Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.
Ökosex Kolumne

Im richtigen Leben einfach richtig leben

Martin Unfried meint: Im Klimaschutz ist es Zeit für eine neue gesellschaftliche Normalität. Und unterschrieben hat er auch!


Ich brauche noch Zeit für meine angekündigten 12 Gesellschaftsthesen zur Energiewende. These 1 habe ich schon: Es ist schwieriger über die gesellschaftlichen Voraussetzungen zu schreiben, als über die technischen und politischen Dinge. Heute ruft ja erfreulicherweise sogar der Bundesumweltminister, es gehe um gesellschaftliche Akzeptanz und um Teilhabe. Jawohl, das ist aber noch kein umfassendes Programm für die Klimaschutz- und Energiewende-Gesellschaft. Deshalb umso interessanter, dass in einem ganz neuen Papier mit dem Titel "Fahrplan Energiewende" (pdf-Download) von Martin Pehnt (IFEU-Institut) und Michael Sterner (Hochschule Regensburg), die gesellschaftliche Dimension konkret diskutiert wird.

Da geht es eben nicht nur um Speicher und Leitungen, sondern auch um Transparenz, aktive gesellschaftliche Akzeptanz, Beteiligung bei Planung und Finanzierung. Kann ich nur empfehlen. Ich habe lange mit Martin Pehnt gesprochen, und er gab zu, dass das bisher wenig in die Tiefe geht. Wo stecken denn jetzt die gesellschaftlichen Blockaden in Sachen Energiewende tatsächlich? Die Medien vermuten, dass eigentlich niemand ein Windrad vor der Tür haben möchte oder eine Stromleitung. Außer er verdient daran.

Das ist aber alles noch ziemlich oberflächlich. Noch weniger analysiert: mit welchen Instrumenten könnte man denn kulturelle und emotionale Totalblockaden im Klimaschutz abbauen? Nehmen wir die deutsche Liebe zum Rasen in völlig überdimensionierten Rennschüsseln auf der Autobahn. Wäre eine Autogefühlswende wirklich entscheidend?

Ich meine ja, und deshalb heißt eine meiner gesellschaftlichen Thesen: Es ist erst mal wichtig herauszufinden, welche Blockaden der umfassenden Energie- und Klimaschutzwende tatsächlich technischer und ökonomischer, und welche kultureller und emotionaler Natur sind.

Das schlimmste sind nämlich Erwartungen an die Gesellschaft in Bereichen, wo Politikversagen vorliegt. „Flieg doch weniger nach Majorka!“ Wenn der Flug mit Hotel günstiger ist als die Bahn nach Sylt - wegen gezielter Steuerpolitik - dann ist der Aufruf an den Einzelnen natürlich verlogen. „Fahr doch Kleinwagen“, halte ich dagegen für eine pfiffige Aufforderung, mit der man auch viel Geld sparen kann. Viele Linke sagen, es gäbe kein gutes privates Klimaschutzleben im Falschen. Das ist natürlich Quatsch. Da ist mehr machbar, Herr Nachbar, als viele in ihrer privaten Bequemlichkeit zugeben

Wir brauchen beispielsweise, und damit zu einer meiner Hauptthesen, eine Gruppe von Menschen in der Gesellschaft, die die Energiewende und den Klimaschutz so richtig professionell in ihr eigenes Leben einbauen.

Meint ja auch Claudia Langer von Utopia. Ich denke dabei aber nicht an eine neue Form von Radikalität oder kasteiende Verzichts-Übung einer Minderheit, sondern im Gegenteil als bürgerliche Selbstverständlichkeit und attraktive Normalität für den Mainstream. Die Betonung liegt aber hier auf professioneller Normalität. Eben das Gegenteil von symbolischen Einzelmaßnahmen wie Hybridauto oder regionale Produkte kaufen.

Nein ich meine den eigenen Umstieg zum 100% erneuerbaren Effizienzhaushalt mit angeschlossenem intelligenten Konsum für ein normal, gutes Leben. Dazu kann auch professionelles Kompensieren eigener Emissionen durch die Finanzierung von Projekten weltweit gehören. Nun gibt es dazu gerade eine schöne Kampagne von Horst Emse, der Leute mit seinem Berliner Appell (www.klimaneutral-handeln.de) genau dazu aufruft, nämlich souverän für die sonst anderen aufgebürdeten Lasten unseres Energieverbrauchs einzustehen. Also so viel wie möglich selbst weg vom fossilen Leben und wenn nötig auch zu kompensieren. Das ist mal eine ganz neue Unterschriftenaktion. Damit rufen die Unterzeichner nicht die Regierung auf, sondern verpflichten sich öffentlich zur konkreten eigenen Klimaschutzwende.

Das nenne ich souverän, da habe ich natürlich unterzeichnet. Aus zwei Gründen: weil ich die Ökonomin Claudia Kemfert toll finde, und die hat auch unterschrieben. Und zum zweiten ist das gute Klimaschutzleben ja bereits bei mir zuhause Normalität mit dem 100% erneuerbaren Haushalt. Ich nehme jetzt selbstverständlich an, auch Sie liebe LeserIn werden sich begeistert einschreiben ins Klimaschutzleben. Weil es eben das Normalste von der Welt ist. Oder?

