Utopia: Die Verbrauchermacht - Unser Konsum verändert die Welt.

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  • C. Stoldt

    Liebe Leute!
    Manchmal habe ich das Gefühl, daß die menschliche Naivität grenzenlos ist... ( mich eingeschlossen )! Ich bin selber durch so manche Lebensschule gegangen, die mir so einige Zähne/Idealismen/Gedankenlosigkeiten gezogen hat. Dabei hat mir meine eigene berufliche Selbständigkeit ( s. www.baubiologisches-kontor.de ) sehr die Augen geöffnet, mir gezeigt, wo ( für die Masse Mensch ) 'der Hammer hängt'! Daraus habe ich die Folgerung gezogen, daß eigentlich jedermensch, der irgendwo in verantwortungsvolle Position gelangt, sei es in Verwaltung, Politik, Justiz o. Wirtschaft, vor Antritt solcher Stellen 3 - 5 Jahre an der Basis, in kleinen Handels- o. Handwerksbetrieben gearbeitet haben sollte, damit er/sie ein realistisches Bild von dem harten Überlebenskampf auf dieser Ebene hat - schnacken läßt sich gut und viel...! Aber wenn man auf dieser Grundlage ohnmächtig den Machenschaften der großen Ketten ausgeliefert ist, sich in einem Wettbewerb befindet, den man nie gewinnen kann, hilflos zusehen muß, wie durch deren Machenschaften dezentrale, örtliche Strukturen zerschlagen, aggresiv verdrängt werden, dann kann mensch eigentlich nur die Konsequenz ziehen nicht bei Waldi, Didl, Mikea und Co. einzukaufen!
    Wie in anderen wichtigen sozialen, menschlichen Bereichen auch, sind wir als verantwortungsbewußte, soziale Menschen/Wesen/Konsumenten gefordert uns zu entscheiden, für und wider, entweder oder! Ein bißchen Wahrheit? Ein bißchen lügen? Ein bißchen auf Kosten anderer seinen individuellen Bock, seine Bedürfnisse leben? Man frage mal die Betroffenen ( z. B. Näherinnen für KIK ), was die davon halten...- für sie macht das keinen Unterschied - sie stecken bis zum Hals in der Scheiße! Ergo müssen wir uns bescheiden, genau überlegen, wohin wir unser ( evtl. weniges ) Geld tragen!
    Wenn ich weiß, daß Waldi z. B. bei einer Mineralwasserflasche den Flaschenhersteller auf einen Flaschenpreis v. 16 ct festlegt/erpreßt, bei gleichzeitigem Zahlungsziel von 90 Tagen; diese Flasche mit 2 ct. Aufschlag sagenhaft billig verkauft ( "Juchhu - Schnäppchen!" ), das aber millionenmal, den erwirtschafteten Mehrwert nur 60 Tage irgendwo anlegt/investiert, dann wird klar, wie Waldi seinen Gewinn erwirtschaftet und daß dagegen kleine oder mittlere Unternehmen keine Chance haben!
    Ich habe daraus die Konsequenz gezogen lieber im kleinen Fachhandel dann zu kaufen, wenn ich mir das leisten kann und solange zu verzichten, bis ich das kann - und glaubt mir, das kann durchaus dauern. Aber das ist es mir wert.
    Und was ich gar nicht mehr hören kann: "Aber das muß man sich auch leisten können!" - Bei fast allen, die so 'argumentieren', kann man beim Nachbohren feststellen, daß doch auf ziemlich hohen Niveau gejammert wird...
    In diesem Sinne - mehr Nachdenklichkeit und Verantwortung im Alltag wünscht sich
    Carsten
    P. S. Etwas ähnliches erlebe ich derzeit in Punkto shoppen via Internet! Da liefern Konkurrenten z. B. 'nen Eimer Wandfarbe zu Preisen u. dann auch noch frachtfrei - da tränen einem als alteingesessenem Fachhändler die Augen! Scheinökologisch wird dann argumentiert,daß man dafür ja auch nicht extra fahren müsse und dabei die Folgen übersehen, nämlich daß die Fachhändler 'aussterben', man irgendwann keine fachliche Beratung mehr erhält! Da nützt dann der Billigeinkauf auch nix mehr, wenn man dann beim Verarbeiten Fehler macht und das Ergebnis nicht unbedingt zufriedenstellend ausfällt!

