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"Renewable plus" Strom
Habt Ihr schon einmal etwas von "Renewable plus" Strom gehört? Die Stadtwerke der Stadt in der ich arbeite bieten ihren Kunden seit 1.1.2012 "100% Naturstrom für alle Privatkunden" an. Sie beziehen den Strom über "Renewable plus, Bischoff & Ditzer Energy GmbH", scheinbar über den Kauf von Zertifikaten. Weiß jemand von Euch, wie das abläuft und ob das auf so eine Geschichte hinausläuft, bei der Wasserkraft-erzeugter Strom aus Norwegen gekauft, dafür im Gegenzug von den Norwegern deutscher Atomstrom eingekauft wird? Mich würde das wirklich sehr interessieren, vor allem auch vor dem Hintergrund, dass diese Stadt nun ein Energie- und Klimakonzept erstellen lassen möchte! Danke für Eure Hilfe! Claudia
Gefragt vonKaefer572
am 26.Januar, 20:23 | 3 Antworten
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Hallo Claudia,
Beantwortet von mela am 27.Januar, 10:33
Wenn der Strom nur über RECS-Zertifikate grün angestrichen wird läuft das so:
Die Stadt kauft ganz normal ihren Normalstrom weiter, kauft aber zusätzlich RECS-Zertifikate für die gleiche Strommenge. Diese können zB von einem Wasserkraftwerk ausgestellt werden, das damit zusagt, dass dieselbe Menge Wasserkraftstrom in einem bestimmten Jahr eingespeist wird.
Das Wasserkraftwerk verkauft seinen Strom an irgendwen anderen, darf ihn aber nicht als Ökostrom deklariert verkaufen, da es ja bereits die Zertifikate an Eure Stadtwerke verkauft hat.
Soweit klar?
Mein Hauptkritikpunkt an RECS ist, dass RECS nicht für eine zeitgleiche Einspeisung (zum Kundenlasprofil) stehen, sondern allein für die Strom_menge. Es ist aber viel viel einfacher, Ökostrom irgendwann, wenn es grade mal stark regnet, bereit zu stellen, als passend zum Kundenlastprofil herzustellen. Daher ist die RECS-Variante auch viel günstiger als echter Ökostrom.
Und der zweite Punkt ist, dass ja die Stadtwerke auf diese Weise trotzdem noch Normalstrom beziehen würden (den sie nur umetikettieren), und damit konventionelle Kraftwerke unterstützen.
Ich würde dir also empfehlen herauszufinden, ob es sich nur um RECS-zertifizierten Ökostrom handelt, oder um Ökostrom. Also: Wird weiterhin Normalstrom gekauft und nur umetikettiert, oder wird wirklich Ökostrom gekauft.
Ich hoffe, das war ausreichen erklärt?
viele Grüße, mela
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Hallo Claudia,
Beantwortet von SilverMonkey am 08.Mai, 14:26
ist zwar schon ein bisschen her, dass du die Frage gestellt hast, aber ich hoffe, meinen Beitrag liest Du trotzdem :) Bevor ich versuche, Dir die Frage zu beantworten, möchte ich ein paar grundlegende Infos loswerden.
System
Wasserkraftwerke (z.B. in Norwegen) produzieren Strom. Dieser hat, da durch Wasser erzeugt, eine grüne Eigenschaft. Diese (nur die grüne Eigenschaft) kann der Kraftwerksbetreiber veräußern. Wenn er sie veräußert, bekommt er für eine Megawattstunde einen Herkunftsnachweis. Seinen Strom darf er nach der Veräußerung nicht mehr als „Grün“ deklarieren, da die Eigenschaft vom Strom getrennt wurde. Da das alles mit rechten Dingen zugehen muss, vergibt eine unabhängige Ausgabestelle nach Prüfung die Herkunftsnachweise und verwaltet sie auch. So wird eine Doppelvermarktung ausgeschlossen.
Im Herkunftsnachweis selber werden Anlage, Produktionsstandort, Leistung der Anlage usw. festgehalten. Der Nachweis dient, wie der Name schon sagt, als Nachweis der Stromherkunft und ist kein Qualitätsmerkmal.
Wenn man als Endverbraucher nun grüne Energie beziehen möchte, aber neben einem Kohlekraftwerk wohnt, hätte man ohne die Trennung der grünen Eigenschaft vom Strom die A-Karte gezogen. Da Strom den Weg des geringsten Widerstandes nimmt, wird man neben dem Kohlekraftwerk auch dessen Strom bekommen. Hier kommt dann der Stromsee zum tragen d.h. die Einspeisung kann ökologisch qualitativ kontrolliert werden, aber nicht die Entnahme. Um als Stadtwerk nun ein grünes Produkt dem Kunden neben dem Kohlekraftwerk anbieten zu können, kann das Stadtwerk nun über Herkunftsnachweise ein Produkt auflegen und dem Kunden verkaufen. Direkt Ökostrom beziehen ist immer nur eingeschränkt möglich, außer es wird eine Leitung direkt vom Wasserkraftwerk / Windkraftanlage usw. zum Kunden gelegt. Aber wie würden dann unsere Straßen und Bürgersteige aussehen? :D
Renewable plus
Nun komme ich auf den von Dir genannten Renewable plus Strom zurück. Dieser garantiert 100 % grüne erzeugte Energien d.h. er hat einen Herkunftsnachweis als Grundbaustein. Dies ist auch bei anderen Labeln wie z.B. ok-power, EE01 usw. der Fall. Wichtig ist nun, ob der Renewable plus Strom einen Zusatznutzen generiert. Dieser Strom verpflichtet die Betreiber/Eigentümer der Kraftwerke in Erneuerbare Energien zu investieren und so wiederum eine erhöhte Stromerzeugung zu garantieren. Ein Alterskriterium der Anlagen gibt es nicht. Ab 2012 ist der Strom zusätzlich klimaneutral d.h. Bau und Betrieb der Anlage werden klimaneutral gestellt. Diese Eigenschaften werden jährlich vom TÜV Rheinland geprüft und auditiert. Habe ich hier gefunden: http://de.wikipedia.org/wiki/%C3%96kostrom#RenewablePLUS
Sieht also nach einem nachhaltigen Label aus.
Ich hoffe, ich konnte Dir helfen.
Grüße
SilverMonkey
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Mela hat es schon ausreichend erklärt, Hier kommt noch der Eintrag von Wikipedia
Beantwortet von Bada am 27.Januar, 10:58 Alle Kommentare(3)
http://de.wikipedia.org/wiki/Renewable_Energy_Certificate_System
Auch in unserer Stadt läuft das leider so. Da hilft nur Aufklärung über diesen Mogelstrom. Vielleicht gibt es in Deiner Stadt eine Greenpeace Gruppe, die darüber informiert. Dort bekommst du dann zu diesem Thema auch umfassendes Infomaterial. Bei uns ist es jedenfalls so :-))
Info von Greenpeace zu den Zertifikaten
http://www.greenpeace.de/themen/energie/presseerklaerungen/artikel/wenn_oekostrom_zur_mogelpackung_wird/
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