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Sollte Umweltschutz ein Zwang sein?
In meiner Heimatstadt München gibt es an der Isar eine wunderschöne, renaturierte Zone, den Flaucher, an dem das Grillen erlaubt ist. Jedes Wochenende bei schönem Wetter fallen dort abertausende überwiegend jugendliche Münchner ein und verwandeln den Platz im Laufe eines Abends zur mülltechnischen Todeszone. Manche räumen ihr Zeug weg, die meisten lassen Bierflaschen, Einweggrills und Plastipackungen einfach liegen. Die Politik der Stadt München besteht momentan daraus, (schlecht ausgewiesene) Mülleimer aufzustellen und jeden Frühmorgen einen Putztrupp durch den Flaucher zu jagen, der die Kulisse unberührter Natur wieder herbeizaubert.
Gefragt von
Wie begegnet man so einem Problem? Sollten Ordnungshüter patroullieren und jeden zur Kasse beten, der sich zu schade ist, seinen Müll auch wieder zu entsorgen? So geschehen in einem anderen Park, dem Hirschgarten, in dem Sicherheitstrupps von jeder Gruppe einen Ausweis verlangen und die Daten nehmen mit dem Hinweis, dass später kontrolliert werde, ob der Platz auch sauber hinterlassen worden sei, ansonsten Anzeige. Ist das die Lösung? Zwang? Vielleicht muss man das dumme Volk ja wirklich treten, wenn es nicht kapieren will... Aber irgendwie doch traurig, oder?
Oder sollte die Stadt München mehr Energie darauf verwenden, die Bürger zu erziehen? Sprich, Infoblätter, Hinweistafeln und viele und gut ausgezeichnete Mülleimer? Man stelle sich die "schöne" Natur mal vor, ein einziger Schilder- und Mülleimerwald. Auch nicht das Gelbe vom Ei oder?
Würde mich interessieren, was Ihr dazu denkt...Simon Reichel
am 30.Mai 2012, 11:42 | 10 Antworten
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Ich denke, dass es beides braucht: Erziehung und Zwang.
Beantwortet von Dude am 30.Mai 2012, 11:56 Alle Kommentare(5)
Ich finde, dass das Problem mit dem einfach so in die Gegend geworfenen Müll mit den Zigarettenkippen anfängt.
Zwang ist wohl dann notwendig, wenn Erziehung zu spät kommt oder versagt hat.
Allerdings frage ich mich, ob in sachen Erziehung genug getan wird. Ich finde es geht dabei nicht nur darum jeden Einzelnen dazu zu erziehen, seinen Kram wegzuräumen sondern auch um Zivicourage, darum dass man nicht schweigt, wenn man sieht, wie jemand seinen Müll auf die Wiese fallen lässt. Wenn sich nur genug Leute beschweren, wird das unbehagen ohne staatlichen Zwang so groß, dass die Leute die Mülleimer benutzen.
Ein Freund hat da eine sehr nette Methode. Wenn er Leute "auf frischer Tat" ertappt, dann geht er kurz darauf auf sie zu und sagt ihnen, er hätte gesehen, wie sie etwas verloren haben. Die meisten Menschen denken dann wohl an Handy oder Geld und sind sehr aufmerksam. Der Freund zeigt ihnen dann bereitwillig die Stelle und das Objekt. Auch wenn es nicht immer zu einem Wegräumen des Mülls kommt, so wird sicher ein wichtiger Denkanstoß gegeben, dass man beobachtet wurde und es nicht von den Mitmenschen einfach so toleriert wird.
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Vielleicht hilft es, den Müll mal eine Saison lang liegen zu lassen.
Beantwortet von elise am 01.Juni 2012, 16:26
Leider ist das aus hygienischen Gründen ja nicht möglich.
Aber da würde auch dem Uneinsichtigsten auffallen, dass es so nicht geht.
Aufklärungsplakate:
Was du voll mitbringst, kannst du bitte leer wieder mitnehmen - oder?
Auch du freust dich doch über einen sauberen Grillplatz.
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Es gibt in vielen Dingen lokale/regionale/gesellschaftliche Unterschiede.
Beantwortet von Hannilein am 01.Juni 2012, 11:34
Während die eine Straße von spießigen Sauberkeits-Fanatikern bewohnt wird und niemand sich traut auf das samstägliche Kehr-Erlebnis zu verzichten, kann es drei Ecken weiter schon ganz anders sein und der Dreck sich türmen.
Irgendwann/irgendwie hat sich da etwas entwickelt - ganz ohne Verbote, u.ä.
Andererseits wissen wir heute auch, dass das beispielhafte "Vormachen/Vorleben" gerade bei der Jugend auch eine konträre Trotz-Reaktion hervorrufen kann.
Das Beseitigen von herumliegendem Müll ist aber noch nicht unbedingt Umweltschutz, sondern einfach nur "Aufräumen, Saubermachen" - den Müll schaft man dann andernorts hin (aus den Augen). Nur die Müll-Vermeidung ist echter Umwelt- und Ressourcenschutz, auf Kosten der Wirtschaft...
