Gute Fragen
zurück zur Frage „Worauf warten eigentlich alle?“
Warten auf Godot - ist das nicht, was alle tun? Ernsthafter: Die Plädoyers fürs "bei sich selbst anfangen" wiederholen sich - auch bei Utopia - ja immer wieder (hab das gerade mal sogar per Ecosia recherchiert), daher wiederhole ich einfach mal auch eine Antwort von mir dazu:
Das Bei-sich-selbst-anfangen halte ich ... nicht für einen Wiederspruch dazu, als versuchsweise mündiger Bürger .a.k.t.i.v. an demokratischen, öffentlichen Prozessen teilzunehmen, und dazu gehört auch sich zu informieren und offen Kritik zu üben und vieles mehr an politischer Tätgikeit, und dies mit einem .w.e.l.t.bürgerlichen Horizont - soweit es zeitlich überhaupt möglich ist. Auch in dieser Hinsicht müssten wir (je nachdem wie sehr wir das jeweils bisher vernachlässigen, der eine sicher weniger, als der andere) bei uns selbst anfangen, bzw weitermachen: Politisch kompetenter und aktiver werden.
Soweit das Zitat. Darüber hinaus: Die Beteiligung an Abstimmungen (z.b. Volksentscheid) oder Wahlen (von kommunal bis hin zur EU-Parlaments-Ebene) ist überhaupt nicht gleichzusetzen mit einem "Warten" bis "die Politik" etwas tut, sondern .i.s.t. bereits ein Tun, ein politischer Akt. Ebenso eine Beteiligung an Aufrufen / Petitionen / Protestaktionen etc.
Vieles lässt sich zudem gar nicht einfach nur zuerst privat persönlich individuell ändern Beispiel: Abschaffung von bleihaltigem Benzin (das es tatsächlich früher gegeben hat) Mein Vater (der mit dem Pkw 12 km zur Arbeit fahren musste, auch Nachtschicht und sehr anstrengend, so dass er nicht so einfach mit dem Rad hätte fahren können) konnte z.B. nicht einfach sagen "Ich fange bei mir an und fahre ab morgen bleifrei". Bleihaltiges Benzin wurde per politischen Beschluss verboten (nachdem viele Menschen auf viele Weise es kritisiert hatten - als Privatperson, als Wissenschaftler u.s.w.)
Anders Beispiel für die Grenzen dieses Grundsatzes Erdgasabfackelung: Ich kann da nicht bei mir anfangen, denn ich tue das nicht. Ich kaufe auch selber kein Erdgas, nutze allerdings indirekt auf viele Weise Produkte der Erdölindustrie, z.B. meine Tastatur ist außen aus Plastik, Fahrradwege oft geteert u.s.w u.s.w. aber "bei mir anfangen" macht da nicht viel Sinn. Ich protestiere daher öffentlich (z.B. über Parteien, NGOs u.s.w.) dagegen und fordere die Unternehmen, die das tun, dazu auf, es endlich zu unterlassen.
Ich hoffe, meine Punkte sind klar geworden (es gäbe noch eine vielzahl von Beispielen), plädiere daher für einen mehrdimensionalen / multidimensionalen Ansatz, der ganz persönliches Bei-sich-selbst-anfangen in verschiedenen Bereichen (Energiesparen (Heizmaterial, Elektrizität, Treibstoff (auch bzgl Reisen) etc), möglichst nicht unsinnig viel einkaufen, auf fairtrade und bio Siegel achten u.s.w.) miteinschließt
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