Ein wichtiger Mensch, in unserem Fall einer, der hauptberuflich gegen Bälle tritt, gibt sein Gesicht und seinen Namen für ein Produkt her und heißt es damit gut. Das Unternehmen, das dieses produziert, zahlt dem prominenten Balltreter dafür Geld, hofft aber mit seinem Gesicht und seinem Namen mehr von seinem Produkt zu verkaufen. Werbung mit sogenannten Testimonials ist eine seltsame Sache – erst recht wenn man bedenkt, das nahezu jedermann weiß, dass es sich um ebendies handelt: bezahlte Werbung.
Testimonial-Werbung – ein fragwürdiger bezahlter Gesichtsverlust
Kaum jemand wird glauben, dass sich Stars mit den beworbenen Produkten auf Bildschirmen und Druckerzeugnissen zeigen, weil sie ihnen tatsächlich vollkommen erlegen sind, ständig damit zu sehen wären und kaum ohne sie leben könnten. Oder leidet diese Einschätzung an Überschätzung und der Durchschnittsbürger sitzt mit zutraulichen Augen vor dem Fernseher, ist imponiert von Schweinis Leidenschaft für eine Taschen-Wurst und hält diese sogleich für gute Sache? Wir wollen es nicht hoffen. Gewiss könnte man dem angezweifelten Werbenutzen auch mit psychologischen Argumenten widersprechen: Die Werbebotschaft würde die Wurst über den Umweg des Unbewussten quasi direkt im Magen des Empfängers platzieren. Darüber lässt sich streiten.
Gesucht: Werbe-Alternativen für Schweinis Taschen-Wurst
Interessanter aber ist der Blick auf die andere Seite des Werbekanons, auf die Dinge, für die unsere Fußballstars werben. Den Vogel abgeschossen hat letzte Woche kein Fußballspieler, sondern ein Verein: Werder Bremen hat Deutschlands verschrieensten Geflügel-Produzenten Wiesenhof als Hauptsponsor präsentiert. Aber auch bei den persönlichen Werbeverträgen handelt es sich meist um Taschen-Würste und andere Unsäglichkeiten, die beworben werden. Selbstverständlich drängt sich die Frage auf, warum es den jungen, bestverdienensten Männern wert ist, für noch mehr Geld ihr Gesicht an ein Produkt zu verlieren. Die naheliegenste Antwort ist so banal, dass man sie lieber in allegorische Worte gepackt liest: "Der Reichtum gleicht dem Seewasser; je mehr man davon trinkt, desto durstiger wird man - dasselbe gilt vom Ruhm". (Arthur Schopenhauer).
In der Galerie zeigen wir, für welche Produkte Schweini und Co. und ihren Kopf hinhalten. Die meisten konnten ihr Gesicht leider nicht nach unserem Geschmack wahren, haben üble Werbe-Fouls begangen und bekommen von uns darum einen alternativen Werbevorschlag an die Seite.
Die unverhältnismäßig vielen Bayern-Spieler haben ihren Platz in der Galerie übrigens nicht aufgrund von persönlichen Vor- oder Unlieben gefunden. Andere deutsche Stars wie Mats Hummels (Dortmund) haben ihr Gesicht bisher „nur“ als Nutella-Boys für den DFB hergeben. Mezut Özil (Real Madrid) hingegen möchte nach eigener Aussage „so wenig Werbung wie möglich machen“, was auch immer das genau bedeuten mag.
Welches Werbefoul oder welches gute Beispiel fehlt Ihnen in unserer Galerie und für welches Produkt sollten die Fußballstars Ihrer Meinung nach lieber ihr Gesicht hergeben – oder doch lieber gar nicht werben?
Diese Woche auf Utopia.de.
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Liebes Werder Bremen, ich mag dich nicht mehr – ein wehmütiger Abschiedsbrief


Kommentare (55)
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Aber cool, dass Lukas Podolski für Solarenergie wirbt. Der war mir schon immer sympathisch *g*.
Find ich vom Poldi auch gut..
Der Inhalt der Solarstrom-Werbung, egal ob mit ihm oder J.R., war aber leicht irreführend. "Eigenstrom" wurde schon beworben, als es ihn so noch gar nicht gab und um TV zu sehen, wenn in der Straße, während des Fussballspieles der Strom ausfällt, bedarf es auch einiger Technik mehr - die dann mit Wirtschaftlichkeit nichts mehr zu tun hat...
Mich hat übrigens bei der ganzen EM auch die Fastfood und Softdrink Dauerberieselung gestört.
