Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.

Gute Fragen

  • Anke H

    Was braucht man bei einem Auto?

    Bei der Opel-Ampera-Diskussion ist mir etwas aufgefallen. Was braucht man(n) heute wirklich bei einem Auto? Ich habe mich als "Gebrauchsfahrzeugfahrerin" geoutet und kundgetan, dass ich an unserem 12 Jahre alten Auto mag, dass es so wenig elektronischen Schnickschnack hat. Prompt bin ich eine Puristin.

    Ich finde den Sinn und Nutzen vieler elektronischer Komfortbausteine sehr fragwürdig, da sie sicher zum Spritverbrauch beitragen. Mal abgesehen von den Geschichten aus unserem Bekanntenkreis, wo die plötzliche Fehlfunktion mancher Komfortteile einen Riesenärger verursacht hat.

    Über bestimmte Dinge bin ich froh, dass es sie gibt (nicht nur beim Auto), auf andere Dinge kann ich locker verzichten, zumal sie mir manchmal sogar den Zugang zu den benötigten Funktionen erschweren.

    Sicher, es gibt Funktionen, die von manchen begrüßt werden. Aber müssen die gleich standardmäßig mit eingebaut werden?

    Zu einem nachhaltigen Lebensstil gehört für mich, dass man sich mal fragt, was man wirklich benötigt und was man bisher nicht benötigt hat, aber wirklich Sinn macht. Vor dreißig Jahren waren viele vom elektrischen Dosenöffner begeistert, der aber wirklich nur von Gelenkkrankheiten Geplagte benötigt wird. Der Akku-Tischstaubsauger hing bei meinen Eltern jahrelang unbenutzt an der Wand - brav in die Steckdose eingestöpselt.

    Mein Handy, welches ich danach ausgesucht habe, dass ich damit zuverlässig telefonieren und SMS schreiben kann, hat trotzdem noch gefühlte 99% (für mich) überflüssige Funktionen.

    Es ärgert mich einfach, dass man oft genötigt wird, sich mit Dingen herumzuschlagen, die man nicht braucht und die daher unnötig Energie kosten.

    Also, was brauchen wir wirklich?

    Gefragt von
    Anke H
    am 26.April 2012, 10:00 | 3 Antworten

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  • Marshavan

    Da fühle ich mich doch direkt mal angesprochen. Ich habe dich allerdings nicht als puristisch bezeichnet, lediglich als puristischer, als es die Zielgruppe des Opel Ampera erlaubt. Ich meinte das keinesfalls negativ oder gar böse.

    Zum Thema: Bei einem Auto braucht jeder was anderes. Der eine schwört auf Automatik, der andere findet Handschaltung toller. Einer wünscht sich elektrische Fensterheber (Robinson), der andere kurbelt lieber.
    Zum Stromverbrauch der einzelnen "Komfortelemente" empfehle ich immer folgenden Vergleich: Ein Durchschnittswagen produziert eine Leistung von irgendwas zwischen 50 und 100kW. nehmen wir als Mittel mal grob 80kW. Das sind 80.000 Watt. Diese 80.000 Watt werden durch Verbrennung des Kraftstoffes bereit gestellt, nehmen wir mal 8 Liter Benzin je 100km an. Desweiteren beziehen wir uns jetzt einfach mal auf eine Klimaanlage im Auto, die vielleicht 1kW, also 1000 Watt Leistungsaufnahme hat. Zusammen mit dem Motor kommen wir also jetzt auf 81.000 Watt, was einer Steigerung von 1,25% entspricht, die nun auch durch die Verbrennung des Kraftstoffes sichergestellt werden muss und in der einfachsten Rechnung jetzt 8,01 Liter je 100km entspricht. Erwiesenermaßen macht eine zu hohe Temperatur im Fahrzeuginneren Fahrzeugführer aggressiver, was sich auch auf den Fahrstil auswirken sollte. Nun muss man also abwägen, ob der Mehrverbrauch durch die Klimaanlage den Mehrverbrauch durch den aggressiveren Fahrstil aufwiegt oder nicht.

    Natürlich dienen die Zahlen nur zur Veranschaulichung, erheben keinen Anspruch auf Korrektheit, sondern dienen lediglich zum Verständnis der Größenordnungen, in denen wir uns bewegen. Auch ist mir klar, dass der Spritverbrauch nicht linear mit der Last steigt. Wie gesagt: einfache Rechnung zur Veranschaulichung.

