Gute Fragen
-
Wie sensibilisiert ihr eure Mitmenschen?
Ich bin immer ein wenig sprachlos über die Ignoranz, die einem entgegenschlägt, wenn man bestimmte Themen anspricht. Ich bekomme dann eigentlich fast immer den Kommentar: "Ja, das ist ja auch nicht schön, ich find das auch nicht gut, aber nur weil ich das dann nicht mehr kaufe, ändert sich da auch nichts! Das macht keinen Unterschied!"
Gefragt von
Die meisten Leute begreifen nicht (oder sie wollen es nicht), dass man auch im Kleinen was ändern kann. Schafft ihr es, eure Mitmenschen zum Nachdenken anzuregen? Und wenn ja, wie?
Ich kriegs einfach nicht in meinen Kopf, wie man sich als tierlieb bezeichnen und gleichzeitg Plätzchen mit Käfigeiern kaufen kann. Wie man selbst Kinder haben und gleichzeitig Schokolade aus Kinderarbeit konsumieren kann.
Wie bringt ihr eure Mitmenschen dazu, wenigstens mal drüber nachzudenken, ob sie etwas an ihrem Konsumverhalten ändern können? Wenns auch in klitzekleinen Schritten ist....
Ich bin für jede Antwort dankbar!Steufelchen
am 11.Januar, 15:24 | 17 Antworten
Antworten (17)
Frage abonnieren
-
Ich weiß nicht, wie erfolgreich ich dabei bin, aber ich versuche folgendes:
Beantwortet von Anke H am 12.Januar, 11:00 Alle Kommentare(2)
Erstens: Nie den erhobenen Ökozeigefinger - das ging ja schon in den 80ern schief und ich würde es selbst auch nicht mögen.
Zweitens: Keine Belehrungen, sondern Nebenbeierwähnungen im Sinne von: "Ich hab da neulich einen Film gesehen, der hat mich tierisch aufgeregt. Wusstest Du, dass ....? (Thema Plastik / Käfighaltung / Kakaoplantagen usw.).
Ich denke, die Leute ändern am ehesten etwas, wenn Sie denken, sie seien von selbst darauf gekommen oder wenn sie annehmen, das für sie neue Verhalten sei ganz normal und etliche andere würden das auch schon machen. Der Mensch ist ein Herdentier, er hat seinen Stolz und er ist bequem.
Zu letzterem eine Anekdote aus unserem Haushalt: Ich habe neulich ein älteres, männliches Mitglied unseres Haushalts gebeten, ein Päckchen Sahne mitzubringen. Wir haben seit mindestens 15 Jahren nur Bio-Sahne in unserem Kühlschrank stehen. Ratet mal, was er stattdessen mitgebracht hat... Das sind die Momente, in denen ich dann auch resigniere.
Aber ich gebe nicht auf. Ich habe einer sehr wenig betuchten Freundin eine persönliche Energiesparberatung zu Weihnachten geschenkt, nachdem ich mehrfach gesehen habe (und gleich kommentiert habe), wie sie auf einer großen Herdplatte in einem kleinen Topf und ohne Deckel Wasser zum Kochen brachte. Und sie hat sich über das Angebot gefreut, sie hätte ja so eine hohe Stromrechnung.
Antwort kommentieren
-
Mitmenschen dazu gewinnen für ihre Träume zu kämpfen macht mir grundsätzlich Spaß. Ihr müsst aber deren Träume kennen! Das heißt irgendwem einfach zu labern, wie wichtig es ist veganer zu sein, hilft niemanden, das geht zum einen Ohr rein zum anderen raus. Erst müssen wir die Menschen kennen lernen und schaun, wo wollen sie die Welt verbessern. Wenn wir das wissen, können wir Antworten geben. Aber erst braucht es ne Frage.
Beantwortet von wellemut am 22.Januar, 11:11
Ihr könnte aber von euren eigenen Träumen erzählen, von eurem Kampf für eine schöne Umwelt! Und ihr könnt jeden dazu einladen mit zu träumen und diesen Traum real werden zu lassen, doch ihr könnt niemanden euren Traum aufzwingen, denn Menschen sind individualisten und eben keine Herdentiere. Vielleicht schafft ihr es auch, den Menschen die nötige Individuelle Kraft zu geben, sich gegen den Strom zu stellen.
