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Gute Fragen

  • thechesser

    Tritan- Ein unbedenklicher Kunststoff???

    Hallo liebe Community,

    Meine Trinkflaschen waren bisher "Kleankanteen" aus Edelstahl, weil ich Plastil und Alu verweigere.
    Aber auch Edelstahl hat seine Nachteile (Preis, Gewicht, sehr kalt..), darum habe ich wieder recherchiert und bin auf den Kunststoff "Tritan" gestoßen, aus dem z.b. Nalgene seine Outdoorflaschen produziert.
    Tritan soll BPA-frei sein. Gelesen habe ich auch, dass außer BPA generell keine Weichmacher verwendet werden, ob das stimmt, weiß ich nicht.
    Des Weiteren beschäftigt mich hierzu eine Frage schon recht lange: Im Zusammenhang mit der Gesundheitsschädlichkeit von Plastik werden praktisch immer nur die Weichmacher erwähnt, jedoch nie Farbstoffe oder andere löslihe Zusätze. Könnt ihr dazu etwas sagen?

    Ich weiß, dass es hierzu schon einen Thread gibt, aber da kamen die Inhaltsstoffe nicht ausreichend genau heraus.
    Also: Wisst ihr, ob wirklich gar keine Weichmacher in Tritan enthalten sind? Und können da andere lösliche, bedenkliche Stoffe drinnen sein?
    Freue mich auf eure Antworten!

    Moritz

    Gefragt von
    thechesser
    am 02.Dezember 2012, 10:35 | 3 Antworten

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  • bastler

    Hi Moritz,

    vergiss Deine Weichmacher. Zwar ist im Internet die Meinung weit verbreitet, Plastik enthielte grundsätzlich auch Weichmacher; aber das Gegenteil ist richtig, denn kaum eine Kunststoffart enthält Weichmacher.
    Weichmacher werden zu über 90% zu Herstellung von Weich-PVC aus Hart-PVC verwendet, der Rest wandert in Farben, Lacke, Gummi, Klebstoffe und Arzneimittel.

    Bisphenol A (BPA) ist wiederum kein Weichmacher (auch wenn es als Antioxidationsmittel für Weichmacher dient), sondern eine chemische Grundsubstanz, aus der hauptsächlich die Kunststoffe Polycarbonat ("PC") und Epoxidharz hergestellt werden.

    Tritan besteht aus den gemeinschaftlich polymerisierten Monomeren Dimethylterephthalat, 1,4-Cyclohexanedimethanol und 2,2,4,4-Tetramethyl-1,3-Cyclobutanediol, nicht jedoch BPA.
    Insofern besteht auch keinerlei Grund zu der Annahme, Tritan enthielte BPA, und die Aussage, BPA-frei zu sein, so wie es in der Werbung des Herstellers (Eastman Chemicals) für Tritan herausgestellt wird, ist demzufolge ziemlich trivial, um nicht zu sagen, irreführend, denn wo sollte der Stoff auch herkommen?
    Eine Substanz, die BPA-frei ist, muss deswegen ja noch lange nicht frei von gesundheitsschädlichen Nebenwirkungen sein. Rattengift enthält beispielsweise auch kein BPA.

    Interessanter ist die Aussage von Eastman Chemicals, Tritan enthielte keinerlei Substanzen mit "estrogenic activity" (kurz: "EA". Auf deutsch: östrogenartige Wirkungen). Das will man durch Tests in eigenen Labors festgestellt haben. Den Wert derartiger Tests amerikanischer Großkonzerne sollte man allerdings nicht zu hoch bewerten. Wenn es darum geht, ein mögliches Milliardengeschäft nicht durch negative Testergebnisse zu vermasseln, ist die Motivation, realitätsnahe Untersuchungen durchzuführen, oft nicht sehr ausgeprägt.

    Nun hat eine Firma namens CertiChem in eigenen Untersuchungen durchaus östrogene Wirkungen von Tritan belegen können, was wiederum dazu führte, daß sie deswegen von Eastman Chemicals zivilrechtlich verklagt wurde (wobei es vmtl. auch um riesige Schadensersatzforderungen für Tritan-Umsatzeinbußen geht).
    Der Prozessbeginn soll Mitte 2013 sein.
    Details s.: http://www.foodqualitynews.com/Legislation/Lawsuit-battle-over-resin-used-in-plastic-packaging .