Ich kann mich leider nur daran erinnern, dass sich vor der Frauenfußball-Wm in Deutschland einige Spielerinnen für den Playboy ausgezogen haben, das gabe eine Debatte.
Die Sportler sind Vorbilder für Kinder und wenn die Chips essen, dürfen Kinder das auch???
Viele Kinder kennen heute die Urformen vieler Obst- und Gemüsesorten nicht mehr. Es wird einfach eine Tüte mit sonstigem Inhalt - schmeckt auch alles gleich - aufgerissen.
Diese Sportler haben für viele Kinder eine Vorbildfunktion, auch was den Ernährungsaspekt angeht.
Ist es denn so schlimm, für zb heimische Obst- und Gemüsesorten bzw. für gesunde Ernährung zu werben? Es ist so lecker, abwechslungsreich und man erlebt so viele unterschiedliche Aromen....
Außerdem wird man so auch im Bereich Nachhaltigkeit aktiv. Weniger Verpackungsmaterialien, kürzere Lieferwege und -zeiten.
Ich erinnere an eine Werbekampagne: "Esst mehr Obt. Und ihr bleibt gesund!"
Was ist daraus eigentlich geworden?
(btw: ich esse seit fast 20Jahren kein Fleisch und kaufe saisonal und regional ein. Fertigprodukte konsumiere ich nicht.)
guter Vorschlag – die "Mann ist das ne Wurst"-Werbung hätte es verdient. Ich werde sie mir für die Galerie "Die ekligsten Fleisch-Werbungen" vormerken.
Viele Grüße!
„Ich spiele nicht, um Werbung zu machen. Und ich werbe nur für Produkte, mit denen ich mich identifizieren kann“.
Laut Artikel hat er damals in kurzer Zeit 15 Werbeangebote abgelehnt. Schau an, schau an ...
http://www.goal.com/de/news/839/primera-division/2010/11/17/2218113/mesut-%C3%B6zil-sagt-zu-15-firmen-nein-ich-spiele-nicht-um-werbung-zu-
"Ich kenne keinen Vegetarier im Fußball"
Im Ernst, ich glaube wenn man sich seiner Vorbildfunktion bewusst ist und ein bißchen über Auswirkung von Werbung und eben Konsum nachgedacht hat, überlegt man sich sehr wofür man Werbung macht. Warum soll man sich denn verkaufen, wenn man ohnehin nicht am Hungertuch nagt?
Aber dass diese Menschen eine Vorbildfunktion einnehmen ist ein Fakt und um genau dieser gerecht zu werden, sollten sie eben ein Stück weiter zu denken bereit sein als bis zu ihrem Geldbeutel oder ihrem Imageberater. Aus gesellschaftlicher Verantwortung. Weil sie wissen, dass viele sehen, was sie machen oder kaufen, wofür sie werben. Das sind Multiplikatoren die mit ganz wenig Aufwand viel erreichen könnten. Aber leider setzen diesen Trumpf die allerwenigsten ein.
hui - von oben herab? Oben ist doch wohl eher da, wo die Fußball-Millionäre stehen und nicht wir, die wir fragwürdige Werbung kritisieren. Podolski (den ich NICHT kritisiere) war mir bisher nicht als Intellektueller aufgefallen und trotzdem sucht er sich weitaus sympathischere Werbepartner als Schweini, der dem "Schweinischen" (Bifi, Currywurst-Chips) ja leider extrem zugetan scheint.
Außerdem, was ist so schlimm an Bifi oder Coca Cola. Wahrscheinlich nicht gerade das gesündeste Essen, aber es gibt wohl schlimmere.
http://www.faz.net/aktuell/rhein-main/nach-fraport-krombacher-wird-hauptsponsor-bei-eintracht-frankfurt-11825150.html
Franz Beckenbauer warb für Erdinger:
http://de.wikipedia.org/wiki/Erdinger_Wei%C3%9Fbr%C3%A4u
@ceixo: Cola hat nicht nur einen hohen Zuckergehalt, sondern auch Phosphorsäure, tierisch:) ungesund:lesenswert:
http://de.wikipedia.org/wiki/Cola
Ja, Cola ist ungesünder als Bier. Bier gilt,allerdings in in Maßen genossen, als Nieren-durchspülend. Der hohe Zuckergehalt in Cola dagegen macht Kindern schon die Zähne kaputt! Cola, das Übel-Massengetränk...Und Bier sollten Kinder ja nun nicht trinken:)
Jetzt hab ich ja glatt "Schweinheilig" gelesen vor lauter Schweini hier, Schweini da...;-)
Fast jeder hat mittlerweile Internet, und es könnte Muss-Portale geben,so nach Art Stiftung Warentest o.ä., wo jeder zu jedem Produkt seine Meinung abgeben kann.