Grundsätzlich braucht ihr nur dann kritisieren, wenn ihr wirklich konkrete Zahlen, mit den nötigen Quellenangaben im Kopf habt und Fakten nennen könnt warum etwas schlecht ist. Und kritisiert nur, wenn ihr wisst, dass der andere willentlich dagegen ist. Wenn jemand Fleisch ist, und ihr sagt ihm dass er damit das Klima kaputt macht (was ja nichts mit Fleischessen, höchstens mit der Produktionsweise von ein paar Herstellern zu tun hat) wird er höchstens verärgert und denk sich "was will der Depp eigentlich von mir"
Am besten und am meisten Spaß macht es, wenn ihr auf positive Dinge hinweist. "Das Felisch von diesem Bioladen wurde vollständig von Weidetieren aus unserer Region gemacht!" etc.
Wenn mir jemand vorjammert, wie schlimm die Welt und wie ignorant ich bin, dann höre ich meistens einfach weg, weil ich weiß, der Mensch hat genauso wenig Ahnung wie ich , wie wir es besser machen könnten.
Wenn mir aber jemand sagt, ich habe ihr eine Geniale Lösung und damit komme ich meinem Traum einer bunten Welt etwas näher, dann interessiert das mich doch.
Jeder Mensch möchte ein schönes leben und sucht lösungen dafür! Bisher bin ich niemandem begegnet, der die Welt zerstören wollte. Aber vielen die nicht wussten, wie man das verhindert. Also geben wir Ideen.
http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/psychologie-und-uberzeugungsarbeit
Mein blog: www.zeitzusammen.com-
"Ich glaube es kommt das, für was wir uns einsetzten. Und das hängt im Wesentlichen von unserer...mehr
Uwe-Sievers am 26.Januar, 14:52
Antwort kommentieren
-
-
Ich empfehle an dieser Stelle einen Vortrag von Mahi Klosterhafen von der Albert-Schweizer-Stiftung über das Gewinnen von Mitmenschen für unsere Sache unter Berücksichtigung von einfachen Grundkenntnissen der Psychologie:
Beantwortet von Henning21 am 12.Januar, 14:58
http://albert-schweitzer-stiftung.de/aktuell/psychologie-und-uberzeugungsarbeit
Man sieht generell nur, was man weiß. Wenn man auf bestimmte Verhaltensmuster sensibilisiert reagiert, mag die Erfolgsquote in der Überzeugungsarbeit höher sein - oder schlichtweg die Akzeptanz für den andersartigen Weg, den man selber eingeschlagen hat und der für andere (noch) undenkbar erscheinen mag.
Vor allem diese Akzeptanz meiner Mitmenschen gegenüber meinen Entscheidungen im Leben fehlt mir persönlich sehr stark, seit ich wieder in Europa bin...
Beste Grüße!
Henning
Antwort kommentieren
-
Hallo Steufelchen,
Beantwortet von mela am 11.Januar, 16:50
mir geht es da wie dir. So richtig in Diskussionen gehe ich eigentlich nur mit Menschen, denen ich näher stehe, also Freunde. Zumindest zum Nachdenken bringt man die Leute schon durch eine Diskussion. Wenn du jemanden fragst, ob er keinen Widerspruch sieht zwischen Verhalten und eigentlicher Einstellung. Sie sind gezwungen, ihre Position zu nennen und zu begründen.
Heißt aber nicht, ob sie etwas ändern. In den Diskussionen hat sich bisher keiner so geäußert, dass er von nun an Dinge ändern wird. Das höchste der Gefühle ist sowas wie "eigentlich stimmts ja".
Eine Freundin hat mir mal erklärt, dass ihr der Preis der Eier wichtiger ist, als die Haltungsform. Nach längerer Diskussion und Erörterung. Eiskalt. Da hab ich mich schon gefragt, ob ich mit so jemandem überhaupt befreundet sein will. Wenn ich zu Besuch bin, kauft sie dann mir zu liebe auch mal Biomilch.
Ein Freund hat ehr den Ansatz 80/20. Er steht von der Theorie her voll auf meiner Seite, jedoch kostet es ihn zu viel Aufwand, auf jedes Detail zu achten und ggf zu verzichten. Also versucht er, die "einfachen" 80% seiner Kaufentscheidungen nach Umweltgesichtspunkten zu tätigen (in erster Linie Lebensmittel und Verkehr). Ich glaube Maria_L hat einen ähnlichen Ansatz.
Mir persönlich fällt es trotzdem schwer, so etwas zu verstehen. Wenn ich den Film schmutzige Schokolade gesehen habe, kann die Milka Schokolade noch so verlockend im Regal liegen.
Muss aber zugeben, dass ich sie auch nicht ablehne, wenn sie mir irgendwo zu Gast angeboten wird (also vielleicht der 95/5-Ansatz). 100% ist wirklich schwer.