Auf meiner Insel sind die Pinette am Wochenende voll mit Menschen, die alles in Wegwerf-Plastik und Dosen mitbringen und wie selbstverständlich einfach liegen lassen. Der Wind wird es schon richten. Die stört der Dreck aber auch nicht. Wenn sie das nächste Mal kommen, kicken sie 2 , 3 Teller beiseite und hocken sich dann dazwischen. Mülleimer gibt es nur in der Saison, ob die jemand auch austauscht, ist eine andere Sache...
Einweg-Grills sind das Allerletzte. Andererseits würden sie auf meiner Insel u.U. den ein oder anderen schweren Waldbrand verhindern, wenn diese Idioten (sorry) dann nicht einfach mitten auf dem trockenen Boden ihr Feuerchen machen.
Eine abendliche Kontrolle (ohne Uniform) mit cleveren Leuten, die u.U. wirklich das Problem erklären und dann ein Bilderbuch dabei haben und auf die Folgen verweisen, hätte bei mancher Sauf-Truppe evtl. einen "Aha"-Effekt. Wie lange der anhält, kommt auf die Gruppe an...
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Wir ziehen hier in Nürnberg immer mit Mülltüte zum grillen. Am Dutzenteich gibt es eine ausgewiesene Grillwiese. Hinweisschilder zwecks Müllvermeidung/-beseitigung habe ich hier aber noch nicht entdeckt.
Beantwortet von PatrickB am 30.Mai 2012, 15:50
Abends, wenn die Wiese sich langsam leert, merkt man - zum Glück - kaum, dass hier hunderte noch vor ein paar Stunden gegrillt haben. Müll wird weitesgehend mitgenommen und an überfüllte Mülleimer gelegt/gestellt.
Aber das ist nunmal nicht überall so.
Gerade weil nicht alle Eltern die besten Vorbilder sind, spricht sowas wieder eher für ein Fach "Umwelt" in der Schule, welches zur Erziehung beiträgt und von klein auf den Umgang mit der Natur vermittelt.
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Ich habe den Artikel in der Süddeutschen gelesen zum Flaucher-Problem und bin ganz froh, daß ich nicht mehr in Giesing wohne.
Beantwortet von Maria_L am 30.Mai 2012, 12:31
Vermutlich helfen wirklich nur ähnliche Methoden wie im Hirschgarten.
Der Druck auf dieses kleine Stück Natur in der Stadt ist offensichtlich zu groß.
Es ist ja nicht nur eine Frage des Naturschutzes, wenn es streng bestraft wird, Bierflaschen ect. einfach in Fluss zu werfen.
Es ist Körperverletzung, weil Kinder im Fluss spielen ect.
Zu meinen Zeiten vor über 15 Jahren waren die Penner unter der Wittelsbacher-Brücke der Aufreger für den Münchner Bürger.
So wie ich es mit kriege, benehmen die sich entschieden besser, als das Feste-Feier-Volk.
Hier noch zwei Links zum Thema:
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/partyzone-flussufer-die-isar-ein-scherbenhaufen-1.1368389
http://www.sueddeutsche.de/muenchen/muell-an-der-isar-ballermann-am-fluss-1.1369667
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Erziehung bringt nichts (oder nur sehr marginal), Strafen sollten zwar höher sein (ohne daraus eine Straftat zu machen), schrecken aber letztendlich doch nicht ab, und Kontrolle wäre notwendig, ist aber nicht zu leisten, da die Kommunen kein Geld haben = es wird sich nichts ändern, was dies betrifft. Bleibt nur Gleichmut der Sache gegenüber...
Beantwortet von Randolph_Carter am 11.Juli 2012, 11:49
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Da helfen eigentlich nur empfindliche Strafen, also an das Geld muss es gehen, dieses muss aber auch durch die Bank abverlangt werden, also egal wer und was....nun nicht wieder Familien in Schutz nehmen, dort haetten naemlich Eltern ganz gewiss Vorbildcharakter, denn gerade jenen muesste ja doch wirklch was an dem Erhalt jedes natuerlich belassenen Fleckens an Natur gelegen sein, soll es ja doch schliesslich auch irgendwan noch den Kindern oder sogar deren Kindern zur Verfuegung stehen koennen.
Beantwortet von Utophantastbiotop am 13.Juni 2012, 21:47
Das gesamte Strafgesetzbuch hinkt ja eh gewaltig, da ist doch wirklich ganz gewaltiger Erneuerungsbedarf/ Reformierungsbedarf vorhanden, also fuer was es welche Strafen geben sollte/ geben muss.
Insgesamt ist das Problem, wo erst einmal Muell liegt, dort kommt ganz gewiss noch mehr Muell dazu, das ist eine ganz schlimme menschliche Eigenheit, die ja doch einzig und alleine durch erzieherische Massnahmen in andere Bahnen gelenkt werden kann.