VG WORT Zählmarke für HTML Texte

Thema: Kolumne: Ökosex, Stand: 28.01.2013 von

Kommentare (139)   Kommentare abonnieren

alle Kommentare (139)
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 04.02.2013 um 17:00
    @emmaradio, Beitrag vom 04.02., 14:15

    Vielen Dank, Emma, für Deine Bemerkung! Zu dem Aspekt „Genauigkeit“ bzgl. der Beschreibung des Kohlenstoffkreislaufs und bzgl. der Kompensation möchte ich noch etwas sagen:

    Zum einen kann es hier bei der Beschreibung des Kohlenkreislaufs natürlich nur um die grobe Linie gehen. Das PRINZIP muss verstanden werden:
    - weshalb der natürliche C-Kreislauf aus dem Gleichgewicht gekommen ist,
    - dass sich die Störung mit JEDER zusätzlichen Tonne CO2-Emission verstärkt, für die nicht an anderer Stelle zielgerichtet die gleiche Emissionsmenge eingespart wird bzw. für die keine zusätzliche biotische Absorptionskapazität in entsprechender Menge geschaffen wird
    - und wie die Störung wieder aufzulösen ist.

    Zum anderen: Solange wir die Ebene individuellen Handelns betrachten, ist es eher weniger wichtig, dass die einzelnen Kompensationsmengen ganz präzise berechnet werden. (Allein mit unserem individuellen Verhalten lösen wir das Problem sowieso nicht!) Auch hier geht’s um das Prinzip und die Tendenz:
    - Anerkennen, dass auch mein trotz meiner Bemühungen um Emissionsvermeidung mehr oder weniger großer, noch nicht vermiedener Rest an CO2-Emissionen weiterhin das Problem verstärkt
    - sich darum bemühen, aus dieser Verursachung KOMPLETT auszusteigen - durch Verhaltensänderungen, Nutzung von EE und ggf. Kompensation
    - und dafür werben, dass sich zunehmend viele andere auch so verhalten und das Notwendige normal wird und aus der Ecke des Absonderlichen herauskommt.

    Deshalb bedeutet die namentliche Unterstützung des Berliner Appells www.klimaneutral-handeln.de nicht, ab morgen keine Tonne CO2-Emission mehr emittieren zu dürfen, sondern: Ich habe es kapiert; ich bemühe mich, so schnell und weitgehend wie möglich klimaneutral zu handeln und helfe durch die namentliche Veröffentlichung solchen Verhaltens via Berliner Appell mit, dass so zu handeln möglichst viele Nachahmer findet und schon bald PROFESSIONELLE NORMALITÄT wird, wie Martin Unfried es oben nannte, dass also ein entsprechender gesellschaftlicher Bewusstseinswandeln in Gang gebracht wird.

    Ein ebenso freundlicher Gruß zurück!
    Horst mehr weniger
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 03.02.2013 um 18:08
    Liebes Utopia-Thema, wo und wann genau habe ich klimaskeptische Kommentare gepostet. Ich habe lediglich wissenschaftlich belegte Quellen zitiert.

    Wir werden vielleicht noch erleben wie sich das alles weiter entwickelt.

    Guten Abend!
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 03.02.2013 um 18:04
    Maria_L: Ich wünsche mir einen angenehmen Dialog, auf leicht grantig wie ebenso polemisch unterlegte (würdet Ihr doch bei Euch sagen, oder) posts, die persönlich ausgelegt sind, kann ich gern verzichten, jetzt und auch zukünftig.
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 03.02.2013 um 18:02
    Dagmara, es gibt natürlich immer mehrere Beteiligte bei einer Diskussion. Unser Eindruck ist aber schon, dass nicht unmaßgeblich durch deine wiederholten klimasketischen Kommentare die Diskussion aus dem Ruder gelaufen ist. Das ist ein bisschen so, als würde man auf Utopia pro Atomkraft oder Gentechnik zu argumentieren und sich dann wundern, dass die anderen User das nicht gut finden.

    Die Grundsatzdebatte über den Klimawandel (die auch nicht Thema des Artikles ist) bitten wir an der Stelle zu beenden. mehr weniger
  • Bedenklichen Inhalt melden
    schrieb am 03.02.2013 um 17:50
    Maria_L: ich schlage vor, dass wir unseren persönlichen Dialog hier beenden, denn wenn es schon den Status beginnender Beleidigung erreicht hat, ist das wenig erbaulich und konstruktiv für alle Beteiligten.

    Guten Abend!
alle Kommentare (139)
Kommentar schreiben
(5000/5000)
Mehr zu Responsible Living
  1. Altmaiers Kurs: Ende oder Wende? Altmaiers Kurs: Ende oder Wende?

    Franz Alt stellt klar, warum die geplante Strompreis-Sicherung Deutschland nachhaltig schaden könnte und wohin Altmaiers Kurs tatsächlich führt.

  2. Schwarzfärberei Schwarzfärberei

    Das grüne Image der Outdoorbranche bröckelt. Wieder wurden gefährliche Chemikalien in Funktionsjacken nachgewiesen – obendrein verhindern die Hersteller die Offenlegung der Daten

  3. DETOX - Eine digitale Erfolgsgeschichte DETOX - Eine digitale Erfolgsgeschichte

    Greenpeace zeigt, wie man heutzutage in kurzer Zeit fast eine komplette Branche zum Umdenken bewegen kann.