Habe den Film nun mal verschickt, vielleicht ist er ja überzeugender als meine Worte. Werde berichten, wie die Reaktionen waren.
viele Grüße
mela-
Filme oder Videos haben einen größeren Einfluss auf uns Menschen als Gespräche und Fakten. Wenn...mehr
Uwe-Sievers am 26.Januar, 14:20 -
Antwort kommentieren
-
-
Welch spannende Frage!
Beantwortet von sedmikraska am 13.Januar, 01:01
Wohl glaube ich auch, wie einige Andere in ihren Vorreden, dass es sehr wichtig ist, den Menschen Raum zur eigenen Meinung zu geben.
Wenn es allerdings so scheint, als nehme jemand selbst noch nicht einmal diesen Raum zum Selbstdenken, fühle ich mich zum 'Impuls geben' geradezu moralisch verpflichtet.
Das sind dann schon die extremen Fälle, in denen ich dann schon höflich aber auch klar, einen Gedanken weitergebe. Wie z.B. im Supermarkt bei Käfigeiern oder Kinderzwangsarbeitsschokolade von Milka & Co. Bislang haben sich dann stets für mich erstaunlich viele umentschieden. Bis auf ein Rentnerpaar, dass die Schoki mit der Begründung, die Milka sei ja nicht für sie, dennoch einsteckte (ja, wahrscheinlich dann für Enkel - welch Ironie!).
Ehrlich gesagt, verwundert mich auch dieser 'Erfolg' (mag sein, dass der nicht von Dauer ist oder wenige Minuten später doch die Objekte der Begierde heimlich eingesteckt werden ;-)) bei fremden Menschen schon. Gerade in meinem näheren Umfeld wandelt sich dann nämlich langsam das Blatt:
Denn manchmal reicht es einfach schon aus, nur ich zu sein, ohne etwas zu sagen, um manche aufzuregen. So z.B. beim Grillen im eigenen Garten, wo dort doch ohne Moralpredigt auch Fleisch gegessen werden darf. Dennoch soll ich aber mein Ohr und wohl auch meine Backe für die allgemeine "Intoleranz der vegetarischen Menschen" hinhalten...Das sind dann auch die, die sich über Deutschlands 'Atomphobie' beklagen.
Fazit: Letztlich lässt es sich nicht einfach jedem Menschen recht machen - wohl aber mir selbst. Und ich möchte mich nicht stets mit Gedanken nach dem Motto 'hätte ich doch...' selbst quälen. Wann dieser Drang zur 'Tat schreiten zu müssen' erwächst scheint mir manchmal weniger wichtig, als dann danach zu handeln.
Vielleicht hilft's ja auch die Dinge nicht ganz so verbissen zu sehen:
Gerade erst vorgestern entwickelte sich eine tolle, unverkrampfte Situation an der Kasse.
Ich hatte gerade die Bio Milch für meinen betagten Nachbarn in den Händen. (Er weiß, er bekommt von mir keine andere eingekauft, und weiß mittlerweile gar zu schätzen, dass ich ja stets seine Dinge bio einkaufe.) In der Schlange weiter vorn hat eine Frau 'Die Faire Milch' im Korb liegen und mir fällt so halb ein Film zum Thema ein, dessen Essenz mir nicht mehr ganz parat war. Also fragte ich einfach freundlich , ob die Frau wisse, was der Ursprung dieser Milch sei. Wir fanden heraus, dass Milch von regionalen Bauern stammt, jedoch in größerer Entfernung verarbeitet und abgefüllt und dann wieder zurück in die Region in den Verkauf gebracht wird. Das passte wieder zu dem mir wieder einfallenden Filmbeitragsinhalten.
Zwischenzeitlich weckte dies auch das Interesse der zwischen uns wartenden Dame. So entwickelte sich ein ganz munteres Gespräch, das in der 'triumphierenden' Erklärung der zweiten auf den ersten Blick eher unbedarft wirkenden Dame gipfelte; sie habe einen Bericht über Antibiotika im Hühnerfleisch gesehen.
Im Verlauf ging es dann noch um Pestizide für Raps - E10 Sprit, dass sich selbst alte Menschen in ihren Gewohnheiten doch noch ändern können...