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Zum Glück kenne ich dieses Problem in meinem Umfeld nicht. Unser Stadtteil lebt durch den urbanen Park. Wir lieben ihn und Müll taucht nur sehr wenig auf und regelmäßig durch Touristen in der Urlaubssaison. Vielleicht wäre es eine Idee, den Grillbereich räumlich einzuschränken. Dieser kleinere Bereich wird dann von der Stadt nicht mehr gereinigt. Stattdessen stellt man Mülltüten o.a. Behältnisse zur Verfügung, die von denen, die an einem sauberen Platz Grillen wollen, gefüllt werden können. Wenn manche im Dreck grillen wollen, sollen sie dies tun. Säubern die Grillenden dadurch den Platz, bleibt diese Nutzung möglich. Tun sie dies nicht, zieht die Stadt das Angebot, den öffentlichen Raum dafür zu nutzen, zurück. Dieses Geschehen kann dann die Regionalpresse begleiten, solange und regelmäßig, bis die Bürger selbst an der Lösung des Problems mitarbeiten.
Beantwortet von Yves am 01.Juni 2012, 11:02
In unserer Stadt kam man zu der Erkenntnis, dass mehr Mülleimer auch mehr Müll bedeutet. Die Behälter quellen über und der Wind verteilt alles weiträumig.
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Die Frage stellt sich doch gar nicht wirklich, wenn man sich das Wort "Zwang" mal genauer anschaut: Es beschreibt einfach nur, dass ein gewisses Verhalten Konsequenzen nach sicht zieht, ein anderes aber andere. Natürlich ist Umweltschutz ein "Zwang", denn wenn ich Müll kaufe und liegen lasse ist die "schöne Natur" versaut. Das ist reine lineare Logik. Die Frage ist nur, ob mir das am ... vorbei geht und ich eher auf Bußgelder reagiere, die ja nur eine andere Form von Zwang darstellen, abhängig von meinem finanziellen Vermögen. Wenn man so will empfinde ich auch eine Art "Zwang", keinen Müll zu kaufen und folglich auch keinen liegen zu lassen: Mir ist eine saubere Natur wiel mehr wert als 20,00 € Bußgeldeinsparung, die mir z. B. bei Regen an einer weit und breit menschenleeren roten Ampel relativ egal sind ...
Beantwortet von stefanherzog am 01.Juni 2012, 09:02-
... ^ ^ und ich d8e schon, ich würde zu kompliziert denken - dein Beispiel wirkt da grad sehr...mehr
stefanherzog am 01.Juni 2012, 14:06 -
Also für mich erklärt sich das Wort Zwang ein bisschen anders. Nach Deiner Logik könnte ich ja...mehr
Simon Reichel am 01.Juni 2012, 09:22
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Bei uns herrscht in einem beliebten Park mittlerweile ein Grillverbot, weil der Müll überhand genommen hat. (Der meiste Müll entsteht ja durchs Grillen.) Das Verbot wird zwar nicht überstreng durchgesetzt, aber damit hat die Stadt eine Handhabe, Leute des Platzes zu verweisen, wenn mal wieder über die Stränge geschlagen wurde. Wie wäre es wenn die Stadt mal offen mit dem Gedanken spielt?
Beantwortet von mela am 30.Mai 2012, 12:01
Ansonsten finde ich es wichtig, das Thema ins öffentliche Bewusstsein zu bringen. Ich denke viele Leute raffen's einfach nicht. zB könnte mal verbreitet werden, wieviel Müll hier täglich aufgesammelt wird etc.
Hinweisschilder finde ich auch gut- unübersehbar an den Eingangswegen mit einem humorvollen kurzen Spruch drauf (kommt besser an). "Flauche ist keine Müllkippe - oder?", vielleicht mit Foto von einem "Morgen danach". Auf der Rückseite könnte man dann sowas schreiben wie "haben sie auch nichts vergessen?" und wieder ein Müll-Foto, damit die Menschen beim Rausgehen nochmal aufmerksam gemacht werden. Hier würde ich als Stadt versuchen, die Menschen sympathisch anzusprechen (zB Foto von Kind das Müll hinterherträgt)
Ein Hinweis auf die Mülleimer wären natürlich wichtig.
Das mit dem Ausweis fände ich auch schade - ist so bürokratisch und streng.
Im Übrigen kann man als Privatperson andere Gruppen, die ihren Müll liegen lassen, auch schonmal drauf hinweisen, dass sie etwas vergessen haben.
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ich hab zum Glück ein natürliches Antikoma-Gen:) ganz ernsthaft, was Dude beschreibt, machen alle...mehr
gruenebine am 30.Mai 2012, 15:57@Richard: Ich finde zwar, dass du mit der Beschreibung der allgemeinen Situation recht hast,...mehr
Dude am 30.Mai 2012, 15:31