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  • nicolschele

    Kann man "Kompostmüll" noch nutzen, wenn er begonnen hat zu schimmeln?

    Ich sammle in einer Papiertüte Biomüll für einen Garten/ deren Komposthaufen (ich wohne in einer Wohnung und habe keine Möglichkeit der Verwertung). Nun hat der Biomüll aufgrund der warmen Temperaturen angefangen zu schimmeln. Ist er dann noch verwertbar oder durch die Schimmelbildung nicht mehr nutzbar?

    Gefragt von
    nicolschele
    am 27.Mai 2012, 10:00 | 3 Antworten

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  • bastler

    Schimmelpilze im Biomüll sind nichts besonderes und auch keinerlei Grund zur Besorgnis. Verschimmelte Lebensmittel wie Brot, Zitronen usw. gehören ja sogar definitiv in den Biomüll.
    Auch der gesamte Biomüll kann schimmeln, auch wenn es häufiger vorkommt, daß er aufgrund mangelnder Luftzuführ zu gären beginnt (leicht am Geruch zu erkennen). So oder so: dem Kompostiervorgang schadet beides nicht.
    Von Regenwürmern ist beispielsweise bekannt, daß Pilzsporen zu ihren Lieblingsspeisen zählen.
    Bei einer Heißrotte wiederum, die ohne die Beteiligung von Regenwürmern abläuft, werden die Schimmelpilze durch die Hitze abgetötet.
    Im Endeffekt überleben Pilze und Pilzsporen das Kompostieren nicht. Sie sind trotzdem unentbehrlich für die Kompostentwicklung (nicht nur aus Sicht der Regenwürmer), da sie die einzigen Organismen sind, die das Lignin in hölzernen Bestandteilen des Bioguts verstoffwechseln und damit in pflanzenverfügbare Stoffe aufspalten können.
    Mensch sollte es allerdings vermeiden, die üblichen Absonderungen von Schimmelpilzen (nämlich die durch die Luft fliegenden Pilzsporen, die evtl. auch noch mit Pilzgiften angereichert sind), einzuatmen oder selbige sich in der Wohnung ausbreiten zu lassen). Biomüllbehälter sollten also immer einen Deckel haben.

    @Robinson: "Biomüll wird i.d.R. verbrannt, thermisch verwertet wie das so schön neudeutsch heißt"

    Biomülll (also das, was in Biotonnen gesammelt wird) wird grundsätzlich kompostiert, sinnvollerweise immer häufiger auch mit vorgeschalteter Biogaserzeugung, und keinesfalls verbrannt.
    Der Biomüll unterschreitet aufgrund seiner feuchten Beschaffenheit die in Müllverbrennungsanlagen (MVAs) üblichen Annahmekriterien (wo insbesondere ein wesentlich höherer Heizwert als Voraussetzung für eine reguläre Verbrennung verlangt wird. Biomüll bringt es gerade einmal auf 4 MJ/kg, weniger als die Hälfte der erforderlichen 11 MJ/kg).
    Davon abgesehen ist die Entsorgung durch Kompostieren auch wesentlich billiger als die Restmüllverbrennung in einer MVA (was sich auch in den Müllgebühren - Biomüll vs. Restmüll - ziemlich drastisch bemerkbar macht).

    Aber vielleicht meintest Du etwas anderes; nämlich den Mißstand, daß in es in Deutschland noch keinen durchgängigen Trennungszwang bzgl. Biomüll gibt. Derzeit wird hierzulande erst ca. 75% des Biomülls vom Restmüll getrennt (falls ich mich richtig erinnere), was im Umkehrschluß bedeutet, daß ca. 1/4 des Biomülls im Restmüll verbleibt und dann tatsächlich - ökologisch völlig unsinnig - zusammen mit dem Restmüll verbrannt wird.
    In http://www.kompost.de/fileadmin/docs/HuK/HuK-5-2012.pdf findest Du auf Seite 6 eine visualisierte Statistik, in der die deutschen "Biomüll-Entsorgungs-Notstandsgebiete" mit Rot gekennzeichnet sind.
    Demnach scheint sich eine getrennte Biomüllsammlung in Deutschlands Westen großflächig etabliert zu haben (lediglich im Raum Mannheim/Heidelberg scheint hier etwas völlig aus dem Ruder zu laufen).
    Im Osten scheint jedoch noch ein gravierender Nachholbedarf an ökologisch sinnvoller Müllentsorgung zu bestehen.

    Beantwortet von bastler am 29.Mai 2012, 13:44
    • Robinson

      Stimmt, da hätte ich besser differenzieren müssen. Danke für die Richtigstellung !...mehr

      Robinson am 29.Mai 2012, 14:12
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  • Robinson

    Tja, die Natur wartet nicht auf menschliche Entscheidungsprozesse, sie "fängt schon mal an", wo beste Bedingungen herrschen und Lebensformen gedeihen können. Sei es nur, die vorhandene Feuchtigkeit zu entziehen. Biomüll wird i.d.R. verbrannt, thermisch verwertet wie das so schön neudeutsch heißt, weniger Feuchtigkeit, dafür mehr Feststoffe dürften deshalb nicht unbrauchbarer sein. Es lebe der Schimmel ! ;-)

    "(ich wohne in einer Wohnung und habe keine Möglichkeit der Verwertung)."
    Aber vielleicht andere, die du kennst. Von denen du beim Abgeben etwas Erde mitnimmst und diese Erde dann in dünnen Schichten auf deinen Biomüll aufbringst. So hat jeder was davon, etwas Aufwand, etwas mehr Platzbedarf, aber am Ende ein Gewinn. Für die Kommune ein Verlust, für den Garten des Empfängers und eurer neu enstandenen Win-Win-Situation evtl. die Grundlage für eine Kooperation, die darüber hinaus Früchte trägt.

    Beantwortet von Robinson am 28.Mai 2012, 12:17
    • Maria_L

      Statt einer dünnen Schicht Erde ist auch Gesteinsmehl ganz toll. Es bindet Gerüche und Flüssigkeit...mehr

      Maria_L am 28.Mai 2012, 13:52
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  • Maria_L

    Klar ist der Biomüll für den Kompost noch nutzbar.
    Der Schimmel ist ja auch nur eine Stufe der "Vorverdauung".
    Allerdings ist es evt. nicht so wirklich gesund, wenn Du die Schimmelsporen in der Wohnung hast.

    Beantwortet von Maria_L am 27.Mai 2012, 17:54
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