Wegfallen würden die immensen Kosten für Werbung, die letzendlich ein paar "Stars" einstecken, oder die Firmen anderweitig ausgeben, und sie natürlich in den Preis des Produktes einfliessen lassen. Und den Preis bezahlt dann ja jeder einzelne.
Man könnte Gelder besser für Produktforschung ausgeben.
Und der Werbeeffekt, wenn viele Unknown-Menschen ein Produkt als gut bewerten, das sie kaufen, ist doch fairer, als wenn Masse- Unknown-Menschen beeinflusst werden: Wow, Schweini isst Bifi, ich mag Schweini und der ist ein Star, wenn ich Bifi esse, bin ich toll! Ich fand diese dummen Werbeunbewusstheiten schon immer soooo platt.
Ich will damit nicht sagen, dass ich Spaß an Schweineschmalz in Chips habe. Ich bin auch seit vielen Jahren Vegetarier und inzwischen weitgehend vegan lebend. Ich bin auch kein ausgesprochener Fan des Kommerzes um gedopte Leistungssportler. Aber diese Diskussion darf nicht als fragile Demontage von Identifikationsfiguren geführt werden, die mit nicht weitergehend bescholtenen Werbepartnern (vielleicht außer Müller und Bild) ihren kargen ;-) Lohn auffrischen. Da wurden im Form doch noch ein paar interessantere kritische Werbepartner genannt. Dürfen tut man natürlich vieles. Aber ich finde das höchst unglaubwürdig und distanziere mich hiermit als Utopist von diesem ungeschickten und peinlichen Manöver.
Utopia macht seit Jahren den (zugegebener Maßen) schwierigen Spagat, sowohl die kleinen grünen Vorzeigeunternehmen mit uns Boot zu holen, als auch große Unternehmen, bei denen es naturgemäß Kritikpunkte gibt. REWE als großes Unternehmen stellt sich dem Dialog und da werden mitunter sehr kritische Fragen gestellt, öffentlich nachlesbar ( http://www.utopia.de/profile/REWE+Group/fragen ) für jeden, der sich informieren möchte. Was ist deiner Meinung nach skandalös daran, wenn in der Bildergalerie auf eine Abstimmung velrinkt, wo die Utopisten selbst (!) REWE zum zweitbesten Supermarkt gewählt haben?
"Demontage von Identifikationsfiguren" - Nachfrage: bist du der Ansicht, dass Profifußballer Identifikationsfiguren für Utopisten sind und wir diese nun "demontiert" haben?
dazu eine Anmerkung: Wenn Utopisten Rewe zum zweitbesten Supermarkt wählen, sollte das nicht so interpretiert werden, als sei Rewe ein tolles Unternehmen. Es gibt einfach im Supermarktsegment nicht viel Auswahl. Am Ende wirbt noch Rewe mit solchen Ergebnissen.
Wir könnten jetzt ausführlich über Supermärkte versus Naturkostladen um die Ecke diskutieren. Dabei sollte man aber bedenken: auch wenn sicher viele Utopisten häufig im Naturkostladen oder auf dem Wochenmarkt einkaufen, die große Masse geht weiterhin in den Supermarkt.
Aber wenn ich Personen der Öffentlichkeit (oder "Normalbürger") schwach anrede (und weniger ist die Form der Marketing-Kritik nicht), dann wird bei diesen Personen, bei ihren Fans und bei anderen Beobachtern diese Botschaft ankommen. Und wenn ich dann lese, die "Werbesünde" eines "Scweini"(wir sind ja perdu) bestünde darin, eine komische Wurst zu bewerben und das würde zu seinem Namen passen, dann ist das einerseits unter der Gürtellinie, aber andererseits so vollkommen an den Haaren herbeigezogen, dass ich mich dafür nur schämen würde. Was will ich denn von "Schweini" und was will ich von "Bifi"?
Ich bin wie gesagt kein Wurstfreund, aber die Diskussion um Fleischverzehr so plump in unverständliche Angriffe zu gießen, kostet Utopia, die Veganer und andere für eine bessere Welt kämpfende Menschen Punkte in allen Diskussionen mit "Normalbürgern", die so etwas zurecht nur komisch finden. Bitte denkt etwas mehr nach, wenn Ihr Euch kritisch an Menschen und Unternehmen wendet.