    Beantwortet von C. Stoldt am 01.März 2012, 18:39
    • Maria_L

      Super zusammen gefasst. Kann ich nur unterstreichen....mehr

      Maria_L am 02.März 2012, 20:50
    • inaktiver User 7264

      "Wenn ihr alt seid und nicht mehr Autofahren oder gut gehen könnt, dann sind durch euer Verhalten...mehr

      inaktiver User 7264 am 02.März 2012, 11:24
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  • mela

    Klar, wenn man es sich leisten kann, lieber bei einem rundum coolen Laden kaufen. Ob man es sich leisten kann, das muss jeder ehrlich selbst entscheiden.
    Wenn (echt) nicht, besser eine GOTS-zertifizierte Jeans von Aldi, als eine [edit: neue] konventionelle von wem auch immer. Zumindest in der Produktion werden dann gewisse Standards im sozialen und Umweltbereich eingehalten.
    Zwar ärgere ich mich fast immer über Discounter, aber wenn sie mal ein vernünftiges Produkt anbieten (und GOTS ist DAS Zertifikat für Textilien), dann erkenne ich das auch mal an (NUR für dieses Produkt). Man sollte sich halt bewusst sein, dass man durch einen Kauf bei Aldi auch allgemein ein Stück weit dessen schräges Geschäftsmodell unterstützt.

    Beantwortet von mela am 27.Februar 2012, 12:11
    • Ilian_Grimm

      Da stimme ich Dir zu, mela! Man sollte nur nicht von Verzicht sondern von Veränderung des...mehr

      Ilian_Grimm am 05.März 2012, 13:19
    • mela

      @Ilian_Grimm Du hast recht, es wird sehr oft der Preis für etwas vorgeschoben. Trotzdem kommen wir...mehr

      mela am 04.März 2012, 18:26
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  • inaktiver User 7264

    Verstehe gar nicht wie man ALDI u.a. Anbietern, die einmalig oder als neuer Trend Bio-Produkte in einem Gesamtsortiment von 99,x Prozent umweltschädigender Waren sein Geld geben kann.

    Glaubt irgendein ALDI-Kunde ernsthaft, mit so einer Aktion kann man etwas bewegen ? Ist das strategisch klug gewählt ?

    Andere Unternehmen, Beispiel Hess natur, gehen volles Risiko mit ihren Investitionen, bauen langfristige Handelsbeziehungen mit zuverlässigen Partnern auf, sichern faire Produktionsbedingungen zu UND verrammschen ihre Waren nicht auf dem Wühltisch. Günstig einkaufen kann man deren Saison- bzw. Auslaufware trotzdem.

    Zum Thema:
    Selbst wenn die ALDI-Jeans ökorrekt wäre, sollte man - meine Meinung - auf solche Discounter nicht hereinfallen, das Geld ist aus Konsumentensicht schlecht investiert, weil der Groschen woanders nicht MEHR bewirkt. Jetzt höre ich das Argument "hab aber nur 20 Euro für ´ne Jeans, sollte ich die jetzt nicht wenigstens als Bio bei ALDI kaufen ?" Die Antwort darauf würde grundsätzlich ausfallen und sprengt den Rahmen.

    Die Discounter tragen m.E. eine hohe Verantwortung, werden sie ihr gerecht ? Ich behaupte nein, diese Aktionen sind m.E. Greenwashing. Wer will das unterstützen ? Die Gefahr besteht, die Leute kaufen mindere Qualität und Schuld daran ist nicht etwa ALDI als Auftraggeber und Vertriebskanal, nö, die Bio-Qualität ist schuld, das Bio-Zeugs taugt einfach nicht. Diese Botschaft bleibt beim ALDI-Kunden hängen, der kauft dann auch nicht woanders Bio, schon gar nicht mit Teuerungsaufschlag, der bleibt dem konventionellen Bekleidungsangebot in Billigst-Unfair-Ausbeuterisch-Qualität treu, damit kennt er sich aus, der "wahre Preis" der Waren interessiert fortan nicht mehr.

    Jeder Euro der in die richtigen Kanäle gelangt und "nachhaltig" Vertriebskanäle zu fairem Handel aufbaut, echte Kontrollen finanziert und zu beiderseitigem Nutzen Handelsbeziehungen pflegt, ist aus Kundenperspektive und -verantwortung gut angelegt. Für die Umwelt und künftige Generationen. Lieber fahren die Macher von Hess Natur (überzogene, in Summe querfinanzierte) Gewinne ein als eine Familie Albrecht, die nicht mehr wissen wohin mit ihrem Geld. Die könnten anders Handel betreiben ohne existenzgefährdene Preispolitik für Klein- bis Großunternehmer, diese Masche funktioniert, wird aber am Ende nicht aufgehen. Was rede ich.