Erstaunlich wie viele Informationen sich beim Warten in der Kassenschlange, für alle hörbar, austauschen lassen :-).-
-
Hallo mela, das hört sich so an, als ob Du selbst nicht recht weißt, ob Du froh oder unglücklich...mehr
sedmikraska am 24.Januar, 14:28
Antwort kommentieren
-
-
Meine Erfolge sind Themenabhängig. Zum Stromwechsel konnte ich 3 Personen überreden (weil mit Atomstrom kaum jemand noch in Verbindung gebracht werden möchte). Meine Taktik war, teilweise humorvolles aber auch teilweise immer mal wieder (also hartnäckiges) Nachfragen, bei denen die "irgendwann später mal wechseln wollten". Zur Reduzierung von Fleisch konnte ich 2-3 Personen überzeugen, Fair-Trade Kaffe/Schokolade (eher wenn ich sie einkaufe und mitbringe). Bei der Frage nach Reduzierung der tierischen Produkte (außer Fleisch) erreiche ich nichts - genauso bei meiner Nachfrage nach Bio/Fair-Kleidung. Wahrscheinlich weil Ökostrom und Bio-Eiermittlerweile zum "Guten Ton" gehören, wenn man nicht völlig uninteressiert, unpolitisch dastehen will, während Verzicht auf Milchprodukte und Ökotextlien noch nur den "Extrem-Ökos" (wie mir) zugerechnet werden.
Beantwortet von MarionL am 13.Januar, 13:59-
Dein Beispiel mit Kaffee / Schokolade finde ich sehr treffend: Einfach ein gutes Produkt mitbringen...mehr
sedmikraska am 13.Januar, 15:15
Antwort kommentieren
-
-
An einem Beispiel: Als ich meine Eltern erfolgreich überzeugt habe, zu Ökostrom zu wechseln, hab ich gezeigt, dass ich die Gründe (ob rationale oder nicht) für ihre bisherige Position zu verstehen versuche, insbesondere auch ihre bisherigen Gründe zu verstehen versucht habe, weshalb sie bis dahin noch nicht bei einem solchen Anbieter waren.
Beantwortet von berniewa am 13.Januar, 16:24
Außerdem habe ich gezeigt, dass ich grundsätzlich auch bereit bin, mich umgekehrt von ihrer Position überzeugen zu lassen, wenn sich herausstellen sollte, dass sie die besseren Gründe für sich hat.
(die Kriterien selbst, die entscheiden, was gute Gründe sind, wären ggf. indirekt auch in die Offenheit miteinzubeziehen; aber das ist ein hier erstmal zu komplexes Problem, das ich besser mal beiseite lasse)
Desweiteren habe ich versucht, nie polemisch zu werden, und auch vermieden,
die Welt schwarzweiß in gute und böse Menschen einzuteilen (z.B. böse Nichtökostrombezieher und gute Ökostrombezieher)
Soweit mein Beispiel mit ein paar Aspekten, die sicher auch auf andere Fälle übertragbar sind.
(manches davon überlappt sich mit anderen Statements, aber das macht ja nix, hoffe ich ;`))
Antwort kommentieren
-
Würde mich auch interessieren. Ich komme mir oft als Moralapostel und Spassbremse vor...
Beantwortet von nicolschele am 11.Januar, 15:25
Antwort kommentieren
-
Ähnliche Fragestellung :
Beantwortet von Robinson am 11.Januar, 16:09 Alle Kommentare(2)
http://www.utopia.de/gutefragen/fragen/wie-ueberzeugt-ihr-andere
Antwort kommentieren
-
Da ich davon überzeugt bin, dass die meisten Menschen sehr oft von einem Problem gehört/gelesen/gesehen haben müssen, damit sie nicht nur davon wissen, sondern damit es ihnen auch (permanent) bewusst ist, versuche ich immer und immer wieder zu informieren und Falschinformationen zu widerlegen.
Beantwortet von Dude am 12.Januar, 13:31
Ich versuche dabei den erhobenen Zeigefinger zu vermeiden. Vorhaltungen und Besserwisserei erzeugen nur eine Ablehnung beim Gegenüber, gegen die man nicht mehr ankommt. Vorleben und informieren (möglichst aus verschiedenen Quellen und mit verschiedenen Medien) ist da viel besser geeignet.
Antwort kommentieren
Sie haben eine passende Antwort? Dann immer her damit!
Bitte neu registrieren oder
anmelden um eine Antwort zu schreiben.
Neu: auch über
[?]

Manchmal hilft evtl auch ein Gedicht, z.B. hab ich mal folgendes geschrieben: Bio-Gas und -Öl...mehr
berniewa am 31.Januar, 21:26Kann ich von vorn bis hinten zustimmen!! Die Kunst der Überzeugung liegt darin den Menschen dazu...mehr
greenwocky am 17.Januar, 10:03