann man nicht aufs Duschen verzichten oder nicht heizen. So viel Fleisch kann man nicht weniger essen und so viele Autos nicht besitzen, als dass man einen Transatlantikflug machen könnte – und dennoch eine Bilanz hinlegen, die Zukunft hat und nicht auf Kosten der Zukunft geht. Um es mal moralisch zu sagen.
Bestätigt es nicht das Urteil jener, die mich für einen Heuchler und Scheinheiligen halten? „Das kann man schon so nennen“, sagte mir atmosfair-Geschäftsführer Dietrich Brockhagen. „Wenn man sich erstmal genau bewusst ist über seinen CO2-Fußabdruck und hat immer noch 16 Tonnen, dann ist es Heuchelei anderen zu sagen, sie sollten mal schön Car-Sharing machen.“
Seit es Mai geworden ist, träume ich wieder vom kalifornischen Himmel. Ich sehe unsere Pacific Avenue vor mir, den Hügel mit der UCSC, die Silhouette der Santa Cruz Mountains. Manchmal kann ich sogar den Harbour Beach riechen. Dann konzentriere ich mich und warte darauf, dass sich mein Rechtfertigungsprogramm aktiviert und eine neue Ausnahmeregelung und Entschuldigung auswirft, mit der wir doch noch nach Kalifornien können. Aber es kommt nichts mehr.
Schöne Scheiße.
ENDE.
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Kommentare (9)
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Bitte bitte weiterschreiben!
....umweltschonendes Mobilitätsverhalten als Königsdisziplin eines Ökos..... - köstlich!
Bitte, bitte, bitte...mehr!
Diana
Habe mich ständig wiedererkannt.
Gehe gleich zum Briefkasten und werde in meiner neuen TAZ weiter in den Kolumnen stöbern.
Es geht nämlich nicht nur um Unmengen an CO2, sondern um Ausbeutung von Arbeitskräften, das Ausnutzen der Technik auf Verschleiß - und es geht um die Milliarden-Subventionen beim Kerosin. Es muss endlich eine Kerosin-Besteuerung her! Weltweit! Dann hat sich das nämlich fluggs von selbst erledigt. Dann gibts keine Flüge mehr zum Taxipreis!
Ich finde es erbärmlich, ignorant und kurzsichtig, bei der Werbung fürs Fliegen immer noch den Spottpreis zu proklamieren. Welche Fluglinie fängt an, mit Nachhaltigkeit, CO2-Ausgleich, Service/ Qualität und Sicherheit zu werben!? Ich hab es mehr als einmal erlebt, dass wir Passagiere wie zahlendes Herdenvieh behandelt werden. Zum Kotzen!
Was fehlt einem, wenn man nicht in Kalifornien oder Thailand war ?
Meine Grossmutter ist letztes Jahr verstorben. Sie ist nie weiter als 200 km von Ihrem Heimatort entfernt gewesen. Also hätte Sie eine unzufriedene und verbitterte Frau sein müssen...
War Sie aber nicht, Sie war eine wunderbare, zufriedene, in sich ruhende Frau die nichts vermisst hat.
Meine Eltern sind nie geflogen, ich bin (aus Unkenntnis über die Folgen) 1986 einmal geflogen, meine Frau und meine Kinder (14 + 17) sind nie geflogen - und wir sind allesamt keine unglücklichen Menschen.
Ich kenne Mitglieder von Greenpeace, ich kenne Ökostrombezieher die fliegen - das finde ich völlig verlogen.
unter 2-3 Tonnen CO2 im Jahr zu bleiben (das verträgliche
Maß bei der aktuellen Weltbevölkerung, und in Zukunft wird
dieses Maß noch deutlich geringer sein). Mir ist eine solche Reise
es nicht wert, ein Leben lang nie mehr ins Cafe gehen zu dürfen,
usw, um das in vielen Jahren von meinem CO2-Budget abzusparen.