    Beantwortet von inaktiver User 7264 am 24.Februar 2012, 13:47
    • sanbalance

      Hallo Mela, die Leute "galten" nicht nur als nicht arbeitslos, sie haben tatsächlich gearbeitet....mehr

      sanbalance am 05.März 2012, 20:17
    • mela

      Hallo sanbalance wie gesagt, Frauen im Osten hatten Kinderbetreuung zur Verfügung, die es im...mehr

      mela am 05.März 2012, 13:02
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  • Martin Tillich

    Spannende Diskussion!

    Passend zum Thema wollte ich auf die Utopia-Zusammenfassung des WDR markt-Checks aufmerksam machen:

    Aldi: Mehr bös' als billig http://www.utopia.de/magazin/wie-fair-ist-aldi-wdr-markt-check-mitarbeiter-zulieferer-preisvorteil-qualitaet

    Beantwortet von Martin Tillich am 29.Februar 2012, 17:27
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  • Fredegar

    Für die Bedingungen beim Anbau und Herstellungsprozess der Kleidung in ökologischer und sozialer Hinsicht bürgt das GOTS-Siegel, für das klare Kriterien vorgegeben sind. Ob man GOTS-Ware beim Aldi oder beim kleinen Händler von ökofairen Klamotten kauft, macht in diesem Punkt keinen Unterschied.

    Siehe auch:
    http://www.naturtextil.de/verbraucher/qualitaetszeichen.html
    http://de.wikipedia.org/wiki/Global_Organic_Textile_Standard

    Aldi kann es sich jeoch leisten (im Gegensatz zum genannten kleinen Händler oder zu Unternehmen, wie z.B. Hess Natur, die nur ökologische und faire Produkte anbieten), die angebotene ökologische und faire Ware zu "Kampfpreisen" anzubieten, weil sie aus den Gewinnen der übrigen verkauften Aldi-Produkte (die in der Regel nicht öko und/oder fair sind) gegenfinanziert werden.

    Beantwortet von Fredegar am 02.März 2012, 11:02
    • corifee

      genau so sehe ich das auch. Aldi "lebt" davon, dass der Konsument - wenn er ohnehin schon bei...mehr

      corifee am 02.März 2012, 11:30
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  • baergen

    Man sollte doch nicht so abwertend Aldi herunten votieren. In den USA führt Aldi eine ökologische Marktkette, in Australien ist im Aldi Angebot jede Menge "organic" in der Gemüsetheke. Die Bedingungen sind in Deutschland leider noch nicht so, dass der Kunde Aldi zwingt, organic anzubieten - obwohl ja schon
    ein Versuchsballon bundesweit gestartet ist. Leider muß man vermuten, dass die sympathischen Grünen
    mit ihrer zeitweisen schlecht begründeten Anti-Aldi- Haltung dazu beigetragen haben, Aldi den entscheidenden Stoß in die andere Richtung zu geben. Wie immer gilt auch hier: loben und anregen ist besser, als unbegründet krisieren.- Wieso Aldi Gots-zertifzierte Jeans zu einem Superpreis
    anbietet, weiß ich auch nicht. Aber man kann bei Aldi direkt fragen, das Unternehmen ist so gut geführt, dass man in der Regel innerhalb einer Woche Antwort bekommt. Bei welchem anderen Unternehmen
    hat man das schon..

    Beantwortet von baergen am 01.März 2012, 18:36
    • Maria_L

      @viola.purple, Mela schrieb ja ausdrücklich " nicht jedem wirtschaftlichen Unternehmen geht es...mehr

      Maria_L am 02.März 2012, 19:27
    • viola.purple

      @ Mela: DOCH - es MUSS jedem wirtschaftlichen Unternehmen um Profit gehen! Das Finanzamt akzeptiert...mehr

      viola.purple am 02.März 2012, 18:07
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  • Kaefer572