Die Idee an sich, Stars zur Rechenschaft zu ziehen, wenn sie sich für düstere Unternehmen hergeben, finde ich übrigens durchaus interessant.
Der allgemein wichtige Tenor, dass Stars, die für die Öffentlichkeit eine Vorbildfunktion haben, diese auch positiver umsetzen sollten, ist doch klar.
Deine Ideen für andere Werbeobjekte der Stars wären?...
mir ist "Schweini" und die vermutlich langweilige Bifi-Werbung ziemlich egal (ich muss sie hoffentlich nicht ansehen, um mitreden zu können?). Ich denke auch, dass Herr Schweinsteiger von den "Beschuldigungen" keinen psychischen Schaden erleidet. Mir geht es in erster Linie darum, dass ich mich für die offiziellen Äußerungen der Community, der ich angehöre, nicht schämen muss. Wenn auf Facebook ein paar Leute über diesen ach so witzigen Witz mit der Schweinswurst lachen, ist das das eine. Aber Herr Schweinsteiger wird ja einer "Sünde" bezichtigt. Egal, wie tiefernst der Begriff "Sünde" gemeint ist, tritt Utopia damit belehrend auf und spielt Richter. Das alleine stößt bei mir schon etwas komisch auf, weil solche Art von Belehrungen wenigen Menschen gut zu Gesicht stehen.
Schiefe Dinge nüchtern aufzuzeigen ist da etwas anderes und den Ansatz, den Promis die Image-Folgen ihrer Werbekooperationen aufzuzeigen finde ich wie gesagt spannend. Aber vielleicht muss man für ein solches Unterfangen einfach ein bisschen mehr Mühe machen, damit der "Tritt gegen das Schienbein" sitzt, dass der Angeschossene sich am Ende selber fragt, ob er etwas ungeschickt kooperiert hat und nicht berechtigt kontern kann. So frage ich mich immer noch, was Schweinsteiger falsch gemacht hat. Ist es alleine das implizite Bekenntnis zum Fleischkonsum, den Schweinsteiger mit geschätzten 90% der Bevölkerung teilt?
Sollten "wir" Vegetarier und Veganer gegenüber Carnivoren so plumpes Unverständnis äußern, bauen wir uns unser Ghetto und werden auf vergleichbares Unverständnis auf der anderen Seite stoßen.
@Bassam.Tibi: Sie können gerne zweifeln. Ich würde mich auch nicht dafür schämen, Fleischesser zu sein, wenn ich es wäre. Ich bin Vegetarier. Ich schätze jedoch Katzen, Hunde und andere Raubtiere als Geschöpfe dieser Erde und ich pflege auch Freundschaft zu Menschen, die Fleisch essen.
Ich schätze den Einfluss eines Vegetariers, der auf einer Grillparty seine veganen Würstel neben die Fleischwürstel der anderen legt, ohne sich auf ethische Diskussionen einzulassen, größer ein, als wenn er den anderen Grillgästen etwas über "Tiermörder" erzählen würde. Nach meiner Erfahrung fangen die dann von selber an, über das Thema Massentierhaltung und Tierquälerei zu diskutieren. Das will ich denen nicht abnehmen.
Ich stimme auch darin mit dir überein, dass Bifi ja wohl echt nicht so schlimm ist.
Dass sie behaupten, Veganer zu sein kann man doch beweifeln.Entschuldigung!
Niemand kommt im heutigen Sportgeschehen nach oben, weil er moralisch integer ist.
Ich kann nicht nachvollziehen, wie man drauf kommen kann, daß Sport- und sonstige Stars automatisch eine Vorbildfunktion haben?
Naja, hängt vermutlich mal wieder mit meiner Jahrzehntelangen Fernseh-Abstinenz zusammen, daß ich das nicht verstehe...
@Maria_L: bei deinem Denken solch ein Satz?:
"Ich kann nicht nachvollziehen, wie man drauf kommen kann, daß Sport- und sonstige Stars automatisch eine Vorbildfunktion haben?"
Ein Star hat immer viele Unknown-Fans,wirkt auf viele Menschen, die ihn entsprechend anhimmeln und sich unbewusst identifizieren mit Werten Desjemigen. Schon alleine, weil ein Star Menschen beeinflussen kann und auch tut über seine Öffentlichkeitswirkung, sollte er sich seiner eben doch automatischen Vorbildfunktion bewusst sein! Vorbild ist ein Star meines Erachtens immer, nur Vorbild kann auch schlecht sein, wenn besagter Star in "dunkle Gefilde" abgleitet!