--
Atmosfair in Ehren, aber es geht um ersatzlose Vermeidung,
nicht um Kompensation. An Atmosfair oder andere Projekte
kann man auch ohne Flug spenden.
--
Es gibt so viele schöne Orte hierzulande, so viel Natur (noch),
wegfahren ist nicht nur schädlich, sondern komplett überflüssig.
Man kann den Taunus auch zehn mal sehen, und man hat immer
noch nicht alle Wanderwege erforscht. Man kann sogar im Stadtpark
spazierengehen, oder mit der S-Bahn rausfahren.
--
Ich verstehe den Reise-Wahnsinn nicht. Urlaub: endlich mal Zeit,
alle Freunde zu besuchen, Dinge zu erledigen, zu faullenzen,
zu wandern, spazieren zu gehen, ins Café zu gehen. Ich verstehe
es einfach nicht, es will nicht in mein Hirn: "ich flüchte, also bin ich"?
--
Bilder von der Golden-Gate-Brücke kann ich mir auch im Internet ansehen,
ebenso Berichte über Kulturen und statt reich in Elendsvierteln herumzustapfen
kann ich auch hier eco-fair kaufen, bis ich mir keinen Flug mehr leisten kann.
--
Hier der CO2-Rechner ECO2, der ein ganz gutes Gefühl gibt,
für die Mengen CO2, die mit verschiendenem Konsum verbunden sind:
http://eco5.ecospeed.ch/privat/index.html?us=0&ln=0
--
Und wenn PCF (Product Carbon Footprint) dann mal kommt, ist sowieso Schluß
mit dem sich-in-die-Tasche-lügen, weil dann auf jedem Ding draufsteht,
was es an Schaden verursacht und wie es das Konto,
das für *jeden* Menschen gleich groß ist, belastet:
http://www.utopia.de/gruppen/forum/thema/178749
1. Kauf nur, was du wirklich brauchst.
2. Behalte nur, was du brauchst und gib, was Du nicht brauchst jemandem,
der es nicht hat, es aber benötigt.
3. Spare Energie, wo du kannst.
4. Fahr nur Elektroautos.
5. Erzeuge deine eigene Energie durch Solarpanelen und Windturbinen.
6. Iss vorwiegend vegetarische Nahrungsmittel, welche aus gesunden Biopflanzen
regional gewachsen sind.
7. Fälle keine Bäume des Regenwaldes.
8. Verbringe deine Ferien in deinem eigenen Land.
9. Recycle alles.
10. Beende Kriege.
Am selben Abend wurden die „Erdengebote” überall auf der Welt ausgestrahlt
und jeder stimmte darin überein, dass es Zeit für eine Veränderung sei.
1. Gebot: Am nächsten Morgen lagen die Supermärkte in Berlin und ganz
Deutschland verlassen da. Ab und zu eilte jemand hinein, um sich schnell
eine Flasche Milch oder etwas Butter zu holen und ließ beim Herausgehen
Erd G.
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das Geld auf dem Ladentisch liegen. In Restaurants und Cafés stellte man die
Stühle hoch und verschloss die Türen.
2. Gebot: Am selben Tag füllten sich die Straßen von Berlin mit Fernsehern,
Computern, Kühlschränken, Waschmaschinen, Möbeln, Kleidung, Schuhen,
Büchern, DVD-Playern und Stereoanlagen, Telefonen und Lebensmitteln. Ja,
Lebensmittel. Die Menschen stellten alles Essen nach draußen, das sonst in
ihren Kühlschränken verderben würde. Auf den Straßen fuhren keine Autos
mehr, da sich jeder entschieden hatte, öffentliche Transportmittel zu benutzen.
Die Supermärkte blieben leer, da es auf der Straße alles umsonst gab.
