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Tresor-Betreiber Dennis Teufert im Portrait

Abfeiern ohne schlechtes Gewissen

Feiern in Berlin und an ein Windkraftwerk in Indien zahlen: Der Veranstalter Dennis Teufert zeigt im Club “Tresor“, dass Ökologie und Party nicht im Widerspruch zueinander stehen. Was halten Sie von diesem Modell einer “Disko der Zukunft“?


Berlin sei Platz, viel Platz, hat mal jemand gesagt. Eine Französin, die der Enge der Pariser Gassen entfloh, um sich in Kreuzberg niederzulassen. Es ist Mitternacht und vielleicht sind gerade 300 Leute im neuen „Tresor“, einem ehemaligen  Heizkraftwerk in der Köpenicker Strasse, der Nachfolge-Location des legendären Techno-Tempels in der Leipziger Straße.

Auf dem Dancefloor im Obergeschoß riecht es nach Schweiß, die ersten Mädchen geraten, wenn auch noch verhalten, in Ekstase. Zu späterer Stunde soll sich die Party-Meute in den düsteren Katakomben im Erdgeschoss verteilen. Noch langweilt sich dort aber nur das Bar-Personal. Manchmal kann es auch ein Problem sein, das mit dem vielen Platz in Berlin.

Vor dem Eingang steht ein nervöser junger Mann in sportlicher Jeans-Hemd-Kombination. Er könnte jemand sein, den sie hier nicht rein gelassen haben. Weil er zu normal aussieht für die Titty-Twister-Atmosphäre in der Techno-Höhle. Allerdings hat der Türsteher gerade Weisung bekommen, jeden durch zu winken. Von dem jungen Mann. „Uns fehlen die Leute,“ sagt Dennis Teufert. Wahrscheinlich liegt es am lauen Wetter, das den Straßencafes immer noch regen Zulauf beschert.

Als Teufert im Januar die erste seiner Öko-Partys veranstaltete, drohte der Club aus allen Nähten zu platzen. Die Presse feierte ihn als Pionier, als eine Art Michael Ammer der ökokorrekten Nightlife-Kultur. Er schien den Nerv einer jungen Generation getroffen zu haben, die nichts mehr am Hut hat, mit dem ignoranten Hedonismus der Vergangenheit. Darüber macht sich der 28-Jährige allerdings keine Illusionen. In der Party-Szene sei „öko“ kein Lockstoff wie in der Food-Branche, die ihren Kunden beigebracht hat, dass „bio“ auch lecker bedeuten kann.

Im „Tresor“ bezahlen die Gäste gängige Eintrittspreise. Darin sind die Kosten inklusive, mit denen Teufert ökologische Projekte unterstützt, um den CO2-Ausstoß, den die Veranstaltung verursacht, auszugleichen. „Wenn wir einen Öko-Aufschlag verlangen, wird wahrscheinlich kaum einer kommen,“ meint er. Vielleicht sollte man es einfach positiv betrachten: Der Öko-Touch der „High-Voltage“-Partys scheint niemanden abzuschrecken. „Das liegt an dem Publikum, das sich für Electro und Techno interessiert,“ meint Teuffert -  „das war schon immer intellektueller und aufgeschlossener als die anderen“.

Genauso wie er selbst. Ein Jungunternehmer-Typ, der nie davon geträumt hat, jeden Morgen mit Schlips und Lederkoffer in einer Flughafen-Lounge wach zu werden. Bereits auf der Uni entschied sich Teufert für die geisteswissenschaftliche Variante der Business-Studiengänge: die Volkswirtschaftslehre. Nebenbei engagierte er sich für den Umweltverband BUND. Berufsausbildung und Neigung verschmolzen schließlich zu einer Geschäftsidee, die er im vergangenen Jahr verwirklichte: eine Agentur für grüne Veranstaltungen, die „High Voltage Events“.    

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Stand: 10.08.2009 von

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    schrieb am 04.06.2010 um 23:27
    Das Thema ist auch in der Independent-Szene angekommen:
    http://www.goth-for-earth.com/wordpress/?p=889
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    schrieb am 09.09.2009 um 00:31
    Sehr schön, Öko muss auch endlich beim Feiern ankommen. In England gibt es ja auch einen Berater für nachhaltige Open Airs. Die haben's ja noch dringender notwendig, auch wenn sie so schön sind... Aber ich Besucher habe einen Großteil in der Hand: Wie reise ich an, was kaufe ich da, wie ernähre ich mich... mehr weniger
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    schrieb am 20.08.2009 um 09:52
    Antwort auf den Kommentar von ristinakari:
    Da hast du vollkommen recht. Das ganze Partyvolk der elektronischen Szene ist so dermaßen unüberlegt und egoistisch. Da geh ich doch lieber auf ne Alternative-Party auf der Reggae oder andere lockere Musik gespielt wird und schau den Möchtegern-Hippies zu wie sie anschließend in ihre 20 Liter Dreckschleudern einsteigen und sich vom Acker machen und dann noch denken Sie hätten die Nachhaltigkeit mit Löffeln gefressen...
    Ich lebe meiner Meinung nach nachhaltig und gehe auf solche Partys. Wenn die Veranstalter keine sinnvolle Message rüberbringen ist mir das egal, da es nicht der Grund ist wieso ich dort hingehe. Wenn sie jedoch eine Message unters Volk bringen wollen, dann ist das super. Es reicht doch wenn sich ein paar Wenige anschließend Gedanken darüber machen. Dann ist doch schon was damit gewonnen.
    Und ich bin mir sicher, dass du immer in der falschen Elektroszene und den falschen Clubs warst... mehr weniger
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    schrieb am 18.08.2009 um 17:35
    Ein wichtigen "Club" noch vergessen!

    4. Warli Dance Club in Indien, da wird die Energie für das Soundsystem durch Human-Energy-Systems generiert und Bio- und FairTrade-Produkte haben zwar kein Siegel, aber werden nach dem LHandG*-Prinzip kultiviert. Eintritt ist frei, aber es ist schon eine elitäre Gruppe derer man sich verpflichten muss, um eintreten zu dürfen.

    Hier gibt es das Promotion-Video zu sehen:
    http://www.youtube.com/watch?v=l6SsDv_7KKE



    *- Local Hunting and Gathering mehr weniger
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    schrieb am 18.08.2009 um 17:06
    das Konzept ist für mich äußerst ironisch, da ich mich in bisher keine "Szene" bewegt habe, die cih als so egozentrisch, unbewusst und dekadent bezeichnen würde, wie das tanzende Partyvölkchen am Wochenende auf der Elektroparty. Hier spielt eher eine Rolle, ob der MCD noch offen hat, wenn die Party zu Ende ist, und wo der nächste Stoff herkommt.
    Ohne alle über einen Kamm scheren zu wollen - die Stylos, die sich in den Clubs durch die Sphären bewegen interessiert die Welt draußen einen feuchten ***. mehr weniger
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