    Ich denke, die machen es über die Masse - ich habe zwar keine Ahnung, wie viele Filialen ALDI-Süd hat, aber es wird schon einiges mehr bei denen umgesetzt als z.B. bei einem Naturwaren-Hersteller wie Maas-Natur. Und die schaffen es mittlerweile auch, Bio-Jeans für 49€ anzubieten, was ja auch recht günstig (natürlich nicht vergleichbar zum Aldi-Preis) ist; jedenfalls günstiger als so manche "Marken-Jeans". Und ich denke im Übrigen auch, dass man, ohne die Sachen mal gesehen oder angelangt zu haben, keine Aussagen über die Qualtiät machen kann. Viele Leute sind mit der Qualität von Kleidungsstücken, die bei Aldi verkauft werden, zufrieden (unabhängig von der Art der Herstellung - ich will da jetzt keine neue Diskussion vom Zaun brechen). Mir stellt sich die Frage, ob die Leute auf diesem Weg nicht beeinflußt werden können, eben mehr Bio-Ware zu kaufen. Aldi als billiger Einstieg, der die Leute auch verführt, dann doch mal im Bioladen nach dem Tomatensugo zu schauen und nicht nur das konventionelle zu kaufen. Ich habe schon öfters mit Leuten gesprochen, die z.B. Biomilch bei Aldi gekauft haben - hab z.B. drauf hingewiesen, dass die Milch aus dem Ausland kommt und es bei uns doch auch genug Biobauern gibt, die man mit fairen Preisen unterstützen sollte... So manchen hat das auch ins nachdenken gebracht. Aber, das dürfen wir auch nicht vergessen - vielen ist heute das Geld knapp und sie sind froh, wenn sie auch Bioware günstig bekommen. Es ist zumindest ein Anfang.

    Beantwortet von Kaefer572 am 24.Februar 2012, 19:53
    • Maria_L

      Naja, über die Masse kann man auch nur begrenzt Preise senken. Wenn man Pech hat, dann zahlt man...mehr

      Maria_L am 27.Februar 2012, 15:14
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  • sambina

    "Falsche Frage". Bio heißt in diesem Falle doch nicht fairtrade. Jedenfalls nicht das fairtrade-Siegel. Welche Standards dann bei der angeblich "sozialverträglichen Herstellung" gesetzt und eingehalten werden, das wäre erstmal zu recherchieren. Kommt mir alles sehr billig vor. Wenn man weiß (und Dokus dazu gibt es im Internet ja einige), wie ALDI mit seinen eigenen Angestellten umspringt und in harten Verhandlungen mit allen Lieferanten Dumpingpreise durchsetzt (wobei die Lieferanten dann auch glauben, dass es sich dann "über die Masse" rechnet), dann kann man das nicht ernsthaft als sozial oder ökologisch sehen. Höchstens ein Marketing-Gag. Whitewashing. Image aufpolieren...

    Beantwortet von sambina am 02.März 2012, 10:44
    • mela

      Hallo sambina, wenn du der Meinung bist, dass GOTS keine ausreichenden sozialen Standards setzt,...mehr

      mela am 05.März 2012, 11:45
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  • Mario_Sedlak

    Zumindest 2010 gab es ein Überangebot an Bio-Baumwolle, sodass diese fast gleich viel wie konventionelle Baumwolle kostete. Und die fairen Löhne machen am Endprodukt auch nicht viel aus. Daher kann ich mir den Preis von 20 EUR für eine Bio-Jeans schon vorstellen. Bei C & A habe ich die auch schon zu dem Preis gesehen.

    Ich finde es begrüßenswert, dass es mittlerweile sogar beim Discounter Bio gibt. Ein schöner Erfolg von strategischem Konsum. Nur wenn Bio massentauglich wird, können die damit verbundenen Umweltvorteile realisiert werden.

    Ich würde in kleinen Läden einkaufen, wenn ich sicher sein könnte, dass die dreimal so teure Jeans auch dreimal so lang hält oder zumindest "dreimal" so umweltfreundlich ist. Nach meinen Erfahrungen ist das aber nicht der Fall. Wer will, kann natürlich trotzdem an kleine Anbieter spenden.

    Beantwortet von Mario_Sedlak am 02.März 2012, 07:22
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  • Ilian_Grimm

    Ich plädiere dafür, dass man grundsätzlich sein eigenes Konsumverhalten ganz genau prüfen sollte. Ich denke, dass es nicht notwendig ist ein T-Shirt zu kaufen - oder andere Dinge - nur weil sie gerade als speziell angeboten sind/werden.

    Ich verzichte lieber längerfristig auf gewisse Dinge, um dann aber für gutes Geld gute Qualität mit gutem Gewissen zu kaufen. Und ich kann da nur sagen, dass beispielsweise Klamotten auch mal drei bis vier Jahre und länger halten und trotzdem noch vernünftig aussehen. Wenn ich dann den Anschaffungspreis auf den Monat runterrechne bei einer 180€ teuren Bio-Jeans, die mir fast vier Jahre treu gedient hat, dann war das ganz schön günstig!

    Ilian

    Beantwortet von Ilian_Grimm am 01.März 2012, 21:20
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