Aus den USA kam die Nachricht, dass Bill Gates sich entschlossen hatte,
seine Milliarden und sein gesamtes Vermögen mit allen Angestellten von
Microsoft zu teilen. Er entschied, dass ein Auto für ihn ausreiche. So gab er
die anderen 189 Autos denen, die keines hatten. Leider war es dafür etwas zu
spät, da die Menschen beschlossen hatten, keine benzinbetriebenen Autos
mehr zu fahren. Seine Aktionen wurden jedoch auf der ganzen Welt herzlich
willkommen geheißen.
Bald darauf zog Roman Abramovic, ein russischer Milliardär, nach und teilte
sein Vermögen mit seinen Angestellten und armen Menschen in Moskau. Es
braucht nicht näher erwähnt zu werden, dass der Rest der Millionäre und
Milliardäre in der ganzen Welt Bill Gates‘ Vorbild folgten.
3. Gebot: Die Menschen beschlossen, dass sie abends kein Licht mehr
bräuchten. Sie gingen bei Sonnenuntergang zu Bett, denn Fernseher und
DVD-Player gab es ohnehin nicht mehr. Sie freuten sich bereits, zeitig aufzuErd
G.
12
stehen und den Sonnenaufgang zu sehen. Die Mehrheit von Ihnen hatte diesen
Anblick längst vergessen.
Am selben Abend wurden vier der größten Kraftwerke Deutschlands abgeschaltet,
da ihre Leistung nicht mehr gebraucht wurde. Gleiches passierte
überall auf der Welt.
4. Gebot: Die Produktion von Elektroautos erreichte im gleichen Jahr ihre
Spitze, allerdings waren bisher nur wenige verkauft worden. So schaffte sich
jeder, der etwas Geld übrig hatte, eines dieser Elektroautos an, die seit zwei
Jahren landesweit gelagert worden waren.
5. Gebot: Die Produktion von Photovoltaikpanelen und Windturbinen wurde
mit Volldampf vorangetrieben. Jeder Haushalt wollte Strom produzieren statt
verschwenden. Alle Firmen in Deutschland und dem Rest der Welt begannen,
Photovoltaikpanelen und Windturbinen herzustellen. Nach einigen Monaten
produzierte jedes Gebäude auf dem Planeten seine eigene Energie und der
Überschuss wurde ins Hauptstromnetz gespeist.
6. Gebot: Nur wenige wissen, wie gut vegetarisches Essen schmeckt. Nachdem
man zur vegetarischen Ernährung übergegangen war, fiel der Anteil
übergewichtiger Amerikaner um 80 %. Kinder konnten gar nicht genug von
den köstlichen, ökologisch angebauten Äpfeln, Karotten und Trauben bekommen.
7. Gebot: Die riesigen Abholzungsmaschinen in Brasilien standen still. Niemand
fragte mehr nach Fleisch, Soja oder Möbeln. Kein Bedarf mehr nach
Erd G.
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Biokraftstoff oder Ethanol: „Wir haben jetzt Elektroautos!“ Kein Bedarf für
Palmöl.
8. Gebot: Nur wenige Kinder wussten, dass Mallorca nicht in Deutschland
liegt. Ferien zu Hause mit ihren Vettern waren eigentlich viel besser als ein
19-Stunden-Flug nach Australien. Ryan Air musste seine Flotte komplett am
Boden lassen, Easy Jet und alle anderen Discountluftfahrtgesellschaften folgten
weltweit. Die Flugzeugproduktion wurde gestoppt.
9. Gebot: Abgepackte Produkte zu verkaufen, war jetzt verboten. Es durften
nur noch 100%-ig wiederverwertbare Erzeugnisse verkauft werden. Abfalltonnen
wurden kleiner und kleiner, bis sie ganz verschwanden und durch
Komposter in den Hintergärten ersetzt wurden.
10. Gebot: Sechs Monate, nachdem die “Zehn Erdengebote” veröffentlicht
worden waren, unterschrieb jede mündige Person des Planetens den Weltfriedensvertrag.
Die Waffenproduktion wurde komplett eingestellt und aus
den Metallen der bereits fertiggestellten wurden Windturbinen und Solarpanele
sowie andere, erneuerbare