Was das mit Fernsehabstinenz zu tun hat, verstehe ich nicht. Und vor allem, wenn man deinen Anfangssatz liest. Demnach weißt du sehr genau, was im Sportgeschehen los ist?
Das wundert mich jetzt, daß Dich das wundert ;-)
"Ein Star hat immer viele Unknown-Fans,wirkt auf viele Menschen, die ihn entsprechend anhimmeln und sich unbewusst identifizieren mit Werten Desjemigen"
Ja, genau darin liegt das Problem...die Stars, die kritiklos angehimmelt werden, weil sie "cool" sind, spiegeln doch nur die ganze Misere wieder.
"sollte er sich seiner eben doch automatischen Vorbildfunktion bewusst sein"
Ja klar, schön wäre es.
Es ist aber die Quadratur des Kreises:
Ein Star, der sich entscheidet, Vernunft walten zu lassen, statt seine Sponsoren und den Mainstream zu bedienen, wird die längste Zeit Star gewesen sein, zumindest im Sport.
Vermute ich einfach mal, w e i l ich auch ohne Fernseher besser informiert bin, als ich unbedingt haben müßte.
Wenn Sportereignisse stattfinden, wie Olympiade oder Fußball EM, dann werde ich ja auch via Radio zwangsinformiert oder lese doch mal einen Artikel in der Süddeutschen Online.
Und wie uns unser allseits hochgeschätzer Bhellweg immer wieder vorrechnet, sind halt nun mal Wiesenhof-Hähnchen noch immer höher im Kurs, als Gemüse oder Tofu.
Mit der Fernsehabstinenz hat das Folgendes zu tun:
Schon als Kind stand ich recht hilflos daneben, wenn meine Klassenkameraden irgendwelche Stars angehimmelt haben, die ich nicht mal kannte.
Und wenn sich jemand die Mühe gemacht hat, mir zu erklären, was an denen so toll ist, dann konnte ich das nicht nachvollziehen und fand diese ganzen Vorbilder ziehmlich doof.
OK, vielleicht fand ich die eine oder andere Musik ganz gut.
Aber deswegen wäre ich nicht auf die Idee gekommen, deren Verhalten in Bezug auf Kleidung oder Essen zu kopieren und die als Vorbild zu sehen.
Ich hatte ganz andere Vorbilder aus meinem näheren Umfeld und später als selbständigere Jugendliche dann aus den Bereichen, die mich interessiert haben, Tiere, Bio, Naturschutz, Fotografieren ect.
Ich kann's bis heute nicht nachvollziehen, wenn man den Sport- und Starbetrieb so ernst nimmt.
Ändert natürlich nichts an der Tatsache, daß ich es auch toll finde, wenn eine Person von großem öffentlichem Interesse sich zu nachhaltigen Themen bekennt.
Aber ich kann es so einem Sportler nicht mal übel nehmen, wenn er lieber für Bifi wirbt, als für Tofu, weil er in der Szene überleben will.
Ich muß ihn nur nicht dafür bewundern und versuche mir den ganzen Betrieb irgendwie fern zu halten.
Und es zeigt auch, wie leicht man auch bei der Kritik am Moralismus in dessen Fallstricke geraten kann. Ich bin nicht so dumm wie die, die Stars anhimmeln, also enthebt mich das aus gesellschaftlicher Mitverantwortung für die Vorbildwirkung ihrer Reklametätigkeiten?
Wie soll der Ausgang aus der UNverschuldeten (den Systemzwängen des Kapitalismus geschuldeten) Unmündigkeit gefunden werden, wenn die Systemzwänge zur Rechtfertigung der selbst mitverschuldeten Anteile am falschen Leben herangezogen werden?
Interessant, wie geht das?
Ich sehe tatsächlich keine andere Form meine Mitverantwortlichkeit auszuüben, als diesen Betrieb zu boykottieren.
Bin erstaunt, daß Du in meine Aussage Rechtfertigung reininterpretierst...
Soweit ich das sehe, sind die Sportler doch nur winzige Rädchen in einer riesigen Maschinerie, bei der es um nichts als Geld geht.
Was ist denn ein Sportler ohne Förderung, Sponsoren, Manager?
Wieviel Prozent Erfolg macht Talent aus, wieviel Wohlverhalten?
Ich sehe nicht, wie man einerseits diese Form von Leistungssport als Zuschauer konsumieren kann, und sich gleichzeitig drüber aufregen, daß die Sportler sich so verhalten, wie von ihnen verlangt wird.
Das erscheint mir irgendwie schweinheilig...ehhhhh...sorry...scheinheilig.
Ich hab nen Ohrwurm ;-)