    Ich selbst kopple meine Erwartungen an ein Auto immer auch an das Geld, das ich ausgeben will. Für 5.000€ erwarte ich keine Wunderdinge, für 20.000€ sollte schon einiges an Komfort dabei sein, um den Preis zu rechtfertigen. (alles Gebrauchtwagenpreise, Neuwagen sind im Moment irgendwie unsexy)

    Aus meinen Erfahrungen als Langstreckenpendler sind folgende "Gimmicks" recht hilfreich:
    - Tempomat
    - Radio
    - Klimaautomatik
    - etwas mehr Hubraum + entsprechende Leistung (>= 2.000cm³ bei Dieseln, minimum 100kW)
    - großer Kofferraum
    - bequeme Sitze.

    Natürlich ist das nicht repräsentativ, allerdings ist mein CO2-Abdruck trotzdem deutlich besser als der vieler anderer, weil mein Auto eigentlich nie mit weniger als drei Leuten besetzt ist - Mitfahrzentrale macht's möglich.
    Da ich jetzt aber nur noch Kurzstrecken pendle und dank des guten Wetters demnächst auch aufs Rad umstelle, kenne ich beide Seiten und kann auch beide verstehen. Ich glaube, ich könnte hier noch einige Seiten füllen und dabei nur mit mir selbst diskutieren...

    Beantwortet von Marshavan am 26.April 2012, 14:21
    • elise

      Die Alternativen zum Auto: ÖPNV, wunderbar, wenn man einen dichten Takt zur Verfügung hat und...mehr

      elise am 28.April 2012, 21:35
    • Robinson

      @mela "Für mich unverständlich: Man freut sich doch, wenn es draußen Sommer wird und mal 25°...mehr

      Robinson am 28.April 2012, 08:34
    Alle Kommentare(9) Antwort kommentieren
  • Robinson

    Es gibt doch Hersteller, die kaum Schnickschnack einbauen. Nicht der Umwelt wegen, sondern weil sie wissen, dass sie per Sonderzubehör mehr Umsatz und Gewinn machen, indem der Käufer nachordert.

    Ich wäre gern Purist, aber unser Gebrauchtwagen hatte Klimaanlage, elektr. Fensterheber und Alu-Felgen. Aber er passte ins Budget, alter Wagen wurde zum guten Preis genommen und der Wiederverkaufswert ist besser als bei einer nackten Grundausstattung.

    Navi habe ich erstmals ins Auto nachgerüstet, ich finde es spart Umwege, damit Zeit und Sprit. Die Stauwarnung funktioniert und die Fahrt auf der vorgeschlagenen Umleitung ist stressfrei. Und die Stimme ist so freundlich, je nach Ziel darf Mandy aus Sachsen, Markus aus Schwaben oder Maria aus Bayern ansagen. Verzichtbar, aber unterhaltsam. Per Bluetooth ersetzt mir das Navi die Freisprecheinrichtung.

    Sitzheizung hätte gern meine Frau, kennt sie von einer Freundin. ;-) Das wird beim nächsten Auto (hoffentlich nicht so schnell) bestimmt Streitpunkt.

    Automatische Fensterheber sind toll, bin drei Autos in 22 Jahren ohne gefahren. So kann man bequem ein sonnengeheiztes Auto in Sekunden durchlüften, das spart die Klima.

    Man braucht das alles nicht. Man braucht nur ein Fahrrad und ÖPNV. Beim Autokauf bekommt man leider nicht die Auswahl wie gewünscht, insbesondere bei den Gebrauchten, wer dafür in der Region herumfährt um den 100 Prozent puristischen Wagen zu finden, der völlig nackt ist, hat vielleicht sein Wunschauto gefunden, aber vielleicht die ganze Schnickschnack-Bilanz vorab per Suche "verfahren".

    Beim Ampera verstehe ich Opel, die wollen mit dem "Erstling" eine rundum und JEDEN überzeugende Alternative bieten, später kommen die abgespeckten u. günstigeren Modelle. M.E. legitim um den Markt mit richtiger "Kerntechnik" zu erobern.

    Beantwortet von Robinson am 26.April 2012, 13:14
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  • Dude

    Vielleicht sollte die Frage eher lauten: Was braucht man nicht bei einem Auto?

    Mal ein paar Dinge auflisten egal ob man sie braucht oder nicht:
    Einparkhilfe
    Sitzheizung
    Standheizung
    Klimaanlage
    Radio
    Navigationssytem
    Automatische Fensterheber
    Alu-Felgen
    ...

    Beantwortet von Dude am 26.April 2012, 11:21
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