    Beantwortet von bastler am 03.Dezember 2012, 01:26
    • Alea

      PS: Bei Edelstahlflaschen auf Nickel-Freiheit achten... Nickelionen können z.B. durch säurehaltige...mehr

      Alea am 04.Juni 2013, 01:13
    • Alea

      Ergänzung zu Bastlers Hinweis: Habe mich auch schon mit dem Thema beschäftigt. Unter dem Link unten...mehr

      Alea am 03.Juni 2013, 23:27
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  • Nisang

    Zum 'amerikanischen Rechtssystem' fällt mir Ervin Brokovich ein, ein bemerkenswerter Film (obwohl Hollywood)!

    Beantwortet von Nisang am 10.Dezember 2012, 14:29
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  • Zebadger

    Hallo Moritz,

    kann da bastler nur beipflichten.

    Eine Anmerkung kann ich mir trotzdem nicht verkneifen: was meinst Du mit unbedenklich? Unbedenklich wofür, und in welcher Menge? Grundsätzlich gibt es kein Material, das immer und überall unbedenklich, oder aber bedenklich ist. Krasses Beispiel: Holz ist ein prima, weil nachwachsender Rohstoff. Man könnte sagen: unbedenklich. Wenn Du aber unter einem umstürzenden Baum stehst, dann ist das ziemlich bedenklich... selbst wenn er im Rahmen nachhaltiger Forstwirtschaft geschlagen wird.

    Also: Es geht hier um Trinkflaschen. Alltagsgebrauch oder Expedition? Bei letzterer spielt das Gewicht ja auch eine Rolle (es gibt da Ultraleicht-Freaks, die Löcher in ihre Zahnbürsten bohren... für die gibt´s prima Folienflaschen von Camelback uind Co. ).

    Im Alltagsgebrauch find ich zum Rumschleppen Edelstahl (V4A oder ähnlich) am besten. Solange man sich nicht alle zwei Wochen eine neue kauft, denn Edelstahl ist auch recht energieintensiv in der Herstellung und Bearbeitung. Praktisch nicht kaputtzukriegen, und überall in der Lebensmittelindustrie mit gutem Grund schon lange in Verwendung. Aber ziemlich schwer, also nicht so expeditionstauglich.

    Tritan-Flaschen o.ä. sind für Erwachsene im Alltagsgebrauch sicher auch unbedenklich, besonders wenn man nur Wasser reintut. Denn selbst wenn es irgendwelche EA-Stoffe da drin geben sollte, sind die meist eher fettlöslich als wasserlöslich. Und was sich nicht löst, kannst Du auch nicht trinken, zumindest nicht in Mengen, die irgendwie nennenswert wären. Du erinnerst Dich vielleicht: Dosis facit venenum = die Menge macht das Gift (Paracelsus). Und bei Erwachsenen sind hormonartig wirkende Stoffe auch lange nicht so kritisch wie bei Kindern. Kunststoffe sind i.a. weniger ressourcenintensiv in der Herstellung als Glas oder Edelstahl.

    Für Kinder würde ich einfach beim klassischen Glasfläschchen bleiben, besonders für die heisse, fetthaltige Milch... und mal ne Plastikflasche für unterwegs, weil unkaputtbar, hat auch noch kein Kind zum Zwitter gemacht...

    Naja, und unterwegs ist das weitaus grössere Gesundheitsrisiko mit verunreinigtem oder verkeimtem Wasser verbunden, da ist jede Art von Flasche mit sauberem Wasser eine Versicherung... also vergleichsweise unbedenklich.

    PS: Das amerikanische Rechtssystem kann man, auch und gerade im Bezug auf Produkthaftung, getrost als extrem pervers bezeichnen. Da verdienen vor allem die Anwälte riesige Provisionen, und es hat nichts, aber auch gar nichts, mit gesundem Menschenverstand oder Wissenschaft zu tun. Aus Sicht des kritischen Verbrauchers bringen diese Verfahren meistens null "Nährwert".

    Beantwortet von Zebadger am 04.Dezember 2012, 21:37
    • mr.vain

      Gibt es Neuigkeiten bzgl. Tritan? Für unterwegs, mit viel Gepäck beim täglichen Pendeln wäre Tritan...mehr

      mr.vain am 14.Juni, 20:11
    • Goanetic

      ""Du erinnerst Dich vielleicht: Dosis facit venenum = die Menge macht das Gift (Paracelsus)."" -...mehr

      Goanetic am 24.September 2013